Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1153
Einzelbild herunterladen
 

H

Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1153

te.

te.

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

91.

H. H., Unteroffizier vom 5. Ost-preussischen Infanterie - RegimentNo. 41, verwundet am 14. August1870 beiColombeyNouilly: Streif-schuss an das rechte Wadenbein imoberen Drittel. Eingangsöffnungvorn aussen, Ausgangsöffnung hintenan der Wade.

In der 3. Woche wendet sich der bisherige normale Verlauf zumSchlimmen. Die Wunden beginnen stark abzusondern, eine Zeu-ge websentzündung an der Wade bildet sich. Am 21. Tage trittein Schüttelfrost auf als Vorläufer einer sehr akuten Knochen-hautentzündung am Wadenbein, welche schon nach wenigen Tageneine beschränkte Nekrose unterhalb des Wadenbeinköpfchens undeine Lähmung der Streckergruppe erzeugt. In der Annahme, dassvielleicht ein zurückgebliebenes Stück einer Kugel fortwährendenReiz ausübe, werden am 31. Tage mehrere tiefe Einschnitte ge-macht, das Gesuchte wird aber nicht gefunden. Vier Tage späterschwillt das ganze Bein stark an, Blasen entstehen auf der ge-rötheten und prallen Haut, im Kniegelenk bildet sich ein Erguss,am 39. Tage hat H. blutige Stühle. Dieser Zustand hält einigeTage an. In der 7. Woche sinken die Blasen ein, aber Brand derHaut und der oberflächlichen Fascie bildet sich aus. Obgleich II.einen Puls von 120 bis 132 Schlägen hat, ist Temperaturerhöhungnicht vorhanden. Durch hochgradige Erschöpfung wird H. am73. Tage von seinem qualvollen Leiden erlöst.

Sektion: Grosse Eiterhöhle zwischen den Mm. gastrocnemiusund soleus. Wadenbein am Köpfchen abgestorben; hier das Knie-gelenk eröffnet. Gelenkknorpel und Bandscheiben sind vollständigaufgesogen, die Knochen liegen frei. Eitersenkung nach der innerenSeite des Oberschenkels, keine Kugelstücke.

2 l /a Monate.

92.

W. K., vom 4. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Rinnenschussan das linke Schienbein im oberenDrittel. Eingangsöffnung aussenvom Schienbeinhöcker, Ausgangs-öifnung innen.

Das Schienbein zeigt eine querverlaufende Furche; anfangs beimassiger Eiterung leidlicher Verlauf. Vom 12. Tage ab Fieber undDurchfälle, welche letzteren aber 7 Tage später bedeutend nachlassen.Am 25. Tage bietet K. das Bild eines Mannes mit schwerem All-gemeinleiden: aufgetriebener, schmerzhafter Leib, trockener Husten,Gelbfärbung, Vergrösserung der Leber und der Milz. Nach24 Stunden stellt sich Erbrechen von grünlicher Flüssigkeit einund Durchfälle; 2 Tage darauf führt Kräfteverfall zum Tode.

28 Tage.

93.

E. M., vom Sächsischen Feld-Artillerie-Regiment No. 12, ver-wundet am 1. September 1870 beiSvd;m: Absr/litterung vom linkenSchienbein im mittleren Drittel.

Der vorderen Schienbeinkante entsprechend findet sich im mitt-leren Drittel ein 3 cm langer und breiter Weichtheilverlust, so dassdas gespaltene Schienbein blossliegt und nach dem Wadenbein zudie zerrissene Muskulatur hervortritt. Ein Gypsverband wird an-gelegt, aber schon nach 3 Tagen wegen starker Schwellung durchSchienen ersetzt. Die Wundabsonderung ist massig und sieht gutaus. Am 9. Tage ragt ein apfelgrosser Fleischwulst, mit üppigenGranulationen bedeckt, über die Wunde hervor und erschwert denAbfluss der Absonderung derart, dass 10 Tage später eine be-deutende Jauchemasse die Knochenhaut weithin abgehoben hat undeine Eitersenkung im unteren Drittel des Oberschenkels gefunden wird.Durch Einschnitt werden an beiden Stellen mehr als 500 g einermit Gewebsfetzen vermischten Jauche entleert. M. sieht verfallenaus. Eine 2 Tage später in Chloroformbetäubung ausgeführte Unter-suchung ergiebt Abhebung der Knochenhaut bis zum unteren Dritteldes Schienbeins, ausgedehnte Jauchehöhlen daselbst und am Ober-schenkel, sowie Verbindung derselben untereinander. Wegen gleich-zeitig vorhandenen Oedems des ganzen Beines bis zur Leistengegendwerden die Schienen weggelassen und Lagerung auf schiefer Ebeneangewendet. Am 24. Tage erscheint das Oedem noch stärker, dieLeistendrüsen sind bedeutend geschwollen. M., obwohl fieber-

(Portsetzung umstehend.)

28 Tage.

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

145