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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band III. Spez. Theil.

VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.

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herdes durch Einschnitt; am 26. Dezember unvollkommeneVerrenkung des Unterschenkels nach hinten; am 2. Januar 1871tritt das untere Ende des Oberschenkels aus der vorderen Wundezu Tage, wegen grosser Erschöpfung des Verwundeten ist dieAmputation nicht möglich. Tod am 9. Januar.

Bei der Sektion findet sich der Oberschenkelknochen biszum mittleren Drittel abgestorben.

200. J. Seh., vom 6. Brandenburgischen Infanterie-Regi-ment No. 52, verwundet am. August 1870: Weichtheilschussin der Mitte des rechten Oberschenkels; Schuss durch den linkenOberschenkel am Knie, von vorn nach hinten verlaufend; Er-öffnung des Kniegelenks, welches aktiv und passiv ohne Schmerzenbewegt werden konnte. Kam am 20. August ins Lazareth Neun-kirchen, woselbst Absprengung des äusseren Knorrens des Ober-schenkels festgestellt ward. Reichlicher dünner Eiter; ge-fensterter Gypsverband, Eisblase. 30. August: Kräfteverfall, hohesFieber; Eiter übelriechend und reichlich, deshalb (iypsverbandentfernt; Luft unter der Haut; tiefe, das Gelenk öffnende Ein-schnitte, Entleerung einer grossen Menge Jauche, Lagerung ineiner Lade. Tod am 1. September.

Sektion: Verjauchung des Gelenks und der Weichtheileam Ober- und Unterschenkel. Absprengung und Zer-splitterung des äusseren Knorrens, Sprünge im in-neren Knorren. (Vergl. H. Fischer, Erfahrungen S. 203,No. 335.)

201. H.P., Grenadier vom 2. Garde-Regiment z.F., verwundetam 18. August 1870: Gewehrschuss in das linke Knie mit Ab-sprengung des äusseren Knorrens des Oberschenkel-knochens. Sehr heftige Entzündung und starke Eiterung.Im September Jauchung, Blutungen, allmäliger Kräfteverfall.Tod am 22. September.

202. F. R., Füsilier vom Colbergischen Grenadier-Regi-ment (2. Pomraerscb.es) No. 9, verwundet am 1. Februar 1871bei Pontarlier: Gewehrschuss in das rechte Knie von vorn nachhinten, Gewehrschussbruch des linken Oberschenkelknochens.Im Feldlazareth zu Pontarlier Lagerung in einer Bonnet'schenDrahthose, sehr starke Jauchung, Durchfälle, Irrereden; am21. Februar Blutung. Tod.

Sektion: Zertrümmerung des rechten äusserenKnorrens.

203. J. Z., vom Bayerischen 9. Infanterie-Regiment (Wrede),verwundet ani 6. August 1870 bei Wörth, von wo er am 10. nachWeissenburg gebracht wurde. Der Schusskanal ging vom äusserenKnorren des Oberschenkels nach der Mitte des Gelenks; keineAusgangsöffnung. Am 13. August Gypsverband; am 16. grosseEinschnitte zur Eiterentleerung. Am 23. Morgens plötzlicheErschöpfung, Abends Tod.

Sektion: Die Kugel hatte ein wallnussgrosses Stückvom inneren Knorren des Oberschenkels abgesplittertund tag zwischen den Knorren vor den Kreuzbändern in eineGrube eingebettet. (Vergl. Czerny, S. 62, No. 86.)

204. Deutscher M. S., verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss durch das rechte Knie von innen nachaussen, mit Zertrümmerung des inneren Knorrens desOberschenkais. Am 15. August im Reservelazareth Karls-ruhe: Drahtschiene. Vom 18. August ab sehr reichliche Eiterung,mehrmalige heltige Schüttelfröste; Tod am 27. August an Pyämie.

Sektion: Der innere Knorren vielfach zerschmettert,Gelenk mit Jauche gefüllt, Gefässe unverändert; in beidenLungen metastatische Herde. (Vergl. Socin, S. 177, No. 19.)

205. C. F., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-RegimeutNo. 2, verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte durch

Granatsplitter, welcher neben der Kniescheibe eindrang undden inneren Knorren des Oberschenkels brach. StarkeEntzündung. Am 26. August im Reservelazareth Düsseldorf:Schienen verband; Gelenkeiterung, mehrfache Einschnitte. Am15. September: fortwährende Anwendung von Eis; Fieber undDurchfall, Druckbrand. 8. Oktober: Watson'sche Schwebe. DieWunden reinigten sich, das Knie schwoll ab, die durchgelegeneStelle begann zu heilen. Tod am 8. November an Lungen-entzündung.

Sektion: Die Kreuzbänder sind zerstört, die Gelenkflächendes Oberschenkels und Schienbeins mit rothen Fleischwärzcheubedeckt und schon ziemlich fest miteinander verlöthet. (Vergl.Graf, Die Reservelazarethe in Düsseldorf.)

206. H. E., Füsilier vom 6. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 55, verwundet am 14. August 1870: Gewehr-schuss durch das linke Knie. Der Schusskanal begann oberhalbder Kniescheibe, verlief durch den inneren Knorren desOberschenkelknochens. Es bestand starke Eiterung, vieleKnochensplitter wurden entfernt; das Gelenk stand meist ingebeugter Haltung. Aus mehreren Eiterherden wurde durchEinschnitt übelriechender Eiter entleert, der trotz Anwendungvon Bädern den Geruch nicht verlor. Am 15. September leichterRuhranfall; bei starker Eiterung schwanden die Kräfte stetig,und am 30. September starb E. an Erschöpfung.

207. H. L., Grenadier vom 2. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 3, verwundet am 31. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss in das rechte Knie, mit Splitterung derGelenkenden der Knochen. L.verweigerte die Amputation.8. September: Jauchung, Schüttelfröste; Einschnitte. 20. Sep-tember: Starke, feste Anschwellung des ganzen Ober- undUnterschenkels. 10. Oktober: Das Gelenkende des Schien-beins wird als Splitter herausgenommen; reichliche Eiterung.3. November: Tod.

208. H. N., Musketier vom 6. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 55, verwundet am 14. August 1870: Gewehr-schuss durch das linke Kniegelenk; Eintrittsöffnung 5 cm ober-halb der Kniescheibe an der Aussenseite des Gelenks, Austritts-öffnung am inneren Knorren des Schienbeins. Im Feldlazarethzu Colligny verweigerte N. die Amputation. Eisblase. 22. August:Starke Eiterung, hohes Fieber, Durchfälle; bald Jauchung, Er-schöpfung. 30. August: Tod.

Sektion: Der äussere Schenkelknorren und dasobere Ende des Schienbeins sind zerschmettert, dasGelenk eröffnet und verjaucht.

209. Deutscher O. B., verwundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschusswunde des linken Kniegelenks.Schussöffnung 1'/» cm unterhalb der Scheibe und eine grössere4 cm über dem Wadenbeinköpfeben. Gestorben am 25. No-vember im Reservelazareth Heidelberg.

Sektion: Jauchige Durchtränkung der Weichtheile desOber- und Unterschenkels. Die Kugel hatte den Kopf desSchienbeins in schiefer Richtung von unten innen nach obenaussen bis hinter die Hervorragung in der Mitte der Gelenkflächedurchbohrt und den äusseren Knorren zertrümmert.Beide Gelenkenden stehen durch gefässreiches, zur Knochen-bildung neigendes Gewebe in Verbindung. Verdichtung derunteren Lungenlappen. (Vergl. Arnold, S. 135, No. 110.)

210. I). F., Gefreiter vom 4. Badischen Infanterie-RegimentPrinz Wilhelm No. 112, verwundet am 17. Januar 1871 beiBeifort: Zwei Schüsse durch das rechte Kniegelenk. Gestorbenim Reservelazareth Heidelberg am 19. Februar.

Sektion: Die Eingangsöffnung des einen, durch denäusseren Knorren verlaufenden Schusskanals befindet sich