Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
863
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
95.
F. R., vom BrandenburgischenJäger-Bataillon No. 3, verwundet am16. August 1870 bei Mars laTour:Schussbruch des linken Oberarms.Eingang an der Aussen-, Ausgangan der Innenseite. GleichzeitigStreifschuss an die linke Brustseitedurch dieselbe Kugel.
In gefenstertem Gypsverbande Anfang September nach Berlinübergeführt; Wunden sehen gut aus, Eiterung gering, Bruststreif-schuss verheilt. Anfang Oktober 1870: Entfernung des Gypsver-bandes, Tragetuch; Bruch fest verheilt. Anfang des Jahres 1871invalidisirt. Keine Verkürzung. Gebrauchsfähigkeit erhalten. Nurnoch Schwäche des Arms.
5 Monate.
96.
T. R., vom Pommerschen Füsilier-Regiment No. 34, verwundet am22. Januar 1871: Querbruch desrechten Oberarms ohne Splitterung.Eingang am inneren Rande des Delta-muskels, Ausgang hinten aussen.Gleichzeitig Weichtheilschusswundevon 2 cm Länge und 7 mm Breite ander rechten hinteren oberen Darm-beingräte. Letzterer Schusskanalreicht bis zum Knochen, welchergequetscht ist, ohne gebrochen zusein; keine Ausgangsöffnung.
Tragetuch und einfache Kissenlagerung. Am 15. Januar 1871wird die Kugel 13 cm unterhalb der Hüftwunde ausgeschnitten.Ganz geringe Eiterung der Armwunde, stärkere und übelriechendeEiterung der Hüftwunde, deren Umgebung stark entzündlich ge-schwollen ist. Ende Februar ist die Hüftwunde geheilt, AnfangMärz auch die Armwunde, so dass Ueberführung stattfinden kann.Keine Verkürzung. Feste Vereinigung. Volle Beweglichkeit undGebrauchsfähigkeit.
1 '/•> Monate.
97.
A. R., vom 1. WestpreussischenGrenadier-Regiment No. 6, verwun-det am 6. August 1870 bei Wörth:Splitterbruch des linken Oberarms.Eingang vorn 2 l /s cm unterhalb derAchselfalte, Ausgang dicht nebender hinteren Achselfalte. Der Ober-armkopf ist nach innen und vornverrenkt, die Schulter abgeflacht.Gleichzeitig Weichtheilschüsse inbeide Oberschenkel und Streifschussan die linke Backe.
Schienenverband. Die Wunden an den Schenkeln und der Backesind Ende August 1870 bereits geheilt, der Bruch hingegen istnoch nicht verwachsen. Am 2. Oktober: Ueberführung nach Glatz,wo R. stark fiebernd unter massenhafter Eiterung der Armwundeankommt. Am 13. Oktober: linksseitige Lungenentzündung, welcheam 15. Oktober kritisch endet, doch besteht noch lange quälenderHusten. Am 4. November: Ausschneiden von Bleistückchen, am7. November: Ausziehen von 20 Splittern. Ende November ist dieVereinigung des Bruches beendigt. Am 25. März 1871 als invalideentlassen. Verkürzung vorhanden. Verrenkung des Oberarmkopfesbesteht noch. Aufgehobene Gebrauchsfähigkeit.
7 7^ Monate.
98.
E. R., vom 6. Thüringischen In-fanterie-Regiment No.95, verwundetam 6. August 1870 bei Wörth:Splitterbruch des rechten Oberarms.Eingang vorn, Ausgang hinten.
Am Tage der Verwundung werden zahlreiche Splitter aus derAusgangswunde entfernt. Drahtschiene, Allgemeinbefinden befrie-digend; im August bei langwieriger Eiterung Abstossung vonSplittern. Am 1. September 1870: gefensterter Gypsverband, EndeSeptember reichlicher Kallus, die Eiterung besteht fort. Am 25. Ok-tober: Entfernung des Gypsverbandes. Erst Ende Mai 187.1 sindbeide Wunden vernarbt. Entlassen. Kallus sehr reichlich.
9 Monate.
99.
E. R., vom 1. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte : Splitterbruchdes rechten Oberarms. Eingang 2 cmunterhalb des Gelenks, Ausgang 3 cmtiefer an der Innenseite. Nerven-verletzung. Gleichzeitig Streifschussan die 9. Rippe durch dieselbe Kugel.
Wiederholte Entfernung von Splittern, Schienenverband, Aus-spülungen mit Karbollösung. Anfangs starke, von der 3. Woche abgeringe Eiterung, Verlauf ohne wesentliche Zwischenfälle. Am 21. Juli1871: Wunden vernarbt, feste Vereinigung; Entlassung. VölligeLähmung der rechten Hand und Finger, Gebrauchsfähigkeit desrechten Schulter- und Ellenbogengelenks aufgehoben. Zeitig gänz-lich erwerbsunfähig.
11 Monate.