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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
86.
F. M., vom Sächsischen 8. In-fanterie-Regiment No. 107, ver-wundet am 1. September 1870 beiSedan: Streifschuss an das rechteWadenbein im unteren Drittel.Eingangsöffnung vorn, Ausgangs-öffnung fehlt.
Die Kugel drang neben der vorderen Schienbeinkante ein, ver-letzte das Wadenbein sowie den langen Zehenstrecker und wurdeam äusseren Knöchel herausgeschnitten. Ende der 3. Woche wirdder sonst normale Verlauf durch Eiterherdbildung, in der 6. Wochedurch eine stark fieberhafte Lymphgefässentzündung erheblich be-einträchtigt. Am 27. Januar 1871 Heilung. Streckung der grossenZehe behindert.
5 Monate.
87.
K.Sch., vom 7. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 60, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Verletzung des linkenWadenbeins im oberen Drittel durchGewehrschuss. Eingangsöffnungvorn, Ausgangsöffnung hinten.
Die Kugel drang zwischen Schien- und Wadenbein ein, Stückevon letzterem absplitternd. In Watte-Schienenverband bildet sichguter Kallus. Ende der 6. Woche steht Seh. auf und verlässt am15. Oktober 1870 geheilt das Lazareth.
2 Monate.
88.
B. W., vom 2. ThüringischenInfanterie-Regiment No. 32, ver-wundet am 6. August 1870 beiWörth: Verletzung des rechtenWadenbeins im mittleren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung innen vorn, Ausgangs-öffnung aussen. Ausserdem Fleisch-schuss in den linken Unterschenkel.Eingangsöffnung vorn, Ausgangs-öffnung hinten.
Rechts: die Eingangsöffnung ist rund, die Ausgangsöffnunglänglich; das Wadenbein ist gestreift; ein Stück Kugel, welchesunter der Haut gefühlt wird, muss am 13. Tage wegen drohendenDurchbruchs ausgeschnitten werden; Ende der 3. Woche Einschnittin eine fieberhafte Zellgewebsentzündung des Unterschenkels, dannguter Verlauf und Heilung am 30. September 1870. Links: dieKugel hat das Zwischenknochenband durchbohrt, ohne die Knochenoder sonst wichtigere Theile zu verletzen; normaler Verlauf.
l 4 /5 Monate.
89.
90.
A. D., vom 3. Westfälischen In-fanterie-Regiment No. 16, verwundetam 16. August 1870 bei Mars laTour: Verletzung des rechtenSchienbeins im unteren Dritteldurch Granatsplitter. Ein- undAusgangsöffnung vorn.
2. Gestorbene.
Zwei Querfinger breiter Gewebsverlust am Schienbein bei er-haltenem Zusammenhang, Entfernung zweier Granatsplitter. Am17. Tage wird handbreit unterhalb der Wunde ein Eiterherd ge-öffnet und ein dritter Splitter entfernt. Am 26. Tage treten ohnesichtbare Verschlimmerung der Wunden Fröcte mit Verfalls-erscheinungen auf und 4 Tage später Durchfälle. Nach kurzeranscheinender Besserung folgen pyämische Erscheinungen, weicheam 45. Tage nach der Verwundung zum Tode führen.
Sektion: Handbreit über dem Fussgelenk zwischen beidenKnochen ein Granatsplitter.
A. E., vom Sächsischen 4. In-fanterie-Regiment No. 103, ver-wundet am 29. August 1870 beiNouart: Verletzung des rechtenSchien- und Wadenbeines im oberenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung 8 cm über deminneren Knöchel, Ausgangsöffnung14 cm unterhalb des äusseren Knie-scheibenrandes.
Aus der 2 cm im Durchmesser haltenden, runden Ausgangs-öffnung quellen zerrissene Muskelbäuche hervor; nach 3 Tagenschwillt der Unterschenkel vorübergehend stark an, doch bleibt dieEiterung massig, das Allgemeinbefinden gut. In der 3. Wochewird an der inneren Seite des Schienbeins eine tief in die Weich-theile sich hineinerstreckende Eiterhöhle gespalten und mehr-fache Splitterung des Schienbeins ohne Trennung des Zusammen-hangs mit weitgehender Ablösung der Knochenhaut festgestellt.An Stelle der bisherigen hohen Lagerung wird ein Gypsverbandangelegt und gut vertragen. Am 27. Tage verschlechtert sich derZustand, unter häufigen Schüttelfrösten tritt am 34. Tage währendder Nacht Brand des Unterschenkels und am folgenden Tage derTod ein.
l*/l Monate.
35 Tage.