Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
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LaufendeNo.
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
G. B., vom Sächsischen Schützen-Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Gewehrschuss in die Mus-kulatur des rechten Unterschenkelsim oberen Drittel. Eingangsöffnungaussen, Ausgangsöffnung innen.
Die Kugel durchbohrte die Köpfe des Musculus gastrocnemius,ohne die Knochen zu verletzen. In der 2. Woche kam es zu einerEitersenkung am inneren Rande des inneren Kopfes mit nach-folgender Entleerung durch Einschnitt. Der weitere Wundverlaufwar normal, doch bildete sich Spitzfussstellung mit starker Beugungder Zehen aus, welche durch das Anlegen von Schienen nur geringeBesserung erfuhr. Es wird daher Anfang des 4. Monats bei nahezuvernarbten Wunden die gewaltsame Rückenbeugung des Fussesmit Streckung der Zehen in Chloroformbetäubung vorgenommenund ein Gypsverband angelegt. Nach 4 Wochen ist die Spitzfuss-stellung zwar erheblich verbessert, aber noch nicht ganz beseitigt.
B. wird am 4. Mai 1871 zur Badekur nach Teplitz entlassen. ImFussgelenk geringe Beweglichkeit und Neigung zur Klumpfuss-stellung. Das Gehen ist nur mit Hilfe eines Stockes möglich.
5 Monate.
H. B., vom Württembergischen2. Infanterie-Regiment, verwundetam 30. November 1870bei Villiers:Gewehrschuss in die Weichtheile desrechten Unterschenkels im oberenDrittel. Eingangsöffnung innen,Ausgangsöffnung fehlt.
Die Kugel wurde in dem schräg nach oben aussen verlaufenden,blinden Schusskanal der Wade vergeblich gesucht, bis Anfang des4. Monats die Sonde in einer Tiefe von 4 cm auf einen hartenKörper stiess und das Geschoss nachwies. Letzteres wurde entfernt.Die Knochen waren nicht verletzt, das Kniegelenk zeigte sich frei.Der Fuss nahm bis zum G. Monat allmälig eine massige Spitzfuss-stellung an und war im Fussgelenk aktiv nur wenig beweglich.Der Schusskanal zeigte keine Neigung zur Verkleinerung, obgleichüppige Granulationen aus demselben hervorragten, und die Sondeniemals auf Knochen kam. Nach langwieriger, aber sehr geringerEiterung wurde im 10. Monat ein 2.5 qcm grosses Stück Tuch ausdem Kanal entfernt, worauf in kürzester Zeit am 21. Oktober 1871Heilung erfolgte.
10'/»Monate.
(').
K. C, Sekondlieutenant der Re-serve, verwundet am 7. Dezember1870: Gewehrschuss in die Hinter-fiäche der linken Wade.
Befund am 15. Juni 1872: Die Wunde ist wieder halb auf-gebrochen. Oberhalb des Beginnes der Achillessehne eine etwamarkstückgrosse, granulirende Wunde von schlechtem Aussehen.Daneben Psoriasis. Dauernd ganzinvalide.
H. D., vom 6. Rheinischen In-fanterie-Regiment No. 68, verwundetam 23. Dezember 1870 an derJlallue: Streifschuss an den linken
terschenkel im mittleren Drittelcluroh Granatsplitter.
Die oberflächlichen Weichtheile der Wade sind fortgerissen, sodass der Musculus gastroknemius in grosser Ausdehnung freigelegtist. Die Wunde eitert stark, granulirt aber dabei gut und ist schonam 16. März 1871 vernarbt. Dadurch, dass die Ferse durch dieausgedehnte, derbe und verwachsene Narbe in die Höhe gezogenist, hat sich Spitzfussstellung ausgebildet.
2 3 y 4 Monate.
R.E., Füsilier vom Garde-Füsilier-Regiment: Verwundung des linkenUnterschenkels.
Befund am 13. Januar 1873: Das ganze linke Bein erscheint er-heblich dicker, als das rechte. Besonders in der Oberschenkelbeugeund am ganzen Unterschenkel befinden sich sehr dicke und pralleKrampfadern. Der rechte Unterschenkel misst 35 cm, der linke43 cm; der rechte Oberschenkel 50 cm, der linke 56 cm. Als Grundfür diese Erscheinungen ist eine Verstopfung der grossen Schenkel-vene in der Gegend des Eintrittes in die Bauchhöhle anzunehmen,welche durch die in der Schenkelbeuge entstandene Eiterung alsunmittelbare Folge der Verwundung aufgetreten ist. Dauernd ganz-invalide, dauernd theilweise erwerbsunfähig.
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