Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
837
Einzelbild herunterladen
 

Band III. Spez. Theil.

III. Verlauf und Ausgang.

837

genügend feststellen, weil Eitersenkungen oder Druck-brand starre Verbände nicht zuliessen; auch konnte mandem Zuge der entzündlich gereizten Muskeln, namentlichan dem kurzen Bruchende des oberen Drittels (No. 86),nicht immer wirksam begegnen. So kam Heilung mit Ver-krümmung zu Stande

nach Brüchen am oberen Drittel 5 mal,') mittleren 7 2 )

unteren 4 3 )

Die fehlerhafte Stellung nach Bruch des mittlerenDrittels konnte 3 mal darauf zurückgeführt werden, dassdie Bruchenden seitlich aneinander lagen, ein Zustand,welcher durch Anwendung der Zugstreckung wohl hättevermieden werden können. Ein am unteren Drittel Ver-wundeter (No. 278) sträubte sich gegen jeden feststellendenVerband und bei W. (No. 282) verdeckten die starkenKallusmassen die übrigens nicht erhebliche Abweichungdes unteren Bruchendes, welche man erst bemerkte, nach-dem der Kallus theilweise aufgesogen war.

Weitere Beschränkung der Gebrauchsfähigkeit wurdebedingt durch grössere oder geringere Steifigkeit derGelenke, welche, wie bereits oben angedeutet, in einigenFällen auf eine Erkrankung der Gelenke in Folge von8plitterung zurückgeführt werden kann," bei der über-wiegenden Mehrzahl aber durch eine Reihe anderer Umständeveranlasst wurde, welche theils einzeln, theils gemein-schaftlich die Ursache jenes Endausganges abgaben. Dahingehören die lange Ruhe der Gelenke in feststellenden Ver-bänden; Narbenstränge, welche nach Einschnitten zurück-blicken und mit den Muskeln oder dem Knochen ver-wuchsen; reichlich gebildeter Kallus, welcher theils dieGelenkenden umgab und knöcherne Hindernisse der Be-wegung entgegenstellte (Beobachtung 79), theils mit Mus-keln und Sehnen verwuchs und die Thätigkeit dieser Or-gane beschränkte oder gänzlich aufhob (No. 218, 234, 248,304). Dazu kommen Störungen im Gebiete einzelner Nerven,welche sogleich näher besprochen werden sollen.

Diejenigen Verletzungen schliesslich, welche zur Bil-dung falscher Gelenke, zur Verkürzung und Ver-krümmung führten, hatten bezüglich der Gebrauchs-fähigkeit meist einen sehr ungünstigen Ausgang; soweitdabei gleichzeitig Gelenksteiligkeit bestand, sind diese Ver-letzungen in nachstehender Uebersicht mitenthalten.

Betlieiliguiis der Gelenke bei Scbussbrüchen des Oberarms.

Verwundung:

Schulter-gelenk.

Ellenbogeti-gelenk.

BeideGelenke.

Unbestimmt.

am oberen Drittel» mittleren, unteren

IG

39

28

1543

56

4

Summe

16

40

22

15

') Siehe No. 62, 63, 92. 100, 102.

*) Siehe No. 145, 161, 180, 188, 190, 192, 204.

3 ) Siehe No. 240, 249, 278, 282.

Bei näherem Eingehen auf die in der Kasuistik er-wähnten Gelenkerkrankungen sind zunächst zwei Fälle aus-zuschalten: in dem einen (No. 125) kam Erguss in beideArmgelenke auf pyämischem Wege zu Stande, in demanderen (No. 123) war das linke Kniegelenk bei einemSchussbruch des Überschenkels eröffnet worden; beide Ver-wundete starben. Andererseits würde vielleicht eine An-zahl derjenigen Verletzungen, welche mit Steifheit einesbenachbarten Gelenks endeten, ohne dass sich deutlicheZeichen einer Gelenkerkraukung Schmerzen, An-schwellung u. s. w. bemerklich gemacht haben, hierherzu rechnen sein. In diesen Fällen kann jedoch die Diagnosenicht mit Sicherheit gestellt werden. Nur auf zwei dieserKrankengeschichten sei hier besonders hingewiesen. Beidem Verwundeten B. (No. 222) trat die Kugel im unterenDrittel hinten aussen ein und im oberen Drittel vorn innenaus; die Splitterung war nicht erheblich, schwere Störungendes Wundverlaufs weitergehende Entzündung, Eiter-senkung u. s. w. sind nicht verzeichnet; gleichwohl endetedie Verletzung mit Steifheit des Ellenbogen- und geringerBeweglichkeit des Schultergelenks. Bei dem Verwun-deten 11. (No. 236) bestand nach einer Verletzung amunteren Drittel Steifheit des Ellenbogengelenks in Beuge-stellung, welches man gewaltsam zu strecken versuchte;der Eingriff rief grossen Schmerz hervor, das Gelenk bliebsteif.

In den nachfolgenden Beobachtungen jedoch zeigenbestimmte Erscheinungen die Gelenkerkraukung an, nämlichSchmerzen, Verdickung, Anschwellung und Erguss, dermehrmals durch die Sektion nachgewiesen wurde. Schmerz-haftigkeit allein bestand im Schultergelenk bei N. (No. 85,Schussbruch des oberen Drittels mit Ausgang in fast völ-lige Steifheit), ebenso im Ellenbogengelenk bei F. (No. 228,Schussbruch des unteren Drittels mit gleichem Ausgang).Bei R. (No. 137, Schussbruch des oberen Drittels) tratenbei jauchiger Eiterung und unter Schüttelfrost Schmerzenim Schultergelenk auf; man machte die Exartikulation, diejedoch den Tod nicht abwenden konnte; nähere Angabenüber die Gelenkerkrankung fehlen.

Verdickung des Schultergelenks trat bei P. (No. 8 ( J,Schussbruch des oberen Drittels) ein, welche zwei Jahrenach der Verletzung in etwas geringerem Grade nochfortbestand.

Anschwellung, eitrige Gelenkentzündung undErguss in das Gelenk ist in 10 Krankengeschichten ver-merkt. Bei 2 Verwundeten mit Schussbruch des unterenDrittels (No. 224 und 241) trat Heilung ein; bei dem Einenwar das Ellenbogengelenk schwappend geschwollen, beidem Anderen wird von eitriger Entzündung des Ellenbogen-gelenks mit hohem Fieber berichtet. 8 Verwundete erlagenallgemeiner Eiterzersetzung, ohne dass sich in allen Fällenbestimmt erkennen lässt, ob die Gelenkerkrankung Ursacheoder Folge der Eiterzersetzung war; 6 mal wies die Sektioneitrigen Erguss in den Gelenken nach, doch wurde der