Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
898
Einzelbild herunterladen
 

898

Vltl. Kapitel: Verwundungen des Oberarms.

Bandlll. Spez. Theil.

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

2(jl.

J. P., vom 1. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des linken Oberarms. Eingangvorn aussen drei Querfinger überdem äussern Knorren, Avisganggross, hinten innen 2 1 /j cm höher.Starke Splitterung.

Am 18. August 1870: Achselkissen, Karbolcharpie. Schwellungund Eiterung bald sehr bedeutend, grosse Eiterhöhle. Im September:Eiterverhaltung, Einschnitte neben den Schussöffnungen, Entfernunggrosser Knochensplitter, an der Ellenbeuge drei Kugelstücke aus-geschnitten. Anfang Oktober: reichlicher Kallus, Wunden ver-heilen, brechen aber wieder auf. Am 15. Dezember: Eiterung ander Aussenseite, Einschnitt 3 cm über dem äussern Knorren, unterplötzlicher Schmerzempfindung wird der Speichennerv durchschnitten.Lähmung der Strecker, Elektrizität erfolglos, Hautgefühl am Vorder-arm bedeutend herabgesetzt, Ellenbogengelenk sehr wenig beweglich.Im Mai 1871: Zustand unverändert, mehrere Fisteln führen aufrauhen Knochen. Armbäder. Am 1. August entlassen. Feste Ver-einigung, sehr reichliche Kallusmassen. Sequester vorhanden.Eiternde Fisteln. Muskulatur gänzlich abgemagert. Ellenbogen-gelenk fast vollkommen steif. Lähmung der Streckmuskeln.

12 Monate.

262.

K. R., vom 1. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des linken Oberarms. Ein-gang innen 7 cm über der Ellen-beuge, Ausgang aussen in gleicherHöhe.

Entzündliche Schwellung erheblich, Lagerung auf Kissen. Am2. September 1870: Abnahme der Schwellung, Entfernung vielerkleiner Splitter, gefensterterGypsverband, am 14. September erneuert.Im Oktober: feste Vereinigung, Wunden verheilt. Ellenbogengelenkschwer beweglich in Beugestellung, kann passiv (Gewicht von4 Pfund) gestreckt werden. Passive Bewegungen, Elektrizität.Am 15. Dezember entlassen. Keine Verkürzung. Abmagerungder Muskulatur, allmälig verschwindend. Nahezu völlige Gebrauchs-fähigkeit.

4 Monate.

263.

G. S., vom 1. BrandenburgischenFeld - Artillerie - Regiment No. 3,(General-Feldzeugmeister), verwun-det am 6. Augustl870beiSpicheren:Granatstreifschuss an den linkenOberarm. Zersplitterung.

Entfernung mehrerer Splitter, feststellender Verband. 3. Sep-tember 1870: Eitersenkung, Erweiterung der Wunde nach unten,Entfernung mehrerer Splitter, Resektion. Neubildung grössererKnochenmassen. Beträchtliche Verkürzung. Feste Vereinigung.Starke Verdickung der unteren Hälfte des Schaftes. Am 25. März1871 entlassen. Wunden verheilt. Ellenbogengelenk steif, Läh-mung der Hand- und Fingermuskulatur. Bei einer späteren Unter-suchung erhebliche Besserung. (Vergl. V. Band dieses Berichtes,S. 550, No. 44.)

7 '/j Monate.

264.

K. S., vom 2. Schlesischen Grena-dier-Regiment No. 11, verwundetam 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Eingang vornaussen, 1 1 /2 cm über dem Gelenk,Ausgang innen; innerer Knorrenstark gesplittert.

Schienenverband, Ueberführung nach Altona. Bei der Ankunft da-selbst am 21. August 1870: starke entzündliche Schwellung, hohesFieber, Eis, Karbolöl. Ende August: Temperatur normal, Eiterungsehr reichlich, anhaltende Warmwasserbäder, Eitersenkung nach derBeugeseite des Vorderarms. Häufige Abstossung von Splittern:Allgemeinbefinden leidlich. Mitte September: Bruch fest verheilt,Ellenbogengelenk frei beweglich, Gebrauch der Hand behindert,Erscheinungen von Lähmung des Ellenbogennerven. AnfangOktober: Wunden verheilt, Seifenbäder, Elektrizität erfolglos. KeineVerkürzung. Entlassen. Ellenbogengelenk frei beweglich, Erscheinun-gen von Lähmung des Ellenbogennerven unverändert. Ganzinvalide.

2 Monate.

265.

F. v. S., vom Rheinischen Jäger-Bataillon No. 8, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte:Splitterbruch des linken Oberarmsdurch Gewehrschuss.

Schienenverband; bedeutende Schwellung am Tage der Ver-wundung. 19. August 1870: starke Blutung, durch Einstopfenvon Charpieballen gestillt. Schwellung, und das anfangs hoheFieber lassen nach Abstossung von Splittern bald nach, Eiterungstets massig. 29. August: gefensterter Gypsverband. 5. September:Erscheinungen von Druck, Verband entfernt, Pappschienen. 19. Sep-tember: Ueberführung im Pappschienenverbande, Vereinigung derBruchenden nahezu beendet, Wunden eitern noch.

1 Monat.