Band III. Spez. Theil.
II. Quetschungen (ohne offene Wunde) und Weichtheilverletzungen.
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theilverletzungen eben nur dann zur Gliedabsetzung ge-schritten wird, wenn entweder gewaltige Zerstörungen undschwere Komplikationen (Gefässzerreissung) vorliegen, odernachdem der Verwundete durch lange Eiterung und Wund-krankheiten geschwächt, vielleicht auch schon allgemeinerseptischer Infektion verfallen ist.
Zwei dieser Operirten erlagen dem Blutverlust, ob-wohl bei einem derselben die Unterbindung der Ober-schenkelschlagader vorausgeschickt worden war. DieseVorkommnisse erinnern zugleich daran, welche Schwierig-keiten die oben geschilderten anatomischen Verhältnisseam Oberschenkel häufig auch kleineren Operationen ent-gegenstellen, so der Entfernung von Fremdkörpern, demAufsuchen und Entleeren der Eiterherde und Senkungen,ganz besonders aber den Blutstillungen.
Des Weiteren ist es nicht zweifelhaft, dass mehr oderminder schwere bleibende Gesundheitsstörungen nachWeichtheilverletzungen am Oberschenkel keineswegs zuden Seltenheiten gehören. Ueber einige solcher Beob-achtungen berichten die nachstehenden KrankengeschichtenNo. 1 bis 33. Der Umstand, dass dieselben den Invaliden-akten entnommen sind, enthält zugleich die Erklärung da-für, dass über die Art der Verletzung und den anfäng-lichen Verlauf derselben wenig Näheres mitgetheilt wird.Für den beurtheilenden Arzt kam bei ihnen wesentlich nurdas endgiltige „Heilungsergebniss" in Betracht.
Die leichtesten Verletzungen fehlen unter diesen Fällenfast ganz; nur bei Z. (No. 15) handelte es sich um einenoberflächlichen Streifschuss, bei W. (No. 28) um einenBinnenschuss, der aber ziemlich beträchtliche Zerstörungenveranlasste. Die übrigen 31 Berichte beziehen sich sämmt-lich auf vollkommene oder blind endigende Kanalschüsse.Dreimal (No. 8, 22, 26) wurde die Verletzung durch Granat-splitter, 30 mal durch Kleingewehr hervorgebracht. Bei T.(No. 33) glaubte der behandelnde Arzt die Wirkung einesSprenggeschosses vor sich zu haben'). Mittelbare Geschossesind nicht erwähnt, wohl aber bei L. (No. 20), dass dieKugel, bevor sie in den Körper eindrang, eine Feldflascherchbohrte. Mitgerissene, später entfernte Tuchfetzenmal (No. 1, 17 und 21) erwähnt. Bei M. (No. 24)el vor dem Auftreffen in 2 Theile getheilt,h durch .vorheriges Aufschlagen auf einener; der eine Theil durchschlug den Ober-er andere wurde herausgeschnitten. Bei H.wird . ausdrücklich nur eine Eingangsöffnunginneren Fläche in der Mitte des Oberschenkelsangegeben. Aus der Mitte der Aussenfläche wurden2 Bleistücke durch Einschnitt entfernt, 2 andere heilten ein,waren aber noch nach Jahren zu fühlen und durch ihreStörungen der Gebrauchsfähigkeit nachweisbar. Wenn hierauch keinerlei Störungen seitens des Knochens beobachtetwurden, so ist doch mit Sicherheit anzunehmen, dass die
x ) Vergl. hierzu Allgemeinen Theil dieses Bandes, I. Kapitel,I. Abschnitt.
Kugel sich am Oberschenkelbein zerschlagen habe. DieserSachverhalt beleuchtet sehr deutlich die Schwierigkeit,welche häufig dem richtigen Erkennen einer Beschädigungdes Knochens entgegensteht (vergl. S. 992). Indessen kannman sich wohl vorstellen, dass zur Zertheilung einer be-reits durch irgend welche Umstände in ihrem Zusammen-hange gelockerten Kugel der Widerstand eines Knochensgenügt, auch wenn er von Weichtheilen bedeckt bleibt,somit selbst nicht berührt wird. Dies wird besonders dannzu Stande kommen können, wenn das Geschoss einerseitsnicht senkrecht auf den Knochen auftrifft, andererseits mitseiner Axe nicht mehr parallel der Flugbahn liegt, sondernsich geworfen hat. Geschosse mit geringer lebendiger Kraftumgehen wohl auch in solchen Fällen den Knochen, wiebei S. (No. 32) durch die Art der Narbe deutlich nachge-wiesen wird.
Lange Schusskanäle sind bei v. B. und L. (No. 3und 23) zu Stande gekommen; einmal (No. 12) drang dieKugel durch den Oberschenkel bis in den Hodensack, wosie lange verblieb und später herausgeschnitten wurde.
Der Verlauf der Weichtheilverletzungen, soweitdie nachstehenden Krankengeschichten darüber Auskunftgeben, war meist ein glatter. Von Störungen wird mehr-maliger Aufbruch nach anfänglich sehr starker Eiterung(No. 3), eine beträchtliche Eitersenkung mit Unterhöhlungdes ganzen Oberschenkels (No. 11), Betheiligung des Knie-gelenks (No. 9, 22), Lymphgefässentzündung (No. 11) undein ausserordentlich schmerzhaftes Oedem, welches der Ver-wundete (ein Militärarzt) als Folge einer Verstopfung derSchenkelblutader ansah (No. 31), berichtet. Die letztereKrankengeschichte erscheint dadurch auffällig, dass dasOedem an dem unverwundeten Bein auftrat, wofür einegenügende Erklärung fehlt.
Von Komplikationen, deren Häufigkeit aus Tabelle IIauf Seite 985 ersichtlich ist, verdienen besonders Erwähnungeine Malarianeuralgie (No. 11), die nach Chiningaben ver-schwand, und die Bildung eines Aneurysma's (No. 16), wel-ches später unter der Haut geplatzt sein soll, so dass dieunten (unter „Operationen") erwähnte Unterbindung derSchenkelschlagader nothwendig wurde. Danach trat theil-weiser Brand der Haut am Fuss und Unterschenkel auf,welcher mit Zurücklassung beträchtlicher Narben heilte.Die Kreislaufsstörungen glichen sich im Laufe der Zeitvollkommen aus. Von grösseren Nerven war 2 mal derHüftnerv getroffen, und zwar im einen Fall (No. 19) zer-schossen, im andern (No. 30), wie man aus den zurück-bleibenden Lähmungen schloss, gestreift; einmal (No. 23)nahm man Verletzung des mittleren Schenkelhautnervenan, weil heftige neuralgische Schmerzen in seinem Gebietauftraten. Bei L. (No. 28) fand man die Sehne deszweiköpfigen Muskels vollständig zerrissen.
Operationen sind in den KrankengeschichtenlOmal erwähnt. Kugeln oder Theile davon wurden 6mal(No. 12, 17, 18, 20, 24, 32), Fremdkörper 3mal (No. 1,