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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1127
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Band III. Spez. Theil.

III. Komplikationen und Operationen.

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Danach weist übereinstimmend mit sonstiger Erfah-rung der 10. Tag die grösste Anzahl auf; lässt mandiesen Tag ausser Betracht, so sind die Blutungen währendder 1., 2. und 3. Woche ziemlich gleich häufig, nur der12. Tag lässt ebenfalls eine Steigerung erkennen. Mit demSchluss der 3. Woche nimmt die Wahrscheinlichkeit einerNachblutung sehr bedeutend ab und bleibt von Beginn der5. Woche an dauernd auf annähernd der nämlichen Stufe.

Ihrem Charakter nach werden von den 97 sekundärenBlutungen nach Verwundung am Unterschenkel 39 (=41.0x1)als arteriell, 2 als venös, 3 als Gewebsblutungen bezeichnet.Bei den übrigen 53 fehlt eine nähere Mittheilung; ob darausgeschlossen werden kann, dass unter letzteren die Gewebs-blutungen vorgeherrscht haben, erscheint fraglich.

6 mal wurden Schlagaderblutungen anscheinend dadurchbedingt, dass Knochensplitter die Arterienwand durchstiessen(siehe No. 112,136, 233 und 262 der nachstehenden Kasuistik,ausserdem IV. Band dieses Berichtes, S. 128, XII. A. 17und V. Band, S. 633, No. 12), 1 mal durch Erkrankungder Wand der äusseren oberen Kniegelenk-Schlagader im4. Monat des Wundverlaufs.

Traumatische Aneurysmen entwickelten sich bei4 Mann (No. 10 der Kasuistik; ausserdem V. Band diesesBerichtes, S. 605 No. 23, S. 618 No. 105, S. 337 No. 138,und IV. Band, S. 129, XII. A. 27).

Die Behandlung der Nachblutungen aus Unter-schenkelwunden bestand in:

Druck auf die Wunde oder dieSchenkeisehlagader, Anwen-^"~ düng von Kis, Eisenchlorid-lösung u. s. w....... bei 12 Verwundeten

(mit 7 Todesfällen),

Unterbindung.......bei 31 Verwundeten

(mit 18 Todesfällen),Unterbindung, später Glied-

absotzung.......bei 9 Verwundeten

(mit 8 Todesfällen),

Gliedabsetzung......bei 29 Verwundeten

(mit 24 Todesfällen),j^iedabsetzung, später Unter-

.... . . . bei 16 Verwundeten

(mit 15 Todesfällen),

Summe . . 97 Verwundete(mit 72 Todesfällen).JJnterbindungen wurden danach im Ganzen 56mal,Hedabsetzungen wegen Blutungen 54mal vorgenommen.Die tertiären Unterbindungen (nach vorangegangener Glied-absetzung) haben das unbefriedigendste Endergebniss auf-zuweisen, demnächst die Unterbindungen mit nachfolgenderGliedabsetzimg; am wenigsten ungünstig verliefen begreif-licherweise die reinen Unterbindungen: mit 58.o§ Sterb-lichkeit. (Weiteres über die Unterbindungen siehe untenbei denOperationen".)

Unter den Wundkrankheiten, über deren Häufigkeitdie Tabellen II und IV auf Seite 1120/21 Auskunft ertheilen,nehmen auch hier Pyämie und Septicämie die obersteStelle ein. Ueber günstigen Ausgang trotz ausgesprochenerpyämischer Erscheinungen berichtet die schon oben (S. 1122)erwähnte Krankengeschichte No. 56. Aber auch Brand,desgleichen Hospitalbrand und Wunddiphtheriewenigstens nach Unterschenkelwunden waren häufig,noch häufiger schwere ZellgewebsentZündungen; beieinem Theil der an Wundrose Erkrankten und späterGestorbenen ist der ungünstige Ausgang auch hier (vergl.S. 1005) anderen Ursachen zuzuschreiben. Knochen-ruarkentzündung wird bei 5 am Unterschenkel, bei 1 amFuss Verwundeten angegeben, akut purulentes Oedenibei je 1 am Unterschenkel bezw. Fuss Verletzten (vergl.S. 1122); sämmtliche 8 an den eben erwähnten beidenWundaifektionen Erkrankte starben.

Hinsichtlich des Wundstarrkrampfes ist der zu-sammenhängenden Darstellung im VII. Bande dieses Be-richtes hier nichts Wesentliches hinzuzufügen.

Von inneren Krankheiten (siehe Tabelle II und IV),welche die Verwundeten befielen, finden sich ausser denhauptsächlich in Betracht kommenden Erkrankungen anTyphus und Ruhr namentlich noch Lungenentzündung,Rippenfellentzündung und Gelenkrheumatismus verzeichnet.

Von den kleinez - en operativen Eingriffen sind fürdie damalige Wundbehandlung die zahlreichen Kugel-entfernungen charakteristisch. Ueber solche wird bei 115am Unterschenkel und bei 9 am Fuss Verwundeten in denKrankengeschichten ausdrücklich berichtet. Einmal (No. 47)wurde wegen fistulöser Eiterung in der 22. Krankheitswochedie elektrische Sonde zum Nachweis des Geschosses heran-gezogen; dasselbe sass im Schienbein eingekeilt und mussteherausgemeisselt werden. Bei einem Anderen (No. 64)wurde die am 16. August 1870 in den inneren Knöcheleingedrungene Kugel erst am 17. März 1881 heraus-genommen.

Zur operativen Entfernung grösserer Splitterkam es bei 271 = 9.5 {} aller (2851) erhaltend behandeltenKnochenverletzungen am Unterschenkel und zwar selbst-verständlich weitaus am häufigsten (168 mal) bei denSplitterbrüchen, sehr viel seltener bei den einfachenBrüchen (73 mal) und bei den Knochenverletzungen ohneAufhebung des Zusammenhanges (30 mal).

Die Sterblichkeit unter denjenigen am UnterschenkelVerwundeten, bei welchen grössere Splitter herausgenommenwurden, berechnet sich im Ganzen auf 14.i }}, im Einzelnenbei den Splitterbrüchen auf 17.8 $, bei den einfachenBrüchen auf 8.1 #, bei den Knochenverletzungen ohne Auf-hebung des Zusammenhanges auf 7.4 #.

Nekrotomien wurden unter erhaltender Behandlungbei 75 am Unterschenkel Verwundeten (mit 6 Todesfällen)nothwendig. 39 derselben (mit 5 Todesfällen) entfallen aufSplitterbrüche, 25 (mit 1 Todesfall) auf einfache Brüche,