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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

am oberen Rande der Scheibe nach aussen von der Mittel-linie, die Ausgangsöffnung in der Mitte der Kniekehle. Deräussere Knorren ist abgesprengt und gesplittert. Ander Aussenseite des linken Oberschenkelknochens verlaufeneinige feine Sprünge. Ein zweiter Schüsskanal durchsetzt dasGelenkende des Schienbeins; die eine Oeffnung desselben ist ander vorderen Seite, 3 cm nach innen von dem Schienbeinstachel,unmittelbar unter der Gelenkfläche gelegen, die andere findetsich hinten ungefähr in der Mitte 2'/t cm unterhalb der Gelenk-fläche. Spalten begrenzen den abgesprengten innerenAbschnitt des oberen Gelenkendes des Schienbeins.Ein Sprung zieht nach unten. An der hinteren Fläche desSchienbeins sitzt ein grosser Splitter, der ziemlich stark vor-springt, namentlich nach oben, nach unten aber mit demKnochen fest zusammenhängt. Das Kniegelenk zeigt die Folge-zustände einer eitrigen Entzündung; die benachbarten Weich-theile sind eitrig durchsetzt. Die vordere Schienbeinblutaderenthält einen Thrombus. (Vergl. Arnold, S. 135, No. 128.)

211. Deutschor A. T., verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk; Eingang aminneren Knorren des Oberschenkels mit Zertrümme-rung desselben, Ausgang am Köpfchen des Wadenbeins. Am14. August im Reservelazareth Karlsruhe: Gypsverband, nach-her Streckung; anfangs massige Schwellung des Kniegelenks,später starke Eiterung, Gelbsucht, 3 Schüttelfröste. 24. August:Tod an Pyämie.

Sektion: Starke Splitterung des Gelenkendes desSchienbeins, Gelenk mit Eiter erfüllt, metastatische Herdein den Lungen. (Vergl. Socin, S. 177, No. 20.)

212. Deutscher C. G., verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschusswunde des linken Kniegelenks, mit Zertrümmerungdes inneren Knorrens des Oberschenkels und des Gelenkendesdes Schienbeins. Gestorben am 25. August im ReservelazarethHeidelberg.

Sektion: Kniegelenk voll Jauche, Knorpel zerstört; Ab-sprengung und Splitterung des inneren Knorrens desOberschenkels, Splitterung des Gelenkendes desSchienbeins, starke Knochensprünge; lobuläre Herde in denLungen. (Vergl. Arnold, S. 137, No. 28.)

213. Deutscher B. K., verwundet am 6. August 1870 bei "Wörth:Gewehrschuss. An der vorderen äusseren Seite des rechtenKniegelenks eine kleinere, an der hinteren inneren Seite einegrössere Wunde, 2'Acm höher gelegen als erstere. Gestorbenim Reservelazareth Heidelberg am 24. November.

Sektion: Jaucheherde am Oberschenkel, welche mit demKniegelenk in Verbindung stehen; vorn am Gelenkende desSchienbeins tiefer Knochenverlust, Absprengung undSplitterung des inneren Knorrens des Oberschenkels,Gelenkknorpel zerstört. (Vergl. Arnold, S. 136, No. 108.)

214. Deutscher N., verwundet am 9. Januar 1871: Gewehr-schuss. Die Kugel trat an der vorderen Fläche des linken Ober-schenkels dicht oberhalb des Kniegelenks ein, Austrittsöffnungnicht vorhanden. Der Verwundete ging noch mehrere Schritte.Die Kniescheibe war der Länge nach gebrochen, derOberschenkelknochen ebenfalls in schräger Richtungbis zur Mitte des Knochens hinauf; die Spitze des oberenBruchstückes hatte eine starke Längsverschiebung erlitten;reichlicher Austritt von Gelenkflüssigkeit. Die sofort in Aus-sicht genommene Amputation wurde verweigert. AusgedehnteEiterung zerstörte die Weichtheile des ganzen Oberschenkels.Tod an Pyämie am 25. Februar.

Sektion: In dem unteren Theile des Oberschenkels findetsich in der vorderen Fläche ein unregelmässiges Loch, welches

in eine Höhle des Markgewebes führt, in der das verunstalteteGeschoss eingebettet liegt; von derselben gehen mehrere Sprüngeaus; Längsbruch der Kniescheibe mit Knochenverlust, Vereiterungdes Kniegelenks, der Schaft des Oberschenkels ist schräg ge-brochen ; Knochenmarkentzündung.

215. F. J., Hoboist vom 1. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 13, verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk von vorn nach hinten,mit Zertrümmerung der Kniescheibe und des innerenKnorrens. Im Feldlazareth zu Ars sur Moselle Drahthose,Eisblase; es bildete sich eine heftige Phlegmone aus, die Eiterungwar sehr reichlich. J. starb am 8. September.

216. A. S., Musketier, verwundet am 3. Dezember 1870:Gewehrschuss durch das linke Knie. Die Kugel trat in derMitte der Kniescheibe ein und in der Kniekehle aus. ImFeldlazareth zu Ormesson am 4. Dezember Gypsverband, Eis;14. Dezember: heftige Schmerzen, starke Eiterung; 15. Dezember:mehrmalige Blutung. IG. Dezember: Tod.

Sektion: Jauchung am Oberschenkel bis zum grossenRollhügel; der äussere Knorren des Oberschenkels istabgesprengt.

217. Ungenannter, verwundet am 30. September 1870,wurde 2 Tage später aufgenommen : Die Kugel hatte die rechteScheibe durchbohrt und war in der Kniekehle ausgetreten. StarkeSchwellung, so dass Amputation nicht räthlich erschien. Reich-liche Eiterung. Tod an Pyämie am 27. Oktober.

Sektion: Zerschmetterung der Scheibe und derKnorren des Oberschenkels, Verjauchung des Oberschenkelsund des Kniegelenks. Metastatische Eiterherde in den innerenOrganen. (Vergl. Kirchner, S. 65, No. 180.)

D. Verletzungen des Schienbeins.

1. Streifungen und Rinnenschüsse.

218. E. G., Unteroffizier vom 3. Garde-Regiment zu Fuss,verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschussquer durch das Scheibenband. Im Oktober kleine Splittervom Schienbein entfernt. Am 4. November 1870 geheilt miteiner Stützmaschine entlassen.

219. G. vom 2. Hannoverschen Infanterie-Regiment No. 77,verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren: Gewehrschuss.Eingangsöffnung am inneren Knorren des linken Schien-beins, Schussrinne in demselben; Eröffnung des Ge-lenks. Ausgangsöffnung an der Innenseite der Kniekehle. G. kamam 8. August ins Lazareth Neunkirchen. 20. August: Abstossungvon Knochensplittern aus der Eingangsöffnung. Nach einem Geh-versuch Entzündung, Lagerung in einer Lade, Eisblase. Am27. August reichlicher Austritt von Gelenkflüssigkeit. Im Sep-tember massige Eiterung. Am 6. Oktober: Der Heilungsverlaufmacht gute Fortsehritte. Am 1. Februar 1871 Entlassung. G.konnte das Bein vollständig strecken und mit demselben auf-treten. (Vergl. H. Fischer, S. 205, No. 341.)

220. A. Seh., verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss. Eingangsöffnung der Kugel innen,Ausgang aussen von der rechten Kniescheibe; Streifungdes Schienbeins mit Eröffnung des Gelenks. Gleichnach der Verletzung Wegnahme eines Stückes, der Gelenk-fläche des Schienbeins. Am 6. Oktober im ReservelazarethKarlsruhe Schienenverband, dann Gypsverband; sehr geringeEiterung. Anfang November war das Knie aktiv gar nicht,passiv nur äusserst wenig beweglich, Stehen und Gehen wegen