Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
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Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauerder
Lazareth-behandlung.
4
57.
W. J., vom 6. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 52, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Verletzung des rech-ten Schienbeins im oberen Dritteldurch Gewehrschuss.
Das Schienbein ist an der Aussenseite gesplittert. Am 12. Tagewird die Eiterung stark und jauchig, das Allgemeinbefinden istsehr schlecht. 8 Tage später entwickelt sich eine Knochenhaut-entzündung des Schienbeins. Am 41. Tage, 48 Stunden nachEröffnung eines unter der Beinhaut gelegenen Eiterherdes, zeigt dieWunde diphtherischen Belag und vergrössert sich in dennächsten 6 Tagen in erheblicher Weise. Vom 54. bis 110. Tagemehrmalige Entfernung von Splittern. Heilung am 6. Januar 1871.
4 2 /3 Monate.
58.
K. K., vom 3. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Verletzungdes linken Schienbeins im oberenDrittel durch Granatschuss.
Absplitterung der vorderen Schienbeinkante. Oelverband. Am46. Tage werden Splitter entfernt und behufs Ruhigstellung desBeins ein Wasserglasverband angelegt. 3 Wochen nöthigt eineZellgewebsentzündung zur Abnahme des Verbandes und Eiter-entleerung durch Einschnitt. Die Knochenneubildung, sowie derVernarbungsprozess geht langsam vor sich, so dass K. erst am30. Dezember 1870 geheilt das Lazareth verlassen kann.
4 2 /5 Monate.
59.
A. K., vom 8. OstpreussischenInfanterie-Regiment No. 45, ver-wundet am 31. August 1870 beiNoisseville: Verletzung des rechtenSchienbeins im mittleren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öflnurg innen, AusgangsöfFnung ander Wade.
Das Schienbein ist gesplittert, sein Zusammenhang aber nichtaufgehoben. In den ersten Wochen werden aus der Eingangs-öffnung 12 Knochensplitter entfernt, zum Theil mit Bleispuren.In der 11. Woche ist die Ausgangsöffnung geheilt, bei der Eingangs-öffnung jedoch besteht noch eine Fistel, welche auf rauhen Knochenführt und erst Mitte April 1871 nach mehrmaliger Knochengries-abstossung vernarbt. Spannende, zerrende Narben bleiben zurück.Gang behindert.
7 '/a Monate.
60.
K.K., vom 3. Badischen Infanterie-Regiment No. 111, verwundet am22. Oktober 1870: Rinnenschussan das Schienlffiein im oberen Drittel.EingangsöffnUrig vorn unter demHöcker des Schienbeins, Ausgangs-ifaiiii' fehlt, j
Die Schussrinne verläuft durch die vordere Schienbeinkante zurInnenfläche des Schienbeins, wo die unter der Haut liegende Kugelentfernt wird. Am 17. Tage wird nach vorausgegangener starkerEiterung eine Höhle eröffnet, welche bis zur hinteren Seite derKniegelenkkapsel reicht, am 23. Tage ein zwischen den Beuge-muskeln des Unterschenkels liegender Eitergang gespalten. Gleich-zeitig werden von der Ausgangsöffnung aus mehrere Knochen-stückchen aus der Schussrinne entfernt. Der weitere Verlauf bleibtungestört. Am 53. Tage ist die Knochenlücke nahezu ausgefüllt undam 9. Februar 1871 Heilung erfolgt. Viele und ausgedehnte,theilweise am Knochen festgewachsene Narben bleiben zurück.1872 ist der Gang noch etwas beeinträchtigt.
4 Monate.
61.
K. K., vom Colbergschen Grena-dier - Regiment (2. Pommersches)No. 9, verwundet am 1. Februar1871 bei Pontarlier: Verletzung deslinken Schienbeins im oberen Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung vorn unter dem Höckerdes Schienbeins, Ausgangsöffnungfehlt.
Die Kugel wird in der Mitte der Wade ausgeschnitten, in der4. Woche der 2*/2 cm tiefe Schusskanal in dem Schienbein mitguten Granulationen gefüllt gefunden. Der fernere Verlauf istlangwierig. Ende des 7. Monats beginnt K. mit Krücken zu gehen,muss aber in den nächsten 4 Monaten wiederholt auf längere Zeitdas Bett hüten in Folge sich abstossender Splitter. Bei der Ent-lassung am 4. April 1872 besteht noch eine kleine, etwas eiterndeKnochenfistel. Gebrauchsfähigkeit des Beins beschränkt.
14 Monate.
I
Sanitäts-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.
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