Bandlll. Spez. Theil.
Kasuistik.
899
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
266.
G. S., vom 1. Nassauisehen In-fanterie-Regiment No. 87, verwundetam 6. August 1870 bei "Wörth:Granatsohuss an den rechten Ober-arm. Massige Splitterung. Gleich-zeitig zwei Fleischschüsse an denrechten Oberschenkel.
War nach mehrmonatlicher Behandlung mit fest verheiltemBruch und noch vorhandenem Sequester in die Heimath entlassenworden. Wiederaufnahme ins Lazareth zu Kassel am 4. Januar 1872:Meisseloperation, Entfernung beträchtlicher Stücke abgestorbenenKnochens. 3. August: Fisteln verheilt. Feste Vereinigung. Ent-lassen. Muskulatur stark abgemagert. Aktives Heben des Armesbis 16 cm Entfernung vom Rumpfe möglich. Passive Bewegungenim Ellenbogengelenk beschränkt, aktive Beugung gleich Null,Streckung spurweise möglich. Hand und sämmtliche Finger ge-lähmt. Hautgefühl erhalten.
MehrereMonate.
267.
J. S., vom 4. Westfälischen In-fanterie-Regiment No. 17, verwundetam 31. Dezember 1870: Gewehr-schussbruch des rechten Oberarms.Eingaug hinten, 8 cm über demHakenfortsatz, Ausgang vorn etwastiefer. Splitterung.
Auf dem Verbandplätze werden Splitter entfernt, im LazarethLagerung auf Kissen. Abnahme der Schwellung, gefensterter Gyps-verband, Ueberführung nach Cottbus. Ankunft daselbst am 9. Fe-bruar 1871: starke Eiterung. Keine feste Vereinigung, Sequestervorhanden, Gypsverband erneuert. 18. Februar: Entfernung eines3cm langen Sequesters. 21. Februar: Schüttelfröste, Zellgewebs-entzündung, Gypsverband entfernt, Einschnitte, Blechrinne. VonAnfang März an: Besserung. Mitte April: Wundrose über Arm,Brust, Rücken und Kopf mit hohem Fieber und Kräfteverfall. ImSommer wiederholte Abstossung von Sequestern und Bleistücken,feste Vereinigung erfolgt nicht. Am 16. September entlassen.Falsches Gelenk. Abmagerung der Muskulatur. Steifheit desEllenbogengelenks durch Narben. Gebrauchsfähigkeit gänzlich auf-gehoben. Einfach verstümmelt. (Vergl. v. Beck, S. 655, Anhang.)
9 Monate.
268.
H. Seh., vom Anhaltischen In-fanterie-Regiment No. 93, verwundetam 30. August 1870 bei Beaumont:Gewehrschussbruch des rechtenOberarms mit geringer Splitterung.
Schwellung und Eiterung massig, Verlauf günstig. Ende Sep-tember 1870: Bruch fast verheilt, mit Gypsverband in Privatpfiegeentlassen.
Am 12. Oktober 1870: Wiederaufnahme ins Lazareth, Eiterung hatzugenommen. Gypsverband entfernt, Armbäder; in dem Eiter findetsich viel Knochengries. Im November 1870: Wunden geschlossen,brechen aber wiederholt auf, Knochen in grosser Ausdehnung ab-gestorben. Am 4. September 1871 entlassen. UebermässigeKallusbildung, Sequester vorhanden. Feste Vereinigung. Muskel-schwund. Eiternde Fisteln. Ellenbogengelenk steif.
12 Monate.
m.
F. Seh., v(M" 2. Posenschen In-fanterie-Regiment No. 19, verwundetam 19. Januar 1871 am MontValerien: Splitterbruch des linkenOberarms durch Gewehrschuss. Ein-gang vorn, 8 cm über dem Ellen-bogengelenk, Ausgang hinten 3 cmtiefer.
Zuerst Schienen, dann gefensterter Gypsverband. Am 21. Februar1871 in Soest: Entfernung zahlreicher Splitter von verschiedenerGrösse. Mitte März: Kallusbildung, besonders reichlich an derVorderseite. Im Mai: Zunahme der Eiterung, Eiterdurchbruch ander Innen- und Aussenseite des Gelenks, die vier eiternden Fistelnstehen mit einander in Verbindung. Am 19. November: Eingangs-wunde durch einen 5 cm langen Schnitt erweitert, Entfernungeines grossen Sequesters. Am 1. Februar 1872: nur noch einewenig eiternde Fistel an der Innenseite. Am 1. Mai: Wundenverheilt, zur Badekur nach Teplitz gesandt. Feste Vereinigung.Sehr starke Kallusmassen. Muskelschwund. Ellenbogengelenk imstumpfen Winkel vollkommen steif.
15 Monate.
113*