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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Pusses.

Band III. Spez. Theil.

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

93.

(Fortsetzung.)

los, delirirt fortwährend. Am 25. Tage finden sich in der Leisten-gegend einzelne schwarze Stellen, ausserdem Blasen, welcheeine trübe, grüngelbe Jauche entleeren und nach 24 Stunden vonHaut entblösste, brandige Geschwüre darstellen. Fieber gering,Jauchung der Wunden reichlich. Am 27. Tage zeigt der Brand inder Leistengegend eine Grenzlinie, dagegen ist der Fuss kalt, ge-fühllos und auf der Rückenseite schwarz gefleckt, der Puls ist kaumfühlbar. 24 Stunden später liegt M. völlig theilnahmslos da, dasBein ist ganz kalt, der Fuss schwarzblau. Um die Wunden herumhaben sich grosse, mit Blut gefüllte Blasen gebildet; in der Leisten-gegend liegen die Muskeln frei da. Am Nachmittage des 28. Krank-heitstages erlöst der Tod den Verwundeten von seinem Leiden.

94.

F. N., vom 1. MagdeburgischenInfanterie-Regiment No. 26, ver-wundet am 30. August 1870 beiBeaumont: Absplitterung desSchien- und Wadenbeins im oberenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung innen, Ausgangs-öffnung fehlt.

Das Geschoss war bei gebeugtem Knie 4 cm über diesem amOberschenkel eingedrungen, 7 cm unterhalb des Knies zwischenSchien- und Wadenbein stecken geblieben und von dort entferntworden. Zusammenhang nicht vollständig aufgehoben, Entfernungvieler Splitter, Gypsverband. Von der 6. Woche ab wurde der bis-herige zufriedenstellende Verlauf ohne nachweisbare Ursache sehrschlecht und besserte sich erst nach 14 Tagen allmälig wieder. DerEiter war missfarbig geworden, die Wunden hatten sich vergrössert,an mehreren Stellen war Druckbrand aufgetreten. In der 12. und13. Woche wurde das Befinden wiederum schlimmer; aus aus-gedehnten Eiterherden in der Umgebung des Knies wurden grosse,brandige Fetzen und reichliche Mengen schlechten Eiters ent-leert. Unter hohem Fieber und öfteren Frösten geht der Kräfte-verfall stetig vor sich, bis am 111. Tage der Tod in Folge vonKnochenmarkentzündung erfolgt.

Sektion: Das untere, bezw. obere Drittel des Ober- und Unter-schenkels hinten innen völlig unterhöhlt; in der Höhle graubraunerEiter mit gallertartigen Leimangängen. Oberschenkelknochen un-verletzt, Schienbein von hinten nach vorn unten und aussen durch-bohrt und abgesplittert. Kanal im Schienbein noch offen, mitdunklen, flüssigen Massen erfüllt. Zwischen Schien- und Wadenbeinin einer Ausdehnung von 7 cm Knochensplitter und Wucherungenvorhanden. Wadenbein an einer Stelle kaiios.

3 2 /3 Monate.

95.

G. S., vom 3. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Verletzung desrechten Schienbeins im mittlerenDrittel durch Gewehrschuss.

Die Wunden werden mit Charpie verbunden, Lagerung ia-^lnerbis über das Knie reichenden Drahthose. Starke Schwellung desUnterschenkels; feuchtwarme Umschläge. Am 13. und 21. Tageheftige Schmerzen längs des Schienbeins; Entfernung von Knochen-splittern und eines Granatsplitters. Unmittelbar nach Herausnahmedes letzteren hohes Fieber von mehrtägiger Dauer und nach kurz-dauernder Besserung Schüttelfröste. Schmerzen in den Schulter-gelenken und der Lebergegend treten auf. Der Kranke verfälltzusehends und stirbt in Folge von Pyämie und Knochenmark-entzündung am 60. Tage.

Sektion: Die innere Kante des nicht vollständig gebrochenenSchienbeins ist durchschlagen, an der hinteren Fläche findet sichein abgesprengter, mit dem Schienbein noch in Verbindung ge-bliebener Splitter von 10 cm Länge, eingehüllt in eine dickeKnochenhautlage. In der Markhöhle 9 cm weit eine rothe, breiig-schmierige Masse; in der Umgebung des Schienbeins bis zum un-versehrten Wadenbein eine 9 cm lange Eitertasche. Rechts Empyem,grosser Eiterherd in der Leber, metastatische eitrige Entzündungdes Schultergelenkes links.

2 Monate.