Band III. Spez. Tbeil.
Kasuistik.
861
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
87.
G. 0., vom 2. OstpreussischenGrenadier-Regiment No. 3, verwun-det am 4. Januar 1871: Gewehr-schussbruch des rechten Oberarm-halses ohne Splitterung. Einschussaussen 3 cm über dem Ansätze desDeltamuskels, kein Ausschuss. StarkeBlutaderblutung. Gleichzeitig durch-bohrender Brustschuss rechts.
Reichlicher Bluthusten; hinten rechts unten bedeutende, bis zurGräte des Schulterblattes reichende Dämpfung. Am Arm erheblicheSchwellung, später reichliche Eiterung. Stromeyer'sches Kissenwird nicht vertragen, daher Lagerung auf Kissen, Eisblase aufArm und Brust, Morphium in grossen Gaben. PJude Januar 1871 :Eitersenkung bis in das untere Drittel. Ende Februar ist derBruch fest verheilt; dreieckiges Tragetuch. Die Dämpfung überder rechten Brustseite ist auf'/3 der früheren Höhe zurückgegangen,Allgemeinbefinden befriedigend. Anfang März: Eingangswundenoch offen, Sonde stösst auf rauhen Knochen. Entlassung. Erheb-liche Verkürzung, reichlicher Kallus, Steifheit des rechten Schulter-gelenks.
2' l Monate.
88.
F. P., vom 7. BrandenburgischenInfanterie - Regiment No. 60, ver-wundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss durch denrechten Oberarmkopf ohne Splitte-rung. Einschuss vorn, Ausschusshinten genau in der Mitte.
Wiederholt Entfernung kleiner Knochenstücke und Tuchfetzen.Lagerung auf Kissen mit Tragetuch bis zur festen Vereinigung.Verlauf anfangs ohne Zwischenfälle, wenn auch langsam. Späterbrechen die bereits geschlossenen Wunden unter phlegmonöserEntzündung wiederholt auf, die Eiterung ist dabei gering. Im Mai1872 erfolgt die Entlassung. Muskelschwund sehr hochgradig,völlige Steifheit des rechten Schultergelenks. Dauernd ganzinvalide,gänzlich erwerbsunfähig.
1 3 /i Jahre.
89.
F. P., vom 3. Posenschen Infan-terie-Regiment No. 58, verwundetam 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschussbruch des linken Ober-arms. Eingang an der Aussenseite,keine Ausgangsöffnung. Splitterung.
Entfernung der losen Knochensplitter am dritten Tage, Kugelim unteren Bruchende fest eingekeilt. Eiterung bald massenhaft;lebhaftes Fieber und Durchfälle schwächen den Verwundeten. Nachmehreren Tagen wird an der Innenseite des Oberarms eine Eiter-höhle geöffnet und die durch die Eiterung gelöste Kugel leicht aus-gezogen ; Besserung. Im weiteren Verlaufe kommt es noch zumehrfachen Eiterungen in der Achsel- und Schultergegend, welchegeöffnet werden und ausser Eiter abgestorbene Knochenstücke vonverschiedener Grösse entleeren. Ende des Jahres 1870 ist der Bruchfest verheilt; die Fisteln, deren Zahl in P^olge der Einschnitte er-heblich ist, haben wenig Neigung sich zu schliessen. Spaltungeiniger derselben führt schliesslich Heilung herbei. Im Sommer1871 nach Deutschland übergeführt; im Juli sind sämmtliche Fistelngeschlossen. Muskulatur hochgradig abgemagert, Gebrauchsfähigkeitsehr eingeschränkt.
Befund im Jahre 1871 : Obdrarmknochen sehr verdickt, Schulter-gelenk angeschwollen, Ellenbogengelenk in halber Beugestellungfast unbeweglich in Folge fester Verwachsung der Streck- undBeugemuskeln. Der zwei- und dreiköpfige Armmuskel mit denausgedehnten Knochennarben verwachsen. Bewegung der Fingerund Tastgefühl erhalten.
Befund im Jahre 1872: Schultergelenk beweglicher, wenigerverdickt, am Ellenbogengelenk derselbe Zustand wie früher. StarkeAbmagerung des Armes, Verwachsungen wie früher.
Befund im Jahre 1873 : Beugung im Ellenbogengelenk bis zumrechten Winkel. Abmagerung des Oberarms sehr bedeutend, auchdie Schultermuskulatur und der Unterarm sind abgemagert. DieHand kann nicht zum Munde geführt werden.
11 Monate.