Band III. Spez. Theil.
IL Arten der Verletzung. — Verlauf und Ausgang.
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Vergleicht man die Sterblichkeit nach Splitterbrüchen(siehe S. 1117) mit der Friedenssterblichkeit nach Splitter-brüchen des Unterschenkels, welche Koenig in seinemllandbuche der Chirurgie von 1886 auf 37 bis 40 £ be-rechnet, so ergiebt sich eine auffallende Uebereinstimmung.
Brüche der Fussknochen sind anscheinend häufigerdurch eine mehr oder weniger senkrechte (No. 312, 3 IG,318, 319, 321, 322, 329, 332) als durch eine quere (No. 309,310, 313, 320, 326, 328) Schussrichtung zu Stande ge-kommen. Ueber einen blinden Schusskanal bei Splitter-bruch des Fersenbeins durch Schuss von hinten berichtetdie Krankengeschichte No. 308. Wegen der Vertheilungder Brüche auf Fusswurzel, Mittelfuss und Zehen sieheS. 1119, wegen der Sterblichkeit nach den einzelnen Artender Brüche S. 1118.
Nach Ausweis der Kasuistik schwankte die Be-handlungsdauer bei den unter erhaltender Behandlunggeheilten Brüchen der Fusswurzel zwischen 3'/i bis24 Monaten, bei denen des Mittelfusses zwischen 2 bisS'/a Monaten, bei denen der Zehen zwischen V/t bis10 Monaten. Als Durchschnitt ergiebt sich
für die Brüche der Fusswurzel . 11 Monate,„ „ „ des Mittelfusses . 5 „„ „ „ der Zehen . . . 4'/ 2 „
Lässt man den unter No. 308 aufgeführten Ver-wundeten, welcher eine ungewöhnlich lange Behandlungs-dauer (24 Monate) in Anspruch nahm, ausser Betracht, sobeträgt die mittlere Zeit für Brüche der Fusswurzel8 Monate.
-— Mehrere der Geheilten vermochten schliesslich nurmit Krücken zu gehen (No. 308, 310, 313, 320), ein an-derer „ging leidlich mit Hilfe eines Stockes" (No. 312).Vollständige Heilung oder geringe zurückbleibende Be-hinderung der Gebrauchsfähigkeit des Fusses erwähnendie Krankengeschichten No. 315, 316, 317, 322, 324, 325.Zwischen jenen ungünstigsten und diesen günstigstenBehandlungsergebnissen liegen verschiedene Grade von^brauchsstörungen. Bedingt sind letztere durch Steifheitschieden«- Gelenke (No. 308, 311, 313, 314), Auf-feibung von Knochen (No. 309, 310. 311), Spitzfuss-311), Klumpfussstellung (No. 326), Ueber-jig von Zehen (No. 308, 323), Muskelschwund(No. 311) und Verwachsung der Narben mit den darunterliegenden Geweben (No. 310, 313, 314).
Unter den Folgezuständen nach Verwundungen des
Unterschenkels und Fusses überhaupt nehmen Störungen
~ "im Bereiche de3 Nervensystems anscheinend wiederum 1 )
einen bedeutenden Platz ein. Abgesehen von den leichteren
J ) Vergl. die vorangegangenen Kapitel dieses Bandes, insbeson-dere S. 990/91.
nervösen Affektionen (neuralgische Schmerzen, neurotischerMuskelschwund u. s. w.) sowie von den nur mittelbar durchdie Verwundung bedingten Drucklähmungen in Folge desGebrauches von Krücken 1 ) sind sowohl nach Unterschenkel-wie nach Fusswunden schwere Nervenerkrankungen bekanntgeworden. Ein Theil derselben muss rückhaltlos als aus-schliesslich durch die Verwundung bedingt betrachtetwerden; bei einem anderen Theil bleibt es freilich zweifel-haft, ob die Verletzung als alleinige oder auch nur haupt-sächliche Entstehungsursache anzusprechen, oder ob nicht viel-mehr den mit dem Kriegsleben verbundenen Anstrengungen,Entbehrungen und Mühsalen die grössere Schuld beizu-messen ist. Einmal 2 ) handelte es sich um Muskelschwundmit klonischen und tonischen Krämpfen der Unterschenkel-muskulatur nach Verletzung des Wadennerven durchBajonettstich, 2mal 3 ) um sekundäre traumatische Lähmungen.Bei R. (No. 189 der nachstehenden Kasuistik) wurden am14. Tage nach der Verwundung zwei vereinzelt gebliebeneepileptiforme Anfälle beobachtet, bei drei Anderen ent-wickelte sich (nach Splitterbruch, Quetschung und Weich-theilverletzung am Unterschenkel) bleibende traumatischeEpilepsie. 4 ) Dem ersten Auftreten tabischer Erscheinungenwar einmal ein Schussbruch des Schienbeins mit Verletzungdes Wadennerven, ein anderes Mal eine Quetschung desSchienbeins, ein drittes Mal ein Schussbruch des Unter-schenkels vorausgegangen. 5 ) Ob eine 16 Jahre nach derVerwundung deutlich ausgebildete spastische Rückenmarks-lälnnung (No. 20 der nachstehenden Kasuistik) auf dieerlittene Streifung des Unterschenkels durch Granatschusszurückzuführen ist, erscheint fraglich; für den Zusammen-hang spricht immerhin, dass die ersten Zeichen der Er-krankung sich an dem verletzten Bein bemerkbar gemachthaben sollen. Wegen Geisteskrankheit nach einer Ver-wundung am Unterschenkel siehe VII. Band diesesBerichtes, S. 438, No. XXVII. Ueber günstigen Erfolgdes Ausschneidens einer auf einen Nerven drückendenNarbe berichtet die Krankengeschichte No. 26.
Vollständige Lähmung des Wadennerven kam nachZerschmetterung der grossen Zehe, 6 ) sekundäre Lähmungdes linken Arms nach Durchbohrung des rechten Fersen-beins 7 ) zu Stande. — Wegen Tabes nach Fusswunden sieheVII. Band dieses Berichtes, S. 389.
!) Vergl. VII. Band dieses Berichtes, S. 73 No. III, IV und V.
2 ) Vergl. VII. Band dieses Berichtes, S. 46, No. XL.
3) Vergl VII. Band dieses Berichtes, S. 64, No. V und S. 69,No. XVII.
4 ) Vergl. VII. Band dieses Berichtes, S. 18, No. LV und LVIund S. 24, No. LXIL
5) Vergl. VII. Band dieses Berichtes, S. 76, No. II, S. 77, No. VIIund S. 366, No. LXXX. — Siehe ausserdem ebendas. S. 389.
«) Siehe VII. Band dieses Berichtes, S. 57, No. VI.') Siehe VII. Band dieses Berichtes, S. 64, No. II.
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