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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Pusses.
Band III. Spez. Theil.
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
100.
(Fortsetzung.)
16. Woche reichlichen und zeitweise jauchigen Eiterung bilden sichviele Abszesse und es kommt zu theilweisem Absterben der Bruch-enden. Nach Abstossung des nekrotisch Gewordenen tritt Besserungein. Von der 20. Woche ab findet reichliche Knochenneubildungstatt. Die Bruchendeu sind nicht mehr gegen einander verschiebbar.Die Heilung ist erst am 17. Dezember 1871 vollendet, vorzugs-weise durch fistulöse Eiterung mit Splitterausstossung. In Folgeausgedehnter, mit dem Knochen verwachsener Narben steht derFuss in Rückenbeugung, die grosse Zehe in Sohlenbeugung.B. vermag mit dem Fuss nicht aufzutreten; Gehen daher nur mitKrücken möglich. (Vergl. Koch in v. Langenbeck's Archiv,Bd. XIII, S. 520, No. 71.)
101.
N. B., vom 2. Thüringischen In-fanterie-Regiment No. 32, verwundetam 6. August 1870 hei Wörth:Gewehrschuss-Splitterbruch des lin-ken Schien- und Wadenheins imoberen Drittel. Eingangsöffnung ander äusseren Seite der linken Wade,Ausgangsöffnung vorn innen, 8 cmlang und 4 cm breit.
Es wird ein gefensterter Gypsverband angelegt. Esmarch'scheSchwebe. In der 2. Woche wird bei Erneuerung des Gypsverbandesein in der Wunde liegender grosser Splitter des Schienbeins heraus-gezogen, wodurch die Markhöhle von aussen sichtbar wird. Dieöftere Ausstossung grösserer Splitter unterhält bis zur 9. Wochestärkere Eiterung, hindert aber nicht die Befestigung der beidenBruchenden. Am Ende der 9. Woche erscheint das Bein gebeugt,der Fuss in erheblicher Spitzfussstellung. Das Wadenbein zeigteinen nach vorn offenen Winkel, das geradlinig festgewachseneSchienbein reichlichen Kallus. Nach zwei in der 10. und 11. Wochebehufs Beseitigung der ungewöhnlichen Stellung vorgenommenenkräftigen Streckversuchen, bei welchen jedesmal eine starke, durchDruck aber stillbare Blutung eintritt, wird das Bein in Esmarch'seherSchwebe hochgelagert. Langsame Besserung. In der 20. Wochemachte die stark gebeugte grosse Zehe eine Streckung in Chloroform-betäubung nothwendig. Fistulöse Eiterung führte in den 10 folgendenWochen zur Entfernung mehrerer, theilweise sehr grosser Sequester,so dass B. erst in der 32. Woche Gehversuche unternehmen undMitte Mai 1871 das Lazareth geheilt verlassen konnte. Grossefestgewachsene Narben hinderten das Gehen nicht.
9'/i Monate.
102.
J. B., vom Westfälischen Feld-Artillerie-Regiment No. 7, ver-wundet am 6. August 1870 beiSpicheren: Gewehrschussbruch immittleren Drittel des linken Schien-und Wadenbeins. Eingangsöffnungvorn, Ausgangsöffnung hintenaussen.
Gypsverband. Derselbe wurde vom 6. Tage nach der Ver-wundung an bis zur Befestigung der Bruchendeu untereinandergut vertragen. In der 3. Woche war die Ausgangsöffnung ver-,narbt, bei der Eingangsöffnung bestand mehrere Tage lang starkePulsation des Eiters. Im weiteren Verlauf wurden mehrfach Eiter-herde gespalten, kleinere und grössere Splitter entfernt. Am1. Dezember 1870 war die Heilung vollendet. B. vermochte mitdem Stock gut zu gehen; der Bruch war gerade geheilt. (Vergl.v. Beck, S. 728, No. 6.)
3 5 /6 Mouate.
103.
E. B., vom Schleswigschen In-fanterie-Regiment No. 84, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Splitterbruch des rechtenSchien- und Wadenbeins im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung vorn am Schienbein,6 cm über dem Fussgelenk. Aus-gangsöffnung an der Aussenseitedes Beins.
Das Bein schlotterte. Aus der Wunde wurden Splitter undSequester entfernt und darauf ein Gypsverband mit Drahtschieuenangelegt. Der Verlauf war ein langwieriger, oftmals unterbrochendurch Bildung grosser Eiterherde und Zellgewebsentzündungen.Im Ganzen wurden 11 Einschnitte gemacht, 8 Knochensplitterund Sequester aus der Wunde entfernt; der grösste derselben war8 cm lang. Ende Juli 1871 waren die Wunden geheilt. Am28. August waren die Bruchenden untereinander fest verwachsen,das Bein zeigte einen nach innen offenen Winkel von 150°. Dasobere. Bruchstück des Wadenbeins ragte spitz hervor. Die Mus-kulatur des Beins war abgemagert (7 cm). Die Hautnarben grössten-theils mit dem Knochen verwachsen. Bewegung im Fussgelenk nurin beschränktem Maasse möglich. (Vergl. Socin, S. 141, No. 7.)
11 2 /5Monate.