Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
895
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
•
3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
244.
K. J., vom Schleswigschen Infan-terie-Regiment No. 84, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Splitterbruch des rechten Oberarms.Ausgangsöffuung „ungewöhnlich"gross.
Starke Schwellung und Eiterung, kein Eieber, Allgemeinbefindenleidlich. Lagerung auf Kissen. Am 28. Augast 1870: Schüttel-frost, in den folgenden Tagen wiederholt, Chinin ohne Wirkung.Mitte September: Entfernung von 2 grösseren Kuochenstücken,Nachlass der Eiterung, gefensterter Gipsverband, nach 2 Wochenwegen Schmerzen entfernt, Eitersenkung über dem inneren Knorrenvon selbst durchgebrochen. Oktober: feste Vereinigung, No-vember: Abstossung mehrerer Knochensplitter. Allgemeinbefindengut, Fisteln eitern wenig. Beurlaubt. Feste Vereinigung. Reich-licher Kallus. Eiternde Fisteln, führen nicht auf rauhen Knochen.
3 Monate.
245.
K.J., Hauptmann, verwundet am27. Januar 1871: Gewehrschuss-bruch des linken Oberarms.
Krankengeschichte fehlt. Erst 1873 waren alle Wunden —behufs Entleerung von Eiter hatten mehrere Einschnitte stattge-funden — verheilt. Doch brachen dieselben wiederholt, z. B. 1883und 1885, auf und entleerten abgestorbene Knochenstückchen.Die Fisteln führten auf rauhen Knochen in grosser Ausdehnung,so dass 1885 die Amputation in Frage kam. Feste Vereinigung.Erheblicher Schwund der Muskulatur. Eiternde Fisteln führenauf rauhen Knochen. Hochgradige Schwäche und behinderte Be-wegungsfähigkeit.
246.
J. K., vom 1. NiederschlesischenInfanterie-Regiment No. 46, ver-wundet am 6. August 1870 beiWörth:Gewehrschussbruch des linken Ober-arms. Eingang aussen, Ausganginnen. Splitterung.
Drahtschienen. 9. August 1870: starke, übelriechende Eiterung,hohes Fieber. Mitte August massige Blutungen, Druckverbaudmit Karbolcharpie. 27. August: Entfernung mehrerer Splitter ver-schiedener Grösse, allmälige Besserung. Ende September reich-licher Kallus. Im Oktober Zellgewebsentzünduug, Fieber, Eiter-senkungen bis zur Mitte des Unterarms. 4. November: Einschnittbehufs Entfernung eines Bleistückes. Ende Januar Entfernung einesSequesters, daran anschliessend Wundrose. Feste Vereinigung.Ende April 1871 entlassen. Wunden verheilt.
9 Monate.
247.
( '•. K., vom 3. Hessischen Infanterie-Regiment No. 83, verwundet am2. Dezember 1870 bei Loigny:Splitterbruch des rechten Oberarmsdurch Gewehrschuss.
Stromeyer'sches Kissen, gute Feststellung der Bruchenden. StarkeSchwellung und Eiterung, Eröffnung einer Eitersenkung, Besserung.23. Dezember 1870: Schienen. 4. Februar 1871: reichlicher Kallus,Bruchenden nicht mehr beweglich, Ueberführung nach Wiesbaden.Zunahme der Schwellung und Pliterung, in wenig Tagen unterBettruhe und Breiumschlägen beseitigt. Am 22. Februar inPrivatpflege entlassen. Wiederholte Abstossung von Fremdkörpern.Mitte Juli geheilt. Feste Vereinigung.
7 '/a Monate.
248.
E. K., vom 4. Garde-Regimentr ;u Fuss, verwundet am 18. August187u bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des rechten Oberarms, dichtüber dem Ellenbogengelenk. MassigeSplitterung.
Gefensterter Gypsverband. Verlauf anfangs günstig, später Eiter-senkungen, wiederholte Einschnitte. Mitte November 1870: starkeKallusmassen, feste Vereinigung, Narben der Einschnitte um denEllenbogen wieder aufgebrochen. Mitte Februar 1871: Wundensämmtlich verheilt. Keine Verkürzung. Im März entlassen.Muskelschwund. Völlige Steifheit im Ellenbogengelenk, bedingtdurch Kallus und Narbenstränge.
7 Monate.
249.
S. K., vom 2. Thüringischen In-fanterie-RegimentNo. 32, verwundetam 10. Dezember 1870: Gewehr-schussbruch des rechten Oberarms.Eingang vorn innen 2 cm über derEllenbeuge, Ausgang 6 cm über demäusseren Knorren. Splitterung un-bedeutend.
Behandlung in einer Reihe von Lazarethen, Gypsverband mehr-fach erneuert. In der zweiten Hälfte des Januar 1871 Kiter-verhaltungen, mehrfache Einschnitte, Allgemeinbefinden leidlich.Im April starke Kallusmassen, Verkrümmung des Oberarms nachhinten aussen, wenig eiternde Fisteln; ab und an stösst sich einkleiner Splitter ab, im weiteren Verlaufe abwechselnd Schluss undAufbruch der Wunden. 1 cm Verkürzung. Am 10. Januar 1872entlassen. Starke Abmagerung. Die innere Narbe mit dem Beuge-muskel, die äussere mit dem Knochen verwachsen. Ellenbogen-gelenk in einer Ausdehnung von 90° bis 112° beweglich.
13 Monate.