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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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X. Kapitel: Verwundungen des Oberschenkels.

Band III. Spez. Theil.

17, 21) entfernt; einmal musste die Schenkelschlagaderunterbunden werden (No. 16).

Nach Tabelle III auf Seite 986 sind im Ganzen, ab-gesehen von den schon erwähnten verstümmelnden Ope-rationen (siehe S. 988) bei sicheren Weichtheilverletzungen49 Schlagaderunterbindungen (mit 38 Todesfällen) und116 anderweitige operative Eingriffe (mit 5 Todesfällen)nothwendig geworden; bei den zweifelhaften Wunden19 Unterbindungen (mit 15 Todesfällen) und 13 ander-weitige Eingriffe (mit 5 Todesfällen).

Für die Frage nach der Heilungsdauer der Weich-theilverletzungen des Oberschenkels liefert das vorliegendeMaterial keinen maassgebeuden Beitrag, weil es in diesenschwereren Fällen ausserordentlich misslich ist, einen Zeit-punkt zu bestimmen, von dem an man die Heilung geltenlassen will. Mit der Schliessung der Wunden ist es nichtabgethan. Von den in der Kasuistik Aufgeführten habenNo. 1, 16, 19 ein so wenig verwendbares Bein behalten,dass die Gebrauchsstörung dem Verlust desselben gleich-geachtet werden muss. Von diesen traurigen Ausgängenbis zu den mit voller Gebrauchsfähigkeit der Glied-maassen Geheilten giebt es natürlich die mannigfaltigstenAbstufungen.

Sehr häufig bedingen die zurückbleibenden oberfläch-lichen sowohl wie tieferen Narben erhebliche Beschwerden.Sie sind theils ohne äusseren Anlass, theils wenigstens beiBerührung oder Bewegung schmerzhaft, sie hindern durchihre Spannung die Muskelthätigkeit oder die volle Beweg-lichkeit der Gelenke (vergl. No. 1, 9, 25, 26, 28, 31).Bei B. (No. 9) wurde 7 Jahre nach der Verletzungdie Durchschneidung der Narbe unter der Haut, jedochohne Erfolg, vorgenommen. Mitunter entzünden sich dieNarben auch noch lange Zeit nach der ersten Verheilung,wie bei B. (No. 6), bei welchem noch 11 Jahre spätereine Entzündung in der Nähe der Einschussöffnungen sicheinstellte; dem reichlich abgesonderten Eiter musste durchEinschnitte Abfluss geschafft werden.

Die Beweglichkeit der Gelenke leidet natürlichnamentlich dann, wenn Sehnen in die Narbenbildungmit einbezogen werden, wie bei L. (No. 28).

Auch durch wirkliche Erkrankung der Gelenke imVerlaufe der Wundheilung sind später Störungen im Ge-brauche derselben zurückgeblieben, sowohl in Folge vonwinkliger Stellung der Gelenke, die eine Verkürzung derganzen Gliedinaasse herbeiführen kann (No. 7), als durchZurückbleiben von Entzündungsprodukten, welche die Be-weglichkeit des Gelenkes beeinträchtigen (No. 22).

Von sonstigen Störungen der Bewegungsorgane istnoch das Vorkommen eines Muskelbruchs zu erwähnen(No. 29). Durch die Schussverletzung oder die späternothwendig werdende Spaltung des 15 cm langen Schuss-kanals, der durch den Vastus intern, verlief, war eine Lückein der Fascie des Oberschenkels entstanden, aus welcherspäter ein wallnussgrosses Stück des Muskels heraustrat.

Das eingeheilte Geschoss verursachte bei H.(No. 18) wenig Beschwerden.

Unter den Kreislaufsstörungen ist namentlich dieumfangreiche Krampfaderbildung bei v. K. (No. 2) zuerwähnen. Das Bein ist bis zur Höhe der Narbe mitKrampfadernwie übersät", und ein erträglicher Zustandkann nur durch das Tragen eines elastischen Strumpfesgeschaffen werden. Bei K. (No. 22) kam es auf dervorderen Fläche des Oberschenkels handbreit über derKniescheibe zur Entstehung einer einzelnen, ein Markstückgrossen Blutadererweiterung unterhalb der Narbe, welchedurch ihre Füllung bei längerem Stehen Schmerzen ver-ursachte.

Ob die Temperaturerniedrigungen (No. 1, 27) aufKreislaufs- oder nicht vielmehr auf Innervationsstörungenzurückzuführen sind, ist nicht ohne Weiteres zu ent-scheiden. In den vorliegenden beiden Fällen ist Letztereswahrscheinlich, da auch andere Erscheinungen von Nerven-beschädigungen sich bemerkbar machen. Doch ist es mög-lich, dass diese sich auf dem Umwege der Gefässinnervationauf die beregte Weise äussern.

Sicher ist es wohl, dass der mehrfach berichteteMuskelschwund auf Rechnung der mangelnden In-nervation gesetzt werden muss (vergl. No. 6, 9, 11).

Bleibende üble Erscheinungen seitens des Nerven-systems sind überhaupt recht häufig und zwar sowohlseitens der Bewegungs- als auch der Empfindungs-Nerven.Dieselben haben theils den Charakter von Reiz-, theils vonLähmungszuständen; oft kommen auch beide Forcen beieinem und demselben Verwundeten vor.

Von Seiten der Bewegungsnerven finden sich Reiz-erscheinungen bei No. 7, 9, 11, 17, 28, 30. Ueber einenseltenen Zustand dieser Art berichtet die KrankengeschichteNo. 9: Gleich nach Anstrengungen und in der folgendenNacht unwillkührliche, schmerzhafte Beugungen des linkenKniegelenks von '/4 bis '/2 Minute Dauer. Häufig be-stehen die Krämpfe nur in Muskelzuckungen, welche nachangestrengter Thätigkeit, in schwereren Fällen auch in derRuhe, auftreten.

Von Bewegungslähmungen (Ausfallserscheijwird eine grosse Zahl angegeben, von voj^jLähmung (No. 19) an bis zur schnellen ErinüiJvergl. No. 7, 9, 10, 17, 19, 20, 23, 24, 27,

Bei den Gefühlsnerven stellt sich das Verlgekehrt, insofern hier die Reizerscheinungen ülAusfallserscheinungen (Anästhesien) bedeutend überwieg?Der letzteren ist nur 2 mal (No. 11, 27) Erwähnung gethan,während von ersteren 15 mal berichtet wird. Darunter sindalle Grade von Schmerzen und Neuralgien vertreten, 2 mal(No. 16, 27) abnorme Empfindungen.

Verwickelte Zustände zeigen sich bei No. 7, 9, 17,20, 27, 30.

Im Ganzen hat es den Anschein, als ob gerade Stö-rungen im Gebiete des Nervensystems nach Weichtheil-

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