Band in. Spez. Theil.
Kasuistik.
877
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
156.
P. E., vom 3. Rheinischen In-fanterie-Regiment No. 29, verwundetam 19. Januar 1871 bei St. Quentin:Gewehrschussbruch des rechtenOberarms. Eingang vorn in derMitte, Ausgang fehlt. Starke Splitte-rung.
Anfangs in Amiens sehr starke Anschwellung des auf Kissengelagerten Arms, massenhafte Eiterung unter hohem Fieber undstarkem Verfall der Kräfte. Anfang Februar 1871 machen Eiter-senkungen ausgedehnte Einschnitte erforderlich, worauf Besserungeintritt und die Eiterung abnimmt. Ende Februar: Entfernungvieler Splitter und mehrerer Bleistücke; Eiterung gering; gefensterterGypsverband; Ueberführung nach Bonn. Ankunft daselbst MitteMärz mit eiterdurchtränktem Gypsverband und Fieber. Lagerungauf Kissen, Umschläge mit Karbol wasser. Von da ab fortschreitendeHeilung unter Schienenverband; erst jetzt beginnt feste Vereinigung,welche Ende Mai beendet ist. Am 18. Oktober 1871 entlassen.Oberarmknochen durch Kallusmassen stark verdickt. Invalide.
9 Monate.
157.
E., vom 3. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 29, verwundet am19. Januar 1871 bei St. Quentin:Zerschmetterung des rechten Ober-arms durch Gewehrkugel.
Kissenlagernng; Schwellung und Eiterung sehr erheblich, ver-schiedene Eitersenkungen werden gespalten und eine grosse Anzahlloser Knochenstücke entfernt. Ende Januar 1871: Schienenverband,später gefensterter Gypsverband. Ende Februar ist der Bruchdurch Kallus verlöthet, die Eiterung noch immer sehr reichlichund den E., welcher ausserdem noch an Lungenkatarrh mit quälen-dem Husten leidet, erschöpfend. Im März, nach Entfernung desGypsverbandes und Eröffnung verschiedener Eiterhöhlen, nimmtdie Eiterung unter verlängerten Armbädern rasch ab, und dasAllgemeinbefinden bessert sich so, dass E. in seinem Bett nachBonn übergeführt werden kann. Feste Vereinigung. E. befindetsich noch 1886 im aktiven Dienst.
2 Monate.
158.
K. F., vom 1. NiederschlesischenInfanterie-Regiment No. 46, ver-wundet am 6. August 1870beiWörth:Schussbruch des linken Oberarms.Eingang aussen in der Mitte, Aus-gang hinten in gleicher Höhe. Ge-ringe Splitterung.
Gefensterter Gypsverband, 5 Tage nach der Verwundung inFrankfurt a. M. angelegt, wird sehr gut vertragen und bleibt bis24. September 1870 liegen. Vereinigung der Bruchenden fest.Anfang Mai 1871: Entlassung. Eingangswunde eitert noch, führtauf rauhen Knochen, Allgemeinbefinden gut. Keine Verkürzung.Unbedeutende Abnahme des Umfanges am verwundeten Arm.Gebrauchsfähigkeit nahezu völlig erhalten.
9 Monate.
159.
K. F., vom Sächsischen 2. Grena-dier - Regiment (Kaiser Wilhelm,König von Preussen) No. 101, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Zerschmetterung desrechten Oberarms durch Granat-splitter. Eingang hinten aussen,Ausgang vorn.
Entfernung sehr zahlreicher Knochensplitter, so dass ein beträcht-licher Zwischenraum zwischen den Bruchenden entstanden ist.Gefensterter Gypsverband, Ueberführung nach Neustadt a. d. Hardt.September 1870: starke Eiterung, Stromeyer'sches Kissen. ImOktober feste Vereinigung. Im November sind die Wunden bisauf kleine OefFnungen vernarbt. Im weiteren Verlaufe kommt esabwechselnd zur Vernarbung und zum Wiederaufbruch der Wunden,es werden Knochenstücke und Tuchfetzen entfernt. Im März 1871von Dresden aus entlassen. Keine Verkürzung, Wunden dauerndvernarbt, volle Gebrauchsfähigkeit.
7 Monate.
160.
II. F., Lieutenant, verwundet am6. August 1870 bei Spicheren:Schussbruch des rechten Oberarms.Eingang vorn unterhalb der Mitte,Ausgang hinten in der Mitte.
Die Heilung der Wunden ging ohne wesentliche Störung vorsich. Die vordere Narbe war von der Grösse eines Markstückes,strahlig und etwas vertieft, die hintere flach, weiss und von derGrösse eines Fünfzigpfennigstücks. 2 cm Verkürzung.
1883: Strecken der Finger unmöglich, Hand hängt schlaff herab,Hautgefühl der Hand und am Rücken des Vorderarms herabgesetzt.Streckmuskeln hochgradig abgemagert. Umfang des rechten Unter-arms um 4 cm, des Oberarms um 1'/a cm geringer als an derandern Seite. Erhebliche Ernährungsstörungen an der Hand, ver-bunden mit Schmerzanfällen.
1885: Zustand des Armes dem Verlust desselben gleichzuachten.