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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
BandHI. Spez. Theil.
gestreift hatte. Guter Heilungsverlauf. Ende Mai konnte Seh.bei ziemlich beweglichem Knie ohne Hilfe eines Stockes gehen.(Vergl. Hofmann, S. 568, No. 24.)
133. W. V., Musketier vom 7. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 44, verwundet am 31. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss. Das Geschoss drang 2'/a cm vom inneren unterenRande der Kniescheibe entfernt ein und 3 '/a cm oberhalb desKöpfchens des Wadenbeins aus. Die Wunde heilte langsam bis16. März 1871. Es bestand Auftreibung des äusserenKnorrens und fast vollkommene Steifheit.
134. W., Lieutenant, verwundet am 10. Januar 1871 beiParigne l'Eveque: Gewehrschuss. Das Geschoss trat durch denoberen inneren Rand der Kniescheibe in das linke Knie mit Ver-letzung des inneren Knorrens ein- und 12 cm weiter unten,nach aussen vom äusseren Knorren wieder heraus. Es bestandanfangs sehr erhebliche Entzündung des Gelenks mit starkerSchwellung und Schmerzhaftigkeit, die im Gypsverband baldnachliessen; bei geringem Fieber dann massige Eiterung undAusstossung kleiner Knochensplitter; später höheres Fieber inFolge von Eiterverhaltung; die Eiterung Hess allmälig nach.Nach längerer Behandlung geheilt entlassen. W. wurde späterals dauernd ganzinvalide, zeitig einfach verstümmelt, sowiefremder Pflege und Wartung bedürftig erklärt.
1873. Der allgemeine Körperzustand ist durch die langeEiterung so geschwächt, dass eine starke Reizbarkeit desNervensystems sich entwickelt hat. Das linke Bein ist in derUmgebung des Knies stark geschwollen und geröthet. Schuss-narben mit dem Knochen verwachsen. Zwischen denselben be-stehen noch zwei eiternde Fisteln. Bewegung im Kniegelenkist ganz aufgehoben; es besteht feste Steifheit des Kniegelenkes,welche dem Verlust des Gliedes gleich zu achten ist.
135. R., Füsilier vom Westfälischen Füsilier-RegimentNo. 37, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth: Chassepot-schuss durch das linke Kniegelenk. Die Kugel war am innerenRande der Kniescheibe eingedrungen und, nachdem sie deninneren Knorren des Oberschenkelknochens gestreifthatte, dicht an der hinteren Seite desselben herausgetreten.1. Dezember: Die Verletzung ist vollständig verheilt, das Knie-gelenkende des Oberschenkelknochens jedoch aufgetrieben; dieWundnarben sind mit dem Knochen fest verwachsen, wodurchdie Bewegung des Unterschenkels im Kniegelenk, daher auchder Gebrauch des ganzen Beines schmerzhaft und behindert wird.
30. Mai 1871: Steifheit des Kniegelenks, welche keineAussicht auf vollständige Beseitigung darbietet.
25. Juni 1872: Die Beweglichkeit des Kniegelenks ist inhohem Grade beeinträchtigt. Das Gehen ist angeblich nur beietwas gebeugtem Unterschenkel, also hinkend, möglich. Diegute Entwickelung der Muskulatur zeugt aber davon, dass dasBein nicht geschont wird.
Dauernd ganzinvalide, dauernd theilweise erwerbsunfähig.
130. v. Seh., Hauptmann, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Knochenstreifschuss am linken Knie mit geringerKnochensplitterung, Eiutrittsöffnung etwas oberhalb des Köpf-chens des Wadenbeins, Austrittsöffnung neben dem innerenKnorren des Oberschenkels. Im gefensterten Gypsverbandnach Darmstadt zurückbefördert. Anfangs September Kniewenig geschwollen, Empfindlichkeit unbedeutend, doch fühlteman in dem massig reichlichen Eiter an der AusgangsöffnungKnochensand. v. Seh. selbst hielt die Wunde für sehr leicht.Behandlung mit Gypsverband, Karbolsäure und dauernde Eis-behandlung. Mitte September lebhaftes Fieber. Das Gelenk warmit dünnem Eiter gefüllt, Ober- und Unterschenkel geschwollen.Statt des Gypsverbandes wurde eine seitlich ausgeschnittene
Bonuet'sche Drahthose angelegt, ein Drain durch das obere Endedes Gelenks gezogen, und starke Karbollösung eingespritzt.Senkungen in die Kniekehle, in die Wade; Schwellung desOberschenkels. Anfangs Oktober sehr starke Schwellung desganzen Beines. Tod an Septicämie. (Vergl. Luecke, S. 62,No. 55.)
137. B., Soldat vom 1. Württembergischen Infanterie-Regiment (Königin Olga), verwundet am 18. November 1870:Gewehrschuss. Eintritt am äusseren Knorren des Schien-beins, Austritt am inneren Knorren des Oberschenkels;Bruch nicht nachzuweisen. Erguss ins Kniegelenk nahm all-mälig zu. Feststellung und Eisbeutel. Ende November Eiterungdes Gelenks. B. verweigerte die Resektion des Gelenks; aufsein Drängen und in Rücksicht auf die häufig werdende Pyämiewurde er im Gypsverband am 15. Dezember mittels eines Sanitäts-zuges zurückbefördert. B. starb im März 1871 im Reserve-lazareth Ludwigsburg.
Sektion: Rinnenschuss an den getroffenen Knorren.(Vergl. Stoll, S. 206.) .
138. E. Seh., vom 1. Hessischen Infanterie-Regiment No. 81,verwundet am 7. Oktober 1870 vor Metz: Gewehrschuss. DieKugel trat am äusseren Oberschenkelknorren des linkenKniegelenks ein und blieb stecken. Die Wunde selbst sah gut aus,die Umgebung derselben war wenig geröthet, massig geschwollen,nicht sehr empfindlich. Der Verwundete war zu Fuss vom Bahn-hof ins Lazareth gegangen. 10. Oktober: StärkereRöthung undSchwellung; in der Chloroformbetäubung fand man das Knie-gelenk geöffnet; es entleerte sich eine Menge Gelenkflüssigkeitmit gutem Eiter vermischt; Lagerung in Beiulade und dauerndeEisbehandlung. In den nächsten Tagen nahm die Geschwulst zu,die Eiterung wurde sehr reichlich und übelriechend. HeftigesFieber. Besserung bis zum 27. Oktober; von da ab Ruhr. Todam 31. Oktober.
Sektion: Im Dickdarm Zeichen der Ruhr; Gelenk vollEiter; Knorren des Oberschenkels gestreift. Die Kugelwurde nicht gefunden. (Vergl. 11. Fischer, S. 61, No. 41.)
139. A. Z., Grenadier vom 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment No. 109, verwundet am 30. Oktober 1870 bei Dijon:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk unterhalb der Knie-scheibe mit Eröffnung der Gelenkkapsel. Bald stellte sich sehrstarke Schwellung des Oberschenkels und reichliche Eiterungein, die durch grosse Einschnitte und Drainage behandelt wurden.16.November: Jauchung und Blutungen. 8. Dezember: Kräfte-verfall, Druckbrand. 11. Dezember: Tod.
Sektion: Keine Metastasen; Eröffnung des Gelenks zwi-schen dem Schienbein und dem äusseren Oberschenkelknorren;an den Gelenkflächen finden sich Furchen, welche dasstreifende Geschoss zurückgelassen hat.
140. C., vom 7. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 44,verwundet am 27. November 1870 vor Amiens: Gewehrschuss-kanal an der Aussenfläche des linken Schenkels, 4 cm oberhalbdes Kniescheibenrandes beginnend, ohne Ausgungsöffnuug. ImKriegslazareth Marcelcave Bildung tiefliegender Eiterherde.Tod an Septicämie.
Sektion: Jauchige Gelenkentzündung; rinnenförmigerSchusskanal von aussen oben nach vorn unten verlaufend,in dem eine Miniekugel steckt. (Vergl. Koch, Archiv für kli-nische Chirurgie, 1872, S. 513.)
141. A. B., Soldat vom Sächsischen 2. Grenadier-Regiment(Kaiser Wilhelm, König von Preussen) No. 101, aufgenommenam 7. September 1870 im Reservelazareth München. Schuss-kanal quer über der linken Kniebeuge, von aussen nachinnen; der Schenkelknochen, von der Kugel gestreift,