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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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IX. Kapitel: Verwundungen des Unterarms und der Hand.

Band III. Spez. Theil.

auf der Beugeseite des rechten Unterarms eingedrungen undan der äusseren Seite der Speiche unter starker Streifungderselben ausgetreten. Die Narbe der Eingangsöffnungzeigte sich fünf Vierteljahre nach der Verletzung mit denSehnen des Flexor carpi radialis und besonders des Flexorpollicis longus verwachsen. Die ganze rechte Hand warabgemagert und kraftlos, ihre Beweglichkeit im Handgelenk,noch stärker die des Daumens beschränkt, so dass derVerwundete nur mit einem ganz dicken Federhalter unterZittern schreiben, leichte Gegenstände schwer ergreifenund nicht festhalten konnte.

Ein Schuss quer durch die ganze Hohlhand lagbei K. (No. 49) vor. Die Eingangsöffnung der Kugel be-fand sich zwischen Daumen und Zeigefinger neben demRande des Mittelhandknochens des Zeigefingers der linkenHand, die Ausgangsöffnung am Mittelhandknochen deskleinen Fingers. Die Beugesehnen des 2. bis 5. Fingerswaren verletzt und nach l'/2 Jahr so verwachsen mit derUmgebung, dass weder die Streckung der genannten vierFinger noch auch ihre volle Beugung zur Faust ausgeführtwerden konnte. Die Beweglichkeit des Daumens zeigtesich weniger behindert; seine Spitze konnte mit der desZeigefingers in Berührung gebracht werden, zum Festhaltengrösserer Gegenstände aber reichte die Kraft der Fingernicht aus.

Der Heilungsverlauf der Wunden war vielfachdurch Verbreitung der Entzündung und Bildung vonEitergängen in die Länge gezogen. Der Grund für dieHäufigkeit dieser Vorgänge gerade bei den in Redestehenden Wunden liegt zunächst in der einer Fortleitungvon Infektionskeimen besonders günstigen anatomischenBeschaffenheit der in Betracht kommenden Körpergegend. 1 )Ein ausgeprägtes Bild dieser Verhältnisse giebt dieKrankengeschichte No. 393. Nach Absetzung des zer-schmetterten 2. Gliedes des linken Daumens war durchausgedehnte Zellgewebsentzündung Vereiterung der Handund des ganzen Arms eingetreten, die trotz vielfacherEinschnitte den Tod herbeiführte. Bei der Leichenöffnungfand sich schlechte Beschaffenheit der Amputationswunde,am Handteller und Handrücken sowie am Unter- undOberarmeine Anzahl tiefer Zellgewebsentzündungen", dieHaut war am ganzen Umfang des Armes von Eitermassenunterhöhlt; eben solche fanden sich zwischen den Muskelnim Bindegewebe, so dass sämmtliche Muskeln wie präparirtdalagen. Auch die Gefässe und Nerven verliefen, vonihrer Umgebung gelöst, in den Eitermassen. Sonstigekrankhafte Erscheinungen fehlten. Aehnliche Beispieleliefern die Krankengeschichten No. 40, 104, 109, 113, 125,168, 202, 217.

Häufig lag solchen Vorgängen Reizung oder Infektiondiu^ch K u g e 1 s t ü c k e und sonstige F r e m d k ö r p e r zu Grunde.

i) Vergl. S. 719.

Ueber späte Entfernung von Kugelstücken findensich folgende Mittheilungen: am 85. Tage wurde bei F.(No. 119) ein 2 g schweres Bleistück herausgenommen, beiZ. (No. 255) ein ebensolches nach 6V2 Monaten, bei II.(No. 152) nach 6 Wochen ein 10 g schweres, am 7. Tagbei Seh. (No. 19) ein 25 g schweres, welches sich in einemEiterherd befand, bei K. (No. 32) nach 3 1 /» Monaten, bei II.(No. 10) im 3. Monat ein Kugelstück, welches auf denEllennerven gedrückt hatte. Mehrere Jahre nach derVerwundung kam es zur Entfernung von Kugelstücken beiW. (No. 248); Binheilung in den Weichtheilen fandanscheinend statt bei H. (No. 14).

Von anderen Fremdkörpern werden erwähnt: Holz-stücke in den Krankengeschichten No. 309, 334, Stückeeines Siegelrings in No. 358, ein Papierpfropfen in No. 357,ein Stück Handschuhleder in No. 49, Knöpfe vom Aermeldes Waffenrocks ') in No. 179, 186 und 385. Amhäufigsten wirkten Tuchfetzen als Entzündungserreger.Ihre Entfernung brachte meist eine schnelle Beendigungder bis dahin sehr reichlichen Eiterung und leitete dieHeilung ein. Angaben über Entfernung von Tuchfetzennach 1 Monat finden sich in den KrankengeschichtenNo. 26, 121, 154, 195, 320, im 2. Monat in No. 17, 106,123, 124, im 3. Monat in No. 20, 79, 118, im 4. Monat inNo. 194. Anscheinend die mittelbare Todesursache wurdensie bei R. (No. 25), dessen schon verheilte Wunde im elter-lichen Hause wieder aufbrach und zu Pyämie führte.

Was den Nachweis des Geschosses betrifft, so liegenmehrere darauf bezügliche Angaben vor. Bei P. (No. 201)wurde die Kugel, welche am 27. November 1870 die rechteSpeiche zerschmettert hatte, am 9. Januar 1871 in demSchusskanal mittels der elektrischen Sonde entdeckt unddann auf operativem Wege in unversehrter Form herauf-geholt. Ebenso ermöglichte die elektrische Sonde bei II.(No. 358, Schussbruchwunde am linken Zeigefinger) in derTiefe der Wunde das Vorhandensein von Metalltheilenfestzustellen, die sich als Stücke eines Siegelrings heraus-stellten. Mittels der Nelaton'schen Sonde gelang es, beiIL (No. 305), über das Vorhandensein der Kugel in derWunde (Zerschmetterung zweier Mittelhandknochen) Gewiss-heit zu erlangen.

Die Brauchbarkeit der Hand ist abhängig vonder vollen Beweglichkeit aller ihrer Theile; kommen dieunteren Gliedmaassen hauptsächlich nur als Stützen inBetracht, und darf ein steifes Knie immer noch als einverhältnissmässig günstiges Ergebniss betrachtet werden,so ist dagegen bei den obereii Gliedmaassen die Aufhebungder Beweglichkeit häufig dem Verlust gleich zu achten,ja unter Umständen, besonders bei den Fingern, ist dieUnbeweglichkeit der Glieder störender als der Verlustderselben. Ein steifer Finger stösst überall an, ein ge-krümmter hindert das feste Zufassen der ganzen Hand.

!) Vergl. hierzu S. 717.