Band III. Spez.Theil.
Kasuistik.
1135
LaufendeNo.
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
23.
F. Pr., Füsilier vom 4. Branden-burgischen Infanterie - RegimentNo. 24 (Grossherzog von Mecklen-burg - Schwerin), verwundet am16. August 1870: Gewehrschuss inden linken Unterschenkel und indie rechte Schulter.
Befund am 20. Januar 1875 : Eine Narbe an der rechten Schulterund eine an der rechten Brusthälfte, zwei Narben in der Mitte deslinken Unterschenkels. Sämmtliche Wunden gut geheilt, ohneGebrauchsstörung der betreffenden Glieder.
Befund im August 1876: Deutliche Verschlimmerung ist wahr-zunehmen. Rechtes Schultergelenk und rechter Arm magerer alsdie Theile der linken Seite. Die Verwundung am linken Unter-schenkel bedingt erhebliche Störungen in der Gebrauchsfähigkeitdieses Gliedes, namentlich wird die vordere Narbe durch ihre Ver-wachsung mit der Fascie bei Bewegungen des Gliedes fortwährendgezerrt. Ueber der Narbe fühlt man eine ziemlich umfangreiche,schlitzförmige Oeffnung in der Fascie; diese selbst ist verdicktund gespannt. Die Ernährung des linken Unterschenkels ist krank-haft verändert. Besserung ist nicht wahrscheinlich. Ursprünglich:zeitig (auf 1 Jahr) halbinvalide. Endgiltig: dauernd ganzinvalide,dauernd theilweise erwerbsunfähig.
24.
F. R., vom Sächsischen 7. In-fanterie - Regiment (Prinz Georg)No. 106, verwundet am 30. No-vember 1870 bei Villiers: Gewehr-schuss in die Weichtheile des rech-ten Unterschenkels im mittlerenDrittel.
Der Schusskanal an der äusseren Seite der Wade ist 9 cm lang.Die Wade schwillt in den ersten 8 Tagen sehr stark an und ver-ursacht heftige Schmerzen. Der langsam zurückgehenden Schwellungfolgt normaler Verlauf und Heilung am 24. Februar 1871. DerGang ist hinkend.
2 4 A Monate.
25.
Ch S"ch., vom OstpreussischenFüsilier - Regiment No. 33, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss in dieWeichtheile des linken Unter-schenkels im mittleren Drittel.Eingangsöffnung innen, Ausgangs-öffnung aussen.
Während des langsamen, aber sonst befriedigenden Wundverlaufeskam es in der 6. Woche zu einer umschriebenen Zellgewebsentzündungin der Nähe der Eingangsöffnung und in der 9. Woche zur Eiter-senkung unter den Muse, soleus. Nach Einschnitt vernarbten sämmt-liche Wunden bei wechselnd starker Eiterung in der 17. Woche.Die Entlassung erfolgte am 6. Januar 1871. Gang behindert.
4 3 /s Monate.
26.
E. Seh., vom Sächsischen 2. Grena-dier - Regiment (Kaiser Wilhelm,König von Preussen) No. 101, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss in die
eichtheile des linken Unter-:nkels im oberen Drittel. Ein-gangsöffnung aussen, Ausgangs-öffnunar fehlt.
5 cm nach innen unten vom Wadenbeinköpfchen befindet sich die1 V« cm grosse Eingangsöffnung, welche die Sonde 4 cm weit nachinnen oben vordringen lässt. Am 2. Tage wird die Kugel an derInnenseite des Unterschenkels in der Höhe des oberen Schienbein-randes herausgeschnitten, worauf die Wunden nach 9 Wochensich schliessen. Die äussere Narbe, wulstig und hart, hindert dieBewegungen im Kniegelenk nicht, dagegen ist Seh. niedergeschlagen,ängstlich und klagt über neuralgische Schmerzen im Unterschenkelund Fuss. Das Auftreten mit dem Fuss ist unmöglich. Da dieseSchmerzen jeder Behandlung hartnäckigen Widerstand leisteten,ohne in irgend einer Weise sich zu bessern, erschien die Annahmegerechtfertigt, dass die Narbe durch Druck auf den Nerven dieUrsache sei. Es wird daher in der 13. Woche die Narbe heraus-geschnitten und eine derartige Besserung erzielt, dass Seh. 5 Wochenspäter Gehversuche machen kann. Von jetzt ab führte eine zwarlangsame, aber stetige Besserung zur Heilung am 9. Mai 1871.
8 2 /3 Monate.
27.
A. Th., vom Kaiser AlexanderGarde - Grenadier-Regiment No. 1,verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss in denrechten Unterschenkel.
Befund am 28. April 1872: Es finden sich zwei Schussnarben:die hintere, nicht verschiebbare, auf der Mitte der rechten Wade,die vordere an der Innenfläche der Wadenmuskulatur unter deminneren Knöchel.
1874: Th. will bei Witterungswechsel reissende Schmerzen indem ganzen rechten Bein empfinden. Ursprünglich: Zeitig halb-invalide. Endgiltig: Dauernd halbinvalide.
4 Monate.