Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
797
statische Eiterherde in Lungen und Milz, Verstopfung derlinken Schenkelblutader. (Vergl. Arnold, S. 128, No. 166.) ^
178. H. W., Feldwebel vom 8. Poimnerschen Infanterie-Regiment No. 61, verwundet am 23. Januar 1871 bei Dijon:Gewebrschuss durch das rechte Knie, mit Eingangsöffnung dichtoberhalb der Kniescheibe. Am 24. Januar im Feldlazareth zuDijon starke Eiterung, Eitersenkungen, Fieber und allmäligeAbnahme der Kräfte. W. ging dann 4 Wochen in FranzösischePflege über und wurde am 27. März wieder von DeutschenAerzten übernommen; die kurze Ueberführung erschöpfte ihnsehr. 20. April: Drainage des Gelenks bei sehr starker Eiterung,Karbolsäureverband, Druckbrand. 3. Mai: Brand des Unter-schenkels, Jauchung, Erschöpfung. 5. Mai: Tod.
Sektion: Sehr starke Abmagerung, Brand des Unter-schenkels, Kniegelenk vereitert. Der Schusskanal ging zwi-schen den Knorren durch den Oberschenkelknochenund enthielt Knochensplitter nebst Tuchstüekchen.
179. A. W., Grenadier vom 2. Schlesischen Grenadier-RegimentNo. 11, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschussbruch am unteren Theil des linken Ober-schenkels mit starker Splitterung, jedoch ohne Trennung desZusammenhanges. Starke Sprünge gingen bis ins Gelenk, welchesmit schmierigem Eiter gefüllt war. 19. August: Entfernung derzwischen den Knochentrümmern liegenden Kugel. 16. Oktober:Tod im Barackenlazareth zu Berlin an brandiger Rose. (Vergl.IV. Band dieses Berichtes, S. 99, No. X A. 21, Taf. XXVIII,Fig. 2 u. 2 a.)
180. L. R., Sekondlieutenant, verwundet am 27. September1870: Zwei Gewehrschüsse in das rechte Knie von hinten nachvorn. Kam am 7. Dezember, durch die Ueberführung sehrerschöpft, im Feldlazareth Courcelles an. Bald traten starkeJauchung, hohes Fieber und Druckbrand ein. Zur Amputationwiir es zu spät. Am 24. Dezember Schüttelfrost, reichlicheEiterung, hochgradige Erschöpfung. Am 3. Januar 1871: Tod.
Sektion: Gelenk vereitert, Eiterung bis zum oberen Theildes Oberschenkels, Schwellung des Beines; Knochenbruchunmittelbar oberhalb des Gelenks mit starker Splitte-rung; keine Kallusbildung.
181. J. G., Musketier vom 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 50, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschuss durch beide Kniee. Hohes Fieber, starke Eiterung,wiederholte Einschnitte in Eiteransammlungen und Phlegmonen.Am 22. August 1870: Tod an Pyämie.
Sektion: Links: Durchbohrung des Oberschenkel-knochens oberhalb der Knorren, Splitterung bis insGelenk; die Kreuzbänder sind fest geschwollen. Rechts: Wundeüber dem Kniegelenk, welche bis zum Knochen reicht, wo dasGeschoss steckt.
182. Deutseher N., verwundet am 25. Dezember 1870 vorParis: Gewehrschuss. Eintrittsöffnung an der inneren Seite desOberschenkeibaiber dem inneren Knorren, Austrittsöffnung 5 cmnach hinten voö- der Kniescheibe an der Aussenseite; Knochen-verletzung zunächst nicht aufzufinden, Gelenk wahrscheinlichverletzt. Eis, Feststellung des Gelenks. 2. Januar 1871: Frost-anfalle, jauchige Eiterung, Ausstossung kleiner Knochen-stückchen ; Knarren im Kniegelenk, wahrscheinlich Absprengungdes äusseren Knorrens. Starker Durchfall und sehr starkeJauchung führten am 26. Januar den Tod herbei.
Sektion: Grosse, mit Jauche gefüllte Eiterhöhle am Ober-schenkel, die mit dem Gelenk in Verbindung steht; gabel-förmiger Bruch des Oberschenkelknochens mit Ein-keilung, Absprengung des äusseren Knorrens; metastatischeHerde in den Lungen,
183. II. IL, Füsilier vom 1. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss durch das un-tere Drittel des linken Oberschenkelknochens, mitEröffnung des Kniegelenks. Gypsverband. Hohes Fieber,starke Eiterung. 22. September: Feste Schwellung des Unter-schenkels, sehr heftige Eiterung; Lagerung auf der doppelt-geneigten Ebene. Durchfälle, Druckbrand, starke Eiterung undBildung von Eiterherden führten am 28. Oktober den Tod inFolge von Erschöpfung herbei.
184. W. F., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschussbruch des rechten Oberschenkelknochens,dicht oberhalb des Knies. Sprünge bis ins Gelenk, starkeBlutung; die Kugel steckte im Knochen. Im Feldlazarethzu Mars la Tour am 22. August Karbolsäureverband; Schwellungdes Unterschenkels. 5. September: Die Eiterung wurde immerheftiger, und die Kräfte nahmen immer mehr ab. 4. Oktober:Tod an Septicämie.
185. K. Seh., Füsilier vom 2. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 32, verwundet am 11. Oktober 1870 bei Orleans:Gewehrschuss in den linken Oberschenkel und in das linke Knie;Eintrittsöffnung vorn oberhalb der Kniescheibe, Austrittsöffnungim oberen Theil der Wade; Gelenk und Knochen verletzt. ImFeldlazareth zu Etampes am 21. Oktober Drahthose, Karbolsäure-verband. 27. Oktober: hohes Fieber, Jauchung, Verband mitübermangansaurem Kali. 29. Oktober: starke Durchfälle, reich-liche jauchige Eiterung, Irrereden. 15. November: Tod.
Sektion: Verjauchung des Gelenks, Zerreissung derGelenkkapsel, Querbruch des Oberschenkelknochens.
186. A. K., Unteroffizier vom Grenadier-Regiment KönigFriedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) No. 2, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss in die rechteKniekehle mit Splitterung des unteren Endes des Ober-schenkelknochens bis ins Gelenk. Kälte, Karbolsäurever-band. 23. August: Gypsverband und Lagerung zwischen Sand-säcke; wegen Phlegmone wurden mehrere Einschnitte gemacht.Es traten ruhrartige Durchfälle und am 8. September der Tod ein.
187. B. K., Musketier vom 7. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 44, verwundet am 2. September 1870: Gewehr-schuss in die rechte Kniekehle, mit Bruch des unterenOberschenkelendes. Austrittsöffnung des Geschosses nichtvorhanden. Am 6. September im Feldlazareth zu RemillyJauchung, Luftknistern unter der Haut am Oberschenkel; Ent-fernung von Knochensplittern. 14. September: Tod an Septicämie.
188. II. J., Musketier vom 1. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 46, verwundet am 21. Oktober 1870: Gewehrschuss-bruch des rechten Oberschenkels mit Absprengungdes inneren Knorrens; Fleischschusswunde am linkenVorderarm. Am 21. Oktober im Lazareth zu Versailles Seiten-lage, Karbolsäureverband und wegen starker Entzündung desGelenks Eisblase. 25. Oktober: Jauchung am Oberschenkel,Schüttelfrost, Gelbsucht. 26. Oktober: Irrereden. 1. November:Tod an Lungenödem.
Sektion: Starke Splitterung des unteren Endes des Ober-schenkels, der innere Knorren abgesprengt, das Geschoss liegtzwischen den Knochenstücken, das Kniegelenk voll Eiter;hypostatische Lungenentzündung, keine metastatischen Infarkte.(Vergl. Kirchner, S. 65, No. 179.)
189. A. L., Sergeant vom Colbergschen Grenadier-Regiment(2. Pommersches) No. 9, verwundet am 3. Dezember 1870:Gewehrschussbruch des unteren Theiles des rechtenOberschenkelknochens, mit Eröffnung des Kniegelenks.