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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
sondern alle zeigten sieh durch reichliche Kallusmassen lest mit-einander verbunden. Lungen- und Gehirnödem. Unzweifelhafthatte die hinzugekommene Rose allein den schlimmen Ausgangverschuldet. (Vergl. Soein, S. 114 und 177, No. 23, Tal'. VII,Fig. 1 bis 3.)
E. Schusswunden des Kniegelenks
(ohne Angabe der getroffenen Theile).
256. K., Füsilier vom Ostfriesischen Infanterie-RegimentNo. 78, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrkugel trat oberhalb der linken Kniescheibe ein,ging hinter der Knieseheibe durch das Gelenk und trat seitlichaussen unterhalb derselben aus. Geheilt.
1872: Gelenk noch gesehwollen, Bewegung beschränkt,namentlich Strecken und Heben des Unterschenkels erschwert.Zeitig grösstenteils erwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S.566,No. 16.)
257. C. K., Musketier vom Sächsischen 5. Infanterie-Regiment (Prinz Friedrich August) No. 104, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss durch das Knie-gelenk. Eintrittsöffnung 4 cm über dem Köpfehen des Waden-beins. Ausgangsöffnung am inneren Knorren des Oberschenkels.K. lag zuerst im Feldlazareth St. Hilaire, dann seit 7. Sep-tember 1870 im Reservelazareth München. Am 14. November1870: Heilung. Die Narben waren nicht verwachsen, es bestandKnochenauftreibung im Gelenk; die Beugung war fast bis zumrechten Winkel möglich, das Gehen verursachte Schmerzen.
258. Frhr. K. v. M., Premierlieutenant, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss durch das rechteKniegelenk von aussen nach innen. Heilung mit beschränkterBeweglichkeit und bedeutender Schwäche des ganzen Beines.Badekuren zu Baden und Teplitz hatten keinen wesentlichenErfolg.
Im Herbst 1871: Lähmung der Schliessmuskeln des Mast-darms und der Blase und erhöhte Reflexthätigkeit. Nach demUrtheil der behandelnden Aerzte standen diese Erscheinungenunzweifelhaft im ursächlichen Zusammenhang mit der Schuss-verletzung des Kniegelenks. Die vom Professor Dr. Erb inHeidelberg eingeleitete und mit den nöthigen Unterbrechungenfortgesetzte elektrische Behandlung sowie der Bädergebrauchzu Gastein, Wildbach, Nauheim und der Aufenthalt in klima-tischen Kurorten in der Schweiz brachten nur vorübergehendeBesserung.
Am 18. April 1878: Kräftiger Knochenbau, Haut bleich,etwas ins Gelbliche spielend, massig entwickelte, sehr schlaffeMuskulatur und sehr geringes Fettpolster. Ein- und Aus-gangsnarbe mit dem Knochen verwachsen. Das Kniegelenkist steif und in seiner Gebrauchsfähigkeit sehr beschränkt.Der Umfang des Beines ist unmittelbar über dem Kniegelenk1 cm, über der Wade 3 cm geringer als links. Klagen überausstrahlende Schmerzen zur Gegend der unteren Rippen,leichte psychische Erregbarkeit, allgemeine Mattigkeit und leichteintretende Verdauungsstörungen. Von Zeit zu Zeit stellen sichplötzlich lähmungsartige Schwächezustände des Blasen- undMastdarmschliessmuskels ein. Der rechte Fuss kann wegenSchwäche beim Gehen nicht genügend gehoben werden. Schondurch das Anstosseu gegen einen kleinen Stein kommt v. M.sehr leicht zu Fall. Er ist deshalb genöthigt eine Maschinezu tragen, welche dem Fussgelenk Halt gewährt, das Herab-sinken des Fusses beschränkt und dadurch die Gebrauchsfähigkeitdesselben etwas erhöht. Beim Vorwärtsschreiten nähert sichder äussere Sohlenrand zuerst dem Boden. Dauernd ganainvalide,
einfach verstümmelt und aussergewöhnlicher Pflege bedürftig.Am 2. Juni 1881 an Schwindsucht gestorben.
259. M. W., Grenadier vom 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment No. 109, verwundet am 30. Oktober 1870: l) Gewehr-schuss durch das linke Kniegelenk von oben aussen nach unteninnen, Austritt von Gelenkflüssigkeit; 2) Gewehrschuss durchdie linke Hand. Im Feldlazareth zu Gray wurde durch An-wendung von Eis die Entzündung unterdrückt; am 3. NovemberGypsverband; bald danach Fieber und starke Eiterung; am4. Februar 1871 Wunden geheilt. Das Knie ist steif; W. gehtmit Krücken. Diellandwunde heilte mit erheblichen Bewegungs-störungen im Handgelenk.
260. A. H., Musketier vom 7. Brandenburgischen Infan-terie-Regiment No. 60, verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch des linken Kniegelenks mitblindem Schusskanal an der Innenseite des Gelenks. DauerndeZugstreckung. Heilte bis Anfang März 1871 mit bedeutendemKallus und vollkommener Steifheit in Streckung.
261. J. T., Musketier vom 7. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 69, verwundet am 18. August 1870 bei Grave-lotte: Gewehrschuss durch das rechte Knie von innen nachaussen. Im Reservelazareth Creuznach im September starkeaber gute Eiterung; Oktober: Jauchung, welche nach Einschnittund Karbolverband verschwand; am 9. Dezember Heilung mitzurückbleibender Steifheit und Schmerzhaftigkeit des Knie-gelenks.
262. H. F., Gefreiter vom 1. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschussdurch das rechte Knie von oben nach unten. Die Heilungdauerte ziemlich lange und war erst im Februar 1871 voll-endet; es bestand sehr starke Behinderung der Bewegungin Fuss und Zehen, das Kniegelenk selbst war ziemlich freibeweglich.
263. A. N., Kanonier vom Magdeburgischen Feld-Artillerie-Regiment No. 4, verwundet am 1. September 1870 bei Sedan;Gewehrschuss in das rechte Kniegelenk; die Kugel steckt.Konnte nach der Verwundung noch etwas gehen. Am 16. Sep-tember im Reservelazareth Gmünd Gypsverband, Desinfektionmit Karbolsäure. Am 20. Oktober: Die Wunden fast geschlossen,wegen Gelenkentzündung wurde Eis angewendet. Am 19. No-vember geheilt; es bestand noch Anschwellung, Beugung warin geringem Grade möglich und die Gehfähigkeit ziemlich gut.
264. J. Seh., Grenadier vom 2. Schlesischen Grenadier-Regiment No. 11, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour: Gewehrschuss durch das Kniegelenk. Am 10. Septemberim Reservelazareth Hamburg Drahtschienenverband und Eis. tSeh. war am 24. September schon geheilt.
265. M. B., Gefreiter vom Grossherzoglich Hessische!Jäger-Bataillon No. 2, verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss in das linke Kniegelenk ui.d die linkeWade. War am 8. Oktober geheilt; die Narben nicht mit demKnochen verwachsen, der Wadenmuskel etwas verkürzt, Steilheitdes Kniegelenks.
266. F., Soldat, schwere Schussverletzung am Knie, wurdeim Reservelazareth Coburg im Februar 1871 geheilt. Das Ge-lenk blieb in gestreckter Haltung steif.
267. W. O., Grenadier vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment No. 1, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk.Wurde im Reservelazareth Weissenfeis mit Gypsverband be-handelt. Am 23. Januar 1871: Heilung mit völliger Steifheitdes Gelenks.