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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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BandHI. Spez. Theil.

III. Nebenverletzungen und Komplikationen.

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3 mal unmittelbar durch den Blutverlust, 4 mal durchPyämie herbeigeführt, 2 mal findet sich keine nähereAngabe.

Unter den ß in Folge von Nachblutung tödtlich ver-laufenen Handverletzungen war der ungünstige Ausgangf)mal durch Pyämie herbeigeführt; 1 mal ist die Todes-ursache nicht augegeben.

B. Betheiligung der Nerven. 1 )

Die Betheiligung der einzelnen Nerven an den Lähmungs-erscheinungen nach Schussverletzungen der oberen Glied-maassen aus den Krankengeschichten festzustellen, ist in denmeisten Fällen schwer möglich. Einmal (No. 33) ist eineglatte Durchschiessung des Ellennerven mit Lähmung sämmt-licher von ihm versorgten Muskeln bei einem Knochen-streifschuss am rechten Unterarm angeführt; der 3., 4. und5. Finger waren vollständig bewegungslos. Wahrscheinlichlag diese Verletzung auch bei R. (No. 213) vor, beiwelchem 6 Monate nach einem Schussbruch der Elle imoberen Drittel das Gefühl an den Fingern im Gebiet desEllennerven aufgehoben war und der 5. bis 2. Finger im 1.und 2. Gelenk gebeugt blieben. Eine theilweise Lähmungder kurzen Kleinfingermuskeln nebst Gefühllosigkeit des4. und 5. Fingers bestand bei K. (No. 164) in Folge einesSchussbruchs der Elle; unter elektrischer Behandlung tratBesserung ein.

Nach einem Längsbruch der Elle (No. 185), der eineLücke in der Mitte des Knochens zurückliess, entstandBewegungslähmung der Hand. Vollkommene Lähmung desUnterarms und hochgradiger Schwund der Muskulatur,nanijjntMch der Strecker, verursachte ein Schussbruch derEjrfe ungefähr in ihrer Mitte (No. 163) und ein Bruch der Elle/(No. 116), bei dem das getroffene Drittel nicht angegebenist. Eine Lähmung der Hand mit Krümmung der Fingerund aufgehobener Drehung des Unterarms wird nach einemSchussbruch der Speiche (No. 204) im oberen Drittel be-richtet; bei W. (No. 251) nach einem Schussbruch derSpeiche sehr mangelhafte Supination, Lähmung der FingerUnd Abschwächung des Gefühls. Gleichfalls nach einemSchussbruch der Speiche (No. 103) wurde eine Verletzungte Speichennerven angenommen; es blieben die ersten dreiFinger gelähmt und die Streckmuskeln am Unterarmtfopbkseh. Dreiviertel Jahr nach einem Schussbruchbeider Unterarmknochen, 4 cm unterhalb des Ellenbogen-gelenks, verursachte die eingetretene Lähmung des recht-winklig festgestellten Unterarms die Invalidisirung des Ver-wundeten (No. 141); es war keine Drehung des Unterarmsmehr möglich; der 3. bis 5. Finger steif und gefühllos,Zeigefinger und Daumen wenig beweglich.

Sehr unsicher zu deuten sind die einfach alsLäh-mung" bezeichneten Fälle. So findet sich in der Kranken-

l ) Vergl. hierzu VII. Band dieses Berichtes, S. 3Gff.

Sanitats-Beliebt Über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

geschichte No. 210 nach einem Schussbruch der Elle beiBeugestellung im Ellenbogen angegeben:die zwei letztenFinger wie gelähmt, die übrigen wenig beweglich, dieHand wie eine gelähmte". Bei W. (No. 243) sind 4 Monatenach einem Schussbruch der Elle die Funktionen desmittleren Arm- und des Speichennerven vollständig aufge-hoben, doch werden sie durch Elektrisiren wieder etwashergestellt. Ende Februar fühlt sich die Hand kühl anund steht in übermässiger Streckung; der Daumen istfreibeweglich, die anderen Finger können' nur gebeugtwerden. Bei B. (No. 93) wurde 16 Tage nach einemSplitterbruch der Elle vor Anlegung des GypsverbandesLähmung der Strecker und Schwäche der Beuger amUnterarm beobachtet; die Wunden vernarbten gut, auchblieb das Ellenbogengelenk ziemlich freibeweglich, dagegendie Drehung des Unterarms vollständig aufgehoben.

Wahrscheinlicher wird eine Verletzung der Nerven,wenn Störungen des Gefühls mit Bestimmtheit nach-gewiesen sind. Gefühllosigkeit der Hand und des Unter-arms trat ein nach einem Schussbruch der Unterarmknochen8 cm über dem Handgelenk mit Eintritt der Kugel an deräusseren Seite des rechten Unterarms (No. 126). Angegebenist zwar nur ein Schussbruch der Elle, doch lässt sich diespätere, jede Drehung des Unterarms verhindernde Ver-wachsung beider Unterarmknochen im unteren Drittel wohlnur durch eine Verletzung beider Knochen erklären; dasHandgelenk war vollständig steif. Als vollständig erloschenwird bei Seh. (No. 216) das Gefühl im Gebiet des Ellennervenangegeben nach einem Schussbruch des Unterarms; leiderfehlt die Beschreibung der Wunde und des Ausgangs.Ferner wird eine Herabsetzung des Gefühls am 5. und4. Finger berichtet bei C. (No. 345) nach einem Schussbruchdes ersten Gliedes des 5. Fingers, vollständiges Ver-schwinden des Gefühlssinnes an denselben Fingern, nachSchuss in den vorderen Theil des Handtellers (No. 284)und am steifen 5. Finger nach Schussbruch seines Mittel-handknochens (No. 309).

Wichtiger ist die Beobachtung No. 10, insofern nach-weisbar durch Druck der Kugel auf den Nervenstamm dasGefühl im Bereich des Ellennerven aufgehoben war:

Ein Schuss in den linken Unterarm, dessen Richtung nachoben und innen ging, mit der Ausgangsöffnung an der innerenSeite dicht unter dem Ellenbogengelenk, wurde als Fleischsehussangesehen und heilte nach etwa 2 Monaten. Der Verwundeteging zum Truppentheil zurück, meldete sich aber bald wiederkrank, weil einzelne Gegenden der Hand und des Unterarmsgefühllos seien. Es fand sich Muskelschwund am Unterarm undGefühllosigkeit im Gebiet des Ellennerven. Neben der altenNarbe (woV), dicht unter der Haut, war ein fremder Körper zufühlen, welcher durch Schnitt entfernt wurde und sich als einzurückgebliebenes Stück der Kugel erwies. Dieselbe hatte denUnterarm durchsetzt, ein Stück des Knochens abgesprengt undlagerte am Stamme des Ellennerven. Leider fehlt die nähereAngabe darüber, ob durch Entfernung des schädlich ein-wirkenden Gegenstandes die Leitung im Nerven wieder her-gestellt worden ist.

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