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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

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LaufendeNo.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

31.

H. E., vom Sächsischen 4. In-fanterie-Regiment No. 103, ver-wundet am 29. August 1870 beiNouart: Gewehrschuss in die Weich-theile des linken Unterschenkelsim oberen Drittel. Eingangsöffnungvorn, Ausgangsöffimng hinten.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

3

Das Geschoss verursachte vorn aussen am Unterschenkel einegrosse, gerissene Eintrittswunde, durchbohrte das Zwischen-knochenband anscheinend ohne Verletzung von Knochen odergrösseren Gefässen und trat an der Wade aus. Die ersten 4 Tageverliefen bei Karbolbehandlung in normaler Weise, bis am 5. Tagedie Umgebung der Eingangsöffnung sich entzündete, die Wundeselbst rasch ein missfarbenes Aussehen annahm und am 6. Tageplötzlich eine starke Blutung gleichzeitig aus Ein- und Ausgangs-öffnung auftrat. Die Blutstillung gelang zwar sofort durch Finger-druck auf die Schenkelschlagader und nachfolgenden örtlichenDruckverband, doch stellte sich kurze Zeit darauf ein Schüttelfrostund noch am gleichen Tage die zweite Blutung ein. E. fandnämlich den fest tamponirenden Verband unbequem, lockerte ihndeshalb Nachts eigenmächtig und verlor so eine grosse Menge Blut,bevor die neue Blutung bemerkt und wiederum durch Anlegeneines Druckverbandes zum Stehen gebracht wurde. Währendbisher E. kaum gefiebert und subjektiv sich wohl gefühlt hatte,bekam er am nächsten Tage (7.) Mittags einen heftigen Schüttel-frost, welcher den nunmehr beginnenden stürmischen Verlauf ein-leitete. Im Laufe weniger Stunden wurde der Unterschenkel vonödematöser Schwellung befallen, welche so rasche Fortschrittemachte, dass am 8. Tage Morgens das ganze linke Bein stark ge-schwollen und hart anzufühlen war; ausserdem entwickelte sichneben missfarbigem Aussehen und Jauchen der Wunden Emphysemunter der Haut am Unterschenkel. Hand in Hand mit dem ört-lichen Befunde ging die Verschlimmerung des Allgemeinzustandes,hohes Fieber und fortwährendes Irrereden. Trotz erfolgter Abnahmevon etwa drückenden Verbänden und trotz ausgiebigster Anwendungvon Karbolsäure war am 9. Tage Morgens die Haut des Unter-schenkels stellenweise in mit Blut und Jauche gefüllte Blasen ab-gehoben und Abends in grosser Ausdehnung schwarzgrün gefärbt.In den nächsten 24 Stunden erreichten Emphysem und Blasenbildungden Bauch, um am 11. Tage bis zur linken Achselhöhle vorzudringen.Gleichzeitig hiermit wurde die Haut des ganzen Beines, sowie ingrosser Ausdehnung auch die der linken Rumpfhälfte in Folgedes Brandes schwarzgrün; Abends 6 Uhr trat der Tod ein.

J. G., Sergeant, vom 6. Ost-ussischen Infanterie - Regiment43, verwundet am 27. OktoberWeichtheilschuss in denlinken Unterschenkel im mittlerenDrittel. Eingangsöffnung aussen,Ausgangsöffnung innen.

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

G. wurde auf Vorposten aus nächster Nähe angeschossen. DieWeichtheile waren an der Aussenseite der Wade in grosser Aus-dehnung zerrissen und die Umgebung durch Pulverkörner schwarzgefärbt. Eine sehr starke Blutung stand auf Druck. Der anfangsgute Verlauf wurde am 10. Tage durch Kopfschmerz und allgemeinesUnbehagen gestört. Das Aussehen der Wunden verschlechterte sich,und am 13. Tage trat Nachts eine starke Blutung auf. 1000 cbcm. Alsbald nach der Blutung, welche durch Druck auf die Ober-schenkelschlagader und örtlichen Druckverband gestillt wordenwar, stellte sich hohes Fieber ein, das den hochgradig geschwächtenG. nun nicht mehr verliess. Zusehends verfielen die Kräfte desKranken mehr und mehr. Die Wunden begannen zu jauchen, am18. Tage stellte sich der erste Schüttelfrost ein, dem nun eine Reiheweiterer Fröste folgte. 11 Tage später ging G.unter pyämischenErscheinungen zu Grunde. Von letzteren wurde Gelbfärbung am19., rechtsseitige Rippenfellentzündung und Erguss im linken Knie-gelenk am 22. bezw. 24. Krankheitstage festgestellt.

143

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

11 Tage.

29 Tage.