VIIT. Kapitel: Verwundungen des Oberarms.
Band III. Spez. Theil.
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behaudlung.
4
211.
P. II., vom 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin, verwundet am30. Oktober 1870 bei Le Bourget:Gewehrschussbruch des linken Ober-arms. Eingangsöffnung am innernBande des zweiköpfigen Muskels,8 mm gross, Ausgangsöffnung hinten,3 cm im Durchmesser. MassigeSplitterung.
Starker Blutverlust, Druckverband. Schwellung und Eiterungerheblich; Lagerung auf Kissen, feuchte Umschläge. Am 8. No-vember 1870: gefensterter Gypsverband, bald entfernt wegenBlutung aus der Ausgangswunde; Eisumschläge. Die Blutungenwiederholen sich. Am 11. November 1870: Tod.
11 Tage.
212.
F. K., vom BrandenburgischenFüsilier-Regiment No.35, verwundetam 4. Dezember 1870 bei Orleans:Gewehrschussbruch des rechtenOberarms. Eingang vorn, Ausganghinten. Geringe Splitterung. Gleich-zeitig Haarseilschuss an die rechteLendengegend.
Am 5. Dezember 1870 in Orleans Entfernung einiger kleiner loserSplitter, Schienenverband, Karbolcharpie. Am 19. Dezember: massen-hafte Eiterung, grosse Schwäche. Vom 20. Dezember ab Schüttel-fröste in immer kürzeren Zwischenräumen, Gelbfärbung. Am29. Dezember 1870: Tod.
Sektion: Starke Gelbfärbung. Die Bruchenden des Oberarms,stark zugespitzt, berühren sich nicht; an beiden ist die Knochen-haut durch Eiter abgehoben, auch im Knochenmark einzelne Eiter-herde.
25 Tage.
213.
K. M., vom Sächsischen 7. In-fanterie - Regiment (Prinz Georg)No. 106, verwundet am 30. No-vember 1870 bei Villiers: Splitter-bruch des linken Oberarms.
Lagerung auf Kissen. Sehr starke Schwellung, blaugraue Fär-bung der Haut am Oberarm, Unterarm gleichfalls erheblich ge-schwollen, ganz kühl. Rasende Delirien. Am 2. Dezember 1870:Tod.
Sektion: Verstopfung der Blutadern bis in die Achselblutader,starke Blutfüllung des Gehirns, frische Pfropfe in den Lungen-schlagadern.
2 Tage.
214.
K. P., vom 7. Ostpreussischen In-fanterie-Regiment No. 44, verwundetam 31. August 1870 bei Noisseville:Gewehrschussbruch dos rechtenOberarms. Eingang vorn, Ausganghinten. Splitterung.
Erweiterung der Schussöffnungen, Entfernung mehrerer Splitterund der Kugel. Gefensterter Gypsverband. Anfang September:lebhafte Schmerzen, Verband entfernt, Anschwellung und Eiterunghaben zugenommen. Am 10. September: Schüttelfrost, blutiger Eiter,tägliche Fröste, reichliche Blutungen durch Druck auf die Achsel-schlagader und durch Eisenchlorid gestillt. Am 17. September1870: Tod.
17 Tage.
215.
F. R., vom 4. Brandenburgischen
Infanterie-Regiment No. 24 (Gross-herzog von Mecklenburg-Schwerin),verwundet am 16. August 1'870 beiMars la Tour: Gewehrschussbruchdes linken Oberarms. Eingang vorninnen, Ausgang hinten aussen. Ge-ringe Splitterung.
Lagerung auf Kissen. Schwellung erheblich, Eiterung reichlich,lebhaftes Fieber. Am 28. August 1870: Entfernung mehrerer kleinerKnochensplitter und der fast bis zu Thalergrösse platt gedrücktenKugel. Stromeyer'sches Kissen. Am 4. September: gefensterterGypsverband, Eiterung massig, Allgemeinbefinden leidlich. Ajb7. September: Starrkrampf; Chloral und Morphium in grooBcn Ciabengänzlich wirkungslos. Am 14. September 1870: Tod.
4 Wochen.
216.
J. R., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Eingang vorn,Ausgang hinten.
Am 8. Dezember 1870: Ankunft in Worms im gefensterten Gyps-verbande, der, von Eiter durchtränkt, erneuert wird. Eiterungbald stärker und übelriechend; Verband entfernt, Lohbäder; bis-weilen leises Frösteln, Chinin. 22. Dezember: Ausgangswundeblutig erweitert, Entfernung eines 3 cm langen, 1 /» cm breitenKnochenstückes. Schwellung und Eiterung nehmen zu, Allgemein-befinden ungünstig, Chinin, Wein. 30. Dezember: Schüttelfrost,Erbrechen, dann Durchfälle; Opium ohne wesentlichen Einfluss.Schüttelfröste immer häufiger. 5. Januar 1871: Gelbfärbung.7. Januar: Athemnoth, Dämpfung über beiden Lungen, Eiterungstinkend. Am 9. Januar: Tod.
5 Wochen.