BandHI. Spez. Theil.
Kasuistik.
1141
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
42.
A. M., vom 3. Rheinischen In-fanterie-Regiment No. 2 9, verwundetam 19. Januar 1871 bei St. Quentin:Verletzung beider rechten Unter-schenkelknochen im oberen Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung vorn, Ausgangsöffnunghinten aussen.
Die Kugel verursachte 6 cm unterhalb des Knies einen Loch-bruch des Schienbeins und Absplitterung des Wadenbeins. Ausder Ausgangsöffnung wurden nach der Verwundung, sowie währenddes weiteren Verlaufes ungefähr 12 Splitter entfernt. Die Eiterungwar öfters stark, trotzdem aber das Allgemeinbefinden stets gut.Im Juli Aussicht auf baldige Heilung. Fuss und Zehen stehen inSohlenbeugung.
43.
J. M., verwundet am 6. August1870 bei Spicheren: Streifschussam rechten Schien- und Wadenbeinim unteren Drittel.
Die beiden Unterschenkelknochen sind in geringem Grade ver-letzt, die Wunden vernarben in der 4. Woche. 14 Tage späterhat sich in der Umgebung der vorderen aufbrechenden Narbe eineZellgewebsentzündung gebildet, welche durch zahlreiche brandigeSplitter veranlasst war. Nach Entfernung von letzteren wird derUnterschenkel eingegypst und in Schwebe erhalten. In der12. Woche macht M. nach vollständiger Vernarbung Gehversuche,zieht sich aber durch Fall eine Fussverrenkung zu, welche ihn bisEnde Januar 1871 im Lazareth zurückhält.
5 4 /s Monate.
44.
F. A.. vom Bayerischen 3. In-fanteris-Regiment (Prinz Carl vonBayern), verwundet am 1. September1870 bei Sedan: Absplitterung deslinken Schienbeins im mittlerenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung aussen, Ausgangs-öffnung fehlt.
b. Schienbein.
Die Kugel verursachte 3 cm auswärts von der vorderen Schien-beinkante eine bohnengrosse Eingangsöffnung, verletzte das Schien-bein und blieb an der Innenseite des Unterschenkels in den Weich-theilen stecken. Am 6. Tage erfolgte nach Abschwellung desUnterschenkels die Ausschneidung des plattgedrückten Geschosses,wobei ein abgesprengtes, aber noch nicht freiliegendes Knochen-stück gefühlt wurde. Letzteres konnte am 30. Tage entfernt werden,später stiessen sich noch mehrere kleinere Splitter ab. Der Verlaufwar langsam, die Heilung am 19. März 1871 beendet.
6 2 /3 Monate.
M. B., vom Sächsischen 8. In-fanterie-Regiment No. 107, ver-wundet am 18. August 1870 beielotte: Verletzung des rechtenenbeins im unteren Drittelurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung innen, Ausgangsöffnunghandbreit über der Achillessehne.
Das Schienbein ist blossgelegt und gesplittert. Am 39. und50. Tage werden Knochensplitter entfernt, von welchen der grösste4 cm lang und 2 cm breit ist. Während des ganzen Verlaufesbleibt die Eiterabsonderung massig, doch füllt sich die Knochenlückenur langsam aus. Heilung am 15. Mai 1871. Ausgedehnte, mitdem Knochen verwachsene Narben bleiben zurück. Rücken- undSohlenbeugung ist nicht völlig frei, der Gang hinkend.
9 Monate.
46.
D. B., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier - Regiment No. 2, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Streifschuss an dasrechte Schienbein im mittlerenDrittel. Eingangsöffnung aussen,Ausgangsöffnung innen.
Die einem Haarseilschuss ähnliche Wunde wird gespalten, woraufeine Verletzung des Schienbeins sichtbar wird. Einer in der 4. Wocheaufgetretenen Wundrose folgt die Ausstossung mehrerer Splitter,welche zum Theil Bleifarbe zeigen. Heilung am 14. Dezember 1870.Keine nachtheiligen Folgen.
4 Monate.