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IX. Kapitel: Verwundungen des Unterarms und der Hand.
Band III. Spez. Theil.
ausser Acht lässt — 10 Fälle von unmittelbarer Schuss-verletzung der Gefässe zu verzeichnen sind. Obwohl aberbei den zuletzt erwähnten 6 Verwundeten das Arterienrohrunmittelbar verletzt war, so kam es doch erst in spätererZeit zur Blutung. Von den 71 Sekundär-Blutungen (57nach Verletzungen am Unterarm, 14 nach Verletzungen
an der Hand) entfallen
auf Knochenverletzungen am Unterarm . . 37
„ Weichtheilverletzungen „ „ . . 20
„ Knochenverletzungen an der Hand . . 10
„ Weichtheilverletzungen „ „ „ . . . 4
Summe . . 71.
Auf die einzelnen Tage vertheilen sich die sekundären Blutungen folgenderrnaassen:
Tag nach der Verwundung ....
Blutungen nach Wunden am Unterarm„ „ „an der Hand
5.6.1 1
7.
1
1
8.
51
9.2
10.11.
3 33 —
126
13.14.
4 6
153
16.
1
17.2
18.
2
19.21.1 2
24. 25.'26.
12 2
1
28.1
29.
1
32.35.1 3
44. 71.
1 —— 1
unbestimmt, aber
sekundär.
4
2
Zusammen . . .
2
1
2
6
2
6
3
6
6 7
3
1
2
2
1
2
1
2
2
1
1
1
8
1
1
6
Danach erscheint die zweite Woche als die hinsichtlichder Nachblutungen gefährlichste Zeit, ein Ergebniss, welchesden von Fischer (Kriegschirurgie) auf Grund der Angabenvon Schmidt, v. Bergmann und Billroth angestelltenBerechnungen annähernd entspricht.
Die Nachblutungen werden hauptsächlich durch be-stimmte, mit dem Wundverlauf zusammenhängende Vor-gänge, oder durch äussere Eingriffe verursacht. Vonletzteren werden namentlich als Ursachen angeführt: Ver-bandwechsel (No. 132), Erweiterung der Wunde (No. 182),Einschnitte und sonstige grössere operative Eingriffe (vergl.V. Band dieses Berichts, S. 596, No. 5 und S. 585, No. 10),Versuche, Splitter und Kugelstücke zu entfernen (ebenda-selbst, S. 588, No. 16 und S. 596, No. 7), Bewegungen desverletzten Gliedes (No. 223). Des Weiteren werden Blu-tungen begünstigt durch alle Vorgänge, die einen erhöhtenBlutdruck herbeiführen, z. B. Hustenstösse (No. 323).
Von sogenannten dyskrasisehen oder tertiären Spät-blutungen, als welche Klebs alle nach dem 24. Tage auf-tretenden angesehen wissen will (siehe Fischer, Kriegs-chirurgie, S. 210 und 212), sind zwei sichere Fälle berichtet.Bei dem einen Verwundeten (No. 135) verursachte 7 Wochennach Schussbruch beider Unterarmknochen Wunddiphtherieeine heftige Blutung. Bei dem anderen (No. 217) hattedie am 24. August 1870 erlittene Splitterung beider Unter-armknochen im Oktober noch mehrfach Einschnitte wegenPjiterverhaltung nöthig gemacht; im Januar 1871 stelltesich unter heftigen Schüttelfrösten Gewebsvereiterung(Phlegmone) ein, gleichzeitig Gelbfärbung des Gesichts,unter starken Fieberbewegungen bildete sich Belag auf denWunden; Ende Januar kam es zu bedeutender Vergrösserungderselben und zu wiederholten Blutungen.
Bei Behandlung der Nachblutungen machte manvon den äusserlichen Blutstillungsmitteln, namentlich Tam-ponade mit Charpie, Eisensesquichlorid, und der Aderpressesehr ausgedehnten Gebrauch (siehe No. 5, 47, 132, 135,183, 216, 223, 224, 286, 323). Die dadurch gesetzte stärkereReizung und Verunreinigung der Wunde, die Durchtränkungihrer Umgebung mit Blut verursachte öfter ausgedehnte
Vereiterungen des Zellgewebes und der Lymphgefässe: Am7. Tage nach einem Schuss in den Zwischenknochenraumdes linken Unterarms tritt bei H. (No. 12) starke arterielleBlutung auf, die sich 3 mal wiederholt. Zur Stillung der-selben wird die Aderpresse angelegt, anscheinend mitErfolg; beim Abnehmen derselben wird die Oberarm-schlagader mit den Fingern zusammengedrückt; es findetsich nicht nur der Unterarm, sondern auch der Ober-arm so geschwollen, dass an eine Unterbindung derOberarmschlagader nicht gedacht werden kann. Daherwird der Verband nur mit Schienen und Longuetten mög-lichst fest angelegt, der Arm steil aufgehängt und jederVerbandwechsel nur vorgenommen, während die Oberarm-schlagader starken Fingerdruck erfährt. In der Folge ent-steht umfangreiche Eiterung längs der Muskeln des Unter-arms; es bilden sich mehrere Abszesse, welche die Spaltungund Offenhaltung dui'ch Drains erfordern. Bei einem an-deren Verwundeten kam es sogar zu pyämischen Erschei-nungen. Ein Schussbruch des 1. und 2. Mittelhandknocfivns(No. 323) verursachte am 6. Tage arterielle Blutungen ausder Tiefe der Wunde, die sich bei unbedeutenden Husten-stössen die ganze Woche wiederholten. Die Wunde wurdemit Eisenchlorid geätzt, ausgestopft und mit Eis bedeckt,innerlich Digitalis gereicht. Am 8. Tage stand zwar dieBlutung, doch stellten sich im Laufe der nächstfolgendenTage wiederholte starke Schüttelfröste unter hohem Fiebernebst jauchiger Eiterung ein. Die Eitersenkungen musstendurch Schnitt geöffnet werden, ebenso ein in der Gesäss-gegeud sich bildender Abszess, der bis zur Kindskopfgrösseangewachsen war. Nachdem sich die brandigen TheYie äl>-gestossen haben, beginnt nach 4 Wochen der Gesässabszessebenso wie die Unterarmwunde zur Heilung zu neigen.
Nach einer Blutung aus den Fingerästen der Ellen-schlagader, welche bei Absetzung des 3., 4. und 5. Fingersder rechten Hand (No. 390) eröffnet worden waren, bildetesich eine Zellgewebsentzündung am Ellenbogengelenk,die schon am dritten Tage schwappte und aufgeschnittenwurde. Auch die dabei entstehende Blutung stillte manmit der Aderpresse. Die Heilung erfuhr durch die Eiterungeine Verzögerung bis zum 4. Monat.