Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
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Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
34.
E. R., vom Sächsischen 4. In-fanterie-Regiment No. 103, ver-wundet am 29. August 1870 beiNouart: Gewehrschuss indieWeich-theile des rechten Unterschenkelsim mittleren Drittel. Eingangs-öffnung innen an der Wade, Aus-gangsöffnung aussen.
Die Eingangsöffnung ist gross. Knochen oder grosse Gefässeerscheinen nicht verletzt. Verband mit Charpie und Karbollösung.Am 6. Tage röthet sich die Umgebung der Wunden, die Eiterungwird stärker, Fieber tritt auf und erreicht Abends 39.8 °. 24 Stundenspäter erscheinen Unterschenkel und Knie stark geschwollen undzeigen eine verwaschene Röthung, auf der am 9. Tage sichBlasen bilden. Die Temperatur beträgt jetzt fortwährend 40 ° unddarüber. Am 12. Tage wird Schwellung und Röthung bis überdie Leistenbeuge hinaus festgestellt. Brand des ganzen Beines ent-wickelt sich und führt am 16. Tage zum Tode.
16 Tage.
35.
S., vom 2. Ostpreussischen Gre-nadier-Regiment No. 3, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Gewehrschuss in die Weich-theile des linken Unterschenkels immittleren Drittel. Ein- und Aus-gangsöffnung an der Wade.
Ein- und Ausgangsöffnung sind von gewöhnlicher Beschaffenheit.Schwellung ist nicht vorhanden, dagegen bestehen ausgedehnte Blut-unterlaufungen am Unterschenkel. Am 2. Tage schwillt letztererunter lebhaften Schmerzen plötzlich stark an. Das Glied wird kühl,der Puls klein und häufig (104). Im Laufe des 3. Tages nimmt dieSchwellung noch bedeutend zu, Blasen bilden sich in der Gegendder Knöchel, Wade und Kniekehle und erscheinen Abends aucham Oberschenkel. Am 4. Tage ist das Bein von blauschwarzerFarbe, kühl und gefühllos, und Nachmittags tritt in Folge desBrandes plötzlich der Tod ein.
4 Tage.
B. Knochenverletzungen am Unterschenkel ohne Aufhebung des
Zusammenhanges.I. Geheilte.
a. Schien- und Wadenbein.
36.
W Schie
W Knie;
^L zoger
K. v. B., Lieutenant, verwundetam 6. August 1870 bei Spichereu:Gewehrschussverletzung dicht unterdem rechten Kniegelenk derart, dass-aas Köpfchen des rechten Waden-beins, der rechte Nervus peroneusund die Rückseite des rechtenSchienbeins verletzt und das rechteKniegelenk in Mitleidenschaft ge-zogen wurde.
v. B. wurde bis Mitte 1871 ärztlich behandelt und hat 4 Jahrehindurch je einer sechswöchentlichen Kur in Wiesbaden, ausserdemeinmal einer ebensolangen Schlammbadekur in Nenndorf sich unter-zogen, ohne bis auf etwas grössere Beweglichkeit des Kniegelenksdie erwartete Besserung zu erlangen.
Befund am 23. November 1875: Etwas uach vorn von der demKöpfchen des Wadenbeins entsprechenden Stelle findet sich eineovale, 3 cm lange, 1 '/s cm breite, bewegliche Narbe, die von der Ein-gangsöffnung herrührt; an der äusseren Seite in der Höhe der Mitteder Wade eine etwa ebensogrosse, mit der unterliegenden Muskulaturverwachsene Narbe, von einem Einschnitt herrührend; die Narbe derAusgangswunde hinter dem Ursprung der Achillessehne ist mitderselben fest verwachsen und tief eingezogen. Der Umfang derWade rechts um 5 cm geringer als links. Die Haut der äusserenSeite des Unterschenkels und des Fussrückens gegen Druck undStich fast unempfindlich. Beugung des Unterschenkels nur biszum rechten Winkel möglich. Im Fussgelenk nur geringe Drehung,Beugung und Streckung gar nicht möglich, v. B. ist nicht imStande, ohne eine Stahlschiene, welche, unter dem Kniegelenk undan der Stiefelsohle befestigt, dem Fussgelenk Halt giebt, miteiniger Sicherheit zu gehen. Stösst er an das kleinste Hinderniss,so knickt das Fussgelenk, da er auf dem äusseren Fussrande mitder Spitze nach unten geneigt geht, nach aussen um. Unfähig zurFortsetzung des aktiven Dienstes. Die Störung der aktiven Be-wegungsfähigkeit des Fusses ist dem Verluste des Gliedes jedochnicht gleichzuachten.
Seit 30. April 1877 thut v. B. Dienst als Kompagnie-Chefin einermilitärischen Anstalt.
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