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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
798
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Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

BandHI. Spez. Theil.

Im Feldlazarett zu La Queue en Brie starke Schwellung desObersehenkels. 7. Dezember: Tod an Septieämie.

190. Deutscher W. T., verwundet am 2. Dezember 1870 beiOrleans: Einschuss oberhalb der linken Kniescheibe. Gestorbenim Reservelazareth Heidelberg am 29. Januar 1871.

Sektion: An der inneren und hinteren Seite 2 Oeffnungen,welche einer Theilung des Schusskanals ungefähr in der Mittedes Schenkels entsprechen. Schaftbruch mit Absprengungdes inneren Knorrens. Im Schafte eine Höhle, an derenhinterer Seite ausgiebige Splitterung stattgefunden hat. KleineEiterherde in den Lungen. (Vergl. Arnold, S. 130, No. 123.)

101. F. II., Soldat vom 6. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 95, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschuss. Oeffnungen am inneren Rande der Kniescheibeneben der Spitze und 10 cm über der Gelenklinie am hinterenRande des Schneidermuskels. Tod am 8. Oktober im Reserve-lazareth Karlsruhe an Unterleibstyphus.

Sektion : VordereWundöffnung vernarbt, im Narbengewebeder Kapsel Bleikörner eingesprengt. Scheibenknorpel vollkommenunversehrt. Kapselhaut überall glatt. In der Höhle wenig klareGelenkflüssigkeit. Der vordere Theil des äusseren Schen-kelknorrens ist in mehrere Stücke gesprengt, die zumTheil in die Gelenkhöhle hineinragen und vollkommen unver-ändert sind; Sprünge durch den Knorpel und Knochen.Eine Rinne, vom Knochen und den Kreuzbändern gebildet, führtzur hinteren Oeffnung, deren Ränder überhäutet sind. Ausser-dem befindet sich hinten eine grosse Eiterhöhle, in deren vor-derer Wandung eine grosse Anzahl kleiner Knochensplitter ein-gebettet liegt. (Vergl. Klebs, S. 49, No. 53, AbbildungenTaf. I, Fig. 2 bis 4.)

192. A. Z., Grenadier vom 3. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 25. Dezember 1870 vor Paris: Gewehrschussdurch die Knorren des linken Oberschenkels von innennach aussen. Starke Eiterung. 2. Januar 1871: Schüttelfrost.7. Januar: Entfernung von Knochensplittern; allmäliger Verfallder Kräfte. 29. Januar: Tod an Pyämie.

Sektion: Starke Splitterung des Knochens, Meta-stasen in den inneren Organen.

103. F. Seh., Grenadier vom 1. Westpreussischen Grenadier-Regiment No. 6, verwundet am 6. August 1870: Schusskanaldurch das rechte Kniegelenk von der Kniescheibe zur Kniekehle.Kam am 10. August ins Reservelazareth Schwetzingen. Knie ingeringer Winkelstellung gebogen. 16. August: Heftiger Frost undSchmerzen. 12. September: Grosser Eiterherd an der unterenHälfte des Oberschenkels entleert. 14. September: Jauchuug,Blutung aus dem Eiterherd. 24. September: Tod.

Sektion: Auf dem Knie zeigt sich eine Narbe (die ge-heilte Eingangsöffnung); innere Fläche der Kniescheibe rauh,entfärbt, Knorpel aufgelöst, Gelenkfläche des inneren Knorrenstheils tief ausgefressen, theils mit Knochenbröckeln belegt,Knorpelfläche des Schienbeins zerfressen. Der Schusskanal gehtdurch die Gelenkfläche des inneren Knorrens undmündet in der Kniekehle. An der hinteren Fläche des Ober-schenkels führt ein Kanal in eine grosse Höhle, welche sich längsdes Schenkelknochens bis zur Linie zwischen den Rollhügelnerstreckt. (Vergl. Schinzinger, S. 77.)

104. A. Z., Musketier vom 7. Pommerschen Infanterie-Regiment No. 54, verwundet am 2. Dezember 1870 bei Villiers:Drei Fleischwunden durch Granatsplitter und Granatschuss-verletzung des linken Oberschenkels, mit Knochenbruch undEröffnung des Kniegelenks. Eintrittsöffnung dicht oberhalbder Kniescheibe, Austrittsöffnung 8 cm nach aussen. Am 19. De-zember im Feldlazarett La Queue en Brie starke Jauchung,

Erweiterung der Wunden, Entfernung kleiner Knochensplitter.24. Dezember: Schwellung des Oberschenkels, Irrereden. 26. De-zember: Tod.

Sektion: Absprengung des äusseren Kuorreus desOberschenkels, Verjauchung des Kniegelenks.

105. A. P., Füsilier vom Grenadier - Regiment KönigFriedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) No. 2, verwundet am1. Februar 1871 bei Oye: Gewehrschuss durch das rechte Knie-gelenk, schräg von innen nach aussen. Im Feldlazareth zuPontarlier Lagerung in Drahtkapsel, Anwendung von Kälte.Andauernde starke Eiterung und vielfache Eitersenkungen führtenerhebliche Entkräftung herbei, an der P. am 16. April starb.

Sektion: Die Gelenkknorpel und Kreuzbänder sind zer-stört, der äussere Knorren des Oberschenkelknochenszersplittert.

106. L. C, Füsilier vom 2. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 3, verwundet am 16. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss durch das rechte Knie. Kam am 25. Septemberin Gypsverband im Reservelazareth Bonn an. Daselbst starkeEiterung, Druckbrand, zuweilen Fröste. Die Behandlung bestandin Anwendung warmer Bäder. In Folge eingetretener Jauchungstarb der Verwundete am 14. Oktober.

Sektion: Splitterung des äusseren Knorrens desOberschenkelknochens, Vereiterung des Kniegelenks.

107. J. S., Gefreiter vom 3. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss in das linke Knie-gelenk, Gewehrschussbruch des rechten Oberschenkels und2 Fleischschüsse. Im Feldlazareth Ste. Marie aux ebenes Karbol-säureverbände, Gypsverband am linken, Drahthose am rechtenBein. 31. August: am linken Knie wird das Geschoss, welchesam äusseren Knorren eingedrungen war, an der inneren Seitedes Gelenks ausgeschnitten. 3. September: hohes Fieber. 10. Sep-tember: sehr starke Eiterung, Kräfteverfall in Folge Durchfalls.16. September: Schüttelfrost, Erschöpfung. 22. September: Tod.

Sektion: Am linken Knie beginnt der Schusskanal amgeraden Schenkelmuskel; der innere Knorren des Ober-schenkels ist abgebrochen, an der Gelenkfläche der Knie-scheibe eine Schussrinne; die Gelenkknorpel zerfressen,Eitersenkungen bis zur Mitte des Oberschenkels; Splitterbruchdes rechten Oberschenkels.

108. G. H, Musketier vom 5. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 53, verwundet am 29.Januar 1871 beiOhaffois: Gewehr-schuss durch das linke Knie, am inneren Knorren beginnendund unterhalb des äusseren endigend. Schienenverband beistarker Schwellung des Gelenks. Am 3. Februar Lagerungin Drahtkapsel, Karbolsäureverband; am 12.Februar Eröffnungvon Eiterherden, Entfernung mehrerer kleiner Knochensplitter;am 7. März Verschlechterung des Allgemeinbefindens, hohesFieber, starke Anschwellung des Ober- und Unterschenkels,starke Jauchung; am 15. März Brand des Unterschenkels. Todam 17. März.

Sektion: Zerschmetterung des äusseren, Abspren-gung des inneren Knorrens; Verjauchung des Kniegelenks,Brand des Unterschenkels.

100. F. S., Musketier vom 3. Brandenburgischen Infan-terie-Regiment No. 20, verwundet am 4. Dezember 1870 beiOrleans: Gewehrschuss durch das linke Knie; Eintrittsöffnungam oberen Rande der Kniescheibe, Austrittsöffuung am ge-brochenen inneren Knorren des Oberschenkels. Am7. Dezember im Kriegslazareth zu Orleans starke feste Schwellungdes Oberschenkels, Drahtschiene, Verband mit Zincum sulfo-carbolicum; am 12. Dezember sehr starke Eiterung, Pott'scheSeitcnlage; am 19. Dezember Entleerung eines grossen Eiter-