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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
LaufendeNo.
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Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
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Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
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55.
G. H., Sekondlieutenant der Re-serve, verwundet am 7. Oktober 1870beiBellevue: Verletzung durch eineGewehrkugel, welche 8 cm unterhalbdes Kniegelenks (rechts oder links?)eindrang; und zwar in die äussereglatte Fläche des Schienbeins, das-selbe in Form eines Lochschussesdurchbohrte, eine Spaltung in derRichtung nach unten 13 bis 15 cmweit verursachte und durch dieWadenmuskeln, 4 cm unterhalb derEingangsöffnung, austrat.
Die Verletzung hatte eine sehr langwierige Knocheneiterungmit nachfolgendem Absterben von Knochenstücken und brandigeZerstörung der weichen Bedeckungen in recht beträchtlicher Aus-dehnung, namentlich nach oben hin, zur Folge. Die abgestorbenenKnochenstücke wurden durch Knochenneubildung eingekapselt undmussten durch eine Operation am 1. August 1871 entfernt werden.Die Knocheneiterung dauerte den ganzen Winter hindurch fort;erst eine von Mitte Mai bis Anfang Juli 1872 in Wiesbaden ge-brauchte Badekur beschränkte dieselbe auf einen die Gebrauchs-fähigkeit des Gliedes nicht weiter beeinflussenden Grad.
Befund am 16. August 1872: An der Eingangsstelle der Kugelbefindet sich eine l l /s cm tiefe trichterförmige Knochennarbe; derKörper des Schienbeins ist bis an den Kopf hinauf in der Umgebungdes früheren Schusskanals erheblich verdickt. Oberhalb derKnochennarbe befindet sich eine nahezu kreisförmige, fest auf demKnochen aufliegende, von der Zerstörung der Weichtheile her-rührende Narbe von 4Vs cm Durchmesser. Von der Knochennarbeziemlich gerade nach unten verlaufend, macht sich eine scharfe13 bis 15 cm lange Leiste auf der äusseren Seite des Schienbeinsbemerkbar, welche nach unten hin an Schärfe abnimmt und dieFolge der stattgehabten Spaltung ist. Die Muskulatur des Unter-schenkels ist etwas atrophisch, der Umfang der Wade um 3 bis 4 cmgeringer als der der anderen Seite. Der Kranke klagt über Schwächeim ganzen Bein, ferner darüber, dass er selbst nach geringen An-strengungen einen dumpfen Schmerz im Schienbein verspür^; ausser-dem bestehen von der Witterung abhängige Beschwerden. Dauerndganzinvalide.
56.
Th. H., Lieutenant, verwundetam 3. Dezember 1870 bei Orleans:Gewehrschussverletzung quer durchdas obere Drittel des linken Unter-schenkels. Knochenverletzung(wahr-scheinlich des Schienbeins).
Anfangs schien die Verletzung eine leichte und nur auf dieWeichtheile beschränkt zu sein. Der langsame Verlauf der Heilung,die allmälig auftretende Schmerzhaftigkeit in dem Wundkanal unddie Absonderung aus demselben liessen bald den Verdacht einerKnochenverletzung aufkommen. Am 15. März 1871 w de oinam äusseren Ende des Schusskanals sichtbares abgestossejÄ.Knochenstück entfernt; in der folgenden Nacht Verschleci^femgdes Allgemeinbefindens. Schüttelfrost mit Erbrechen traten aufals Zeichen eingetretener Pyamie. Wundrose, Lymphgefäss- undLymphdrüsenentzündung des ganzen linken Beins, Benomm jnheitdes Kranken, übelriechende Wundabsonderung, wiederholte Schutt. j-fröste, Durchfälle, Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute,ausserordentlich hohe Temperaturen (42°), Entzündungen des linkenFuss-, Knie- und Schultergelenks stellten sich ein und liessen dieKrankheit als sicher tödtlich erscheinen. In den ersten Tagen desApril kehrte jedoch das Bewusstsein wieder, die Fiebererscheinungenliessen nach, die Wunde nahm ein anderes Aussehen an und derKranke begann sich zu erholen. Nur die Entzündung der Gelenkeblieb bestehen, die des Schulter- und Fussgelenks mit geringerAusschwitzung, die des Kniegelenks dagegen mit massenhafterEiterbildung. Bald darauf wieder heftige Schmerzen im Knie-gelenk, das um das 6 fache seiner ursprünglichen Grösse ange-schwollen war, und quälender Tenesmus. Ein Einschnitt verschafftedem Eiter Abfluss, aber nun drohten die Gefahren einer lang-dauernden und reichlichen Eiterung. Der Kranke war so schwach,dass man sich zu einer Absetzung des Beins nicht entschliessenkonnte. Fast sterbend wurde der Kranke ins katholische Kranken-haus zu Berlin gebracht, wo er dank der vorzüglichen Pflege undder grossen Widerstandsfähigkeit seines Körpers genas.
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