Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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Sektion: Kniescheibe z ersplittert, Gelenk voll Eiter;Kiter in den Blutadern des Unterschenkels, Keile in denLungen. (Vergl. Mayer, S. 81, No. 41.)
123. KL, vom 7. Ostpreussischen Infanterie - RegimentNo.44, verwundet am 27.November 1870 vorAmiens: Gewehr-schuss, vom oberen Rand der Kuiescheibe nach aussen verlaufend,mit Eröffnung des Gelenks. Im Kriegslazareth zu Marcelcave:Jauchige Gelenkentzündung, Bildung von Eiterherden. 19. De-zember: Tod an Septicämie.
Sektion: Oberer Rand der Kniescheibe gebrochen,Riunenschuss dicht über dem Knorpelüberzug vorn über derGrube zwischen den Knorren; im äusseren Knorren Sprungbis in den Schaft. (Vergl. Koch, im Archiv für klinischeChirurgie, 1872, S. 513.)
124. Deutscher C. K., verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss in das linke Kniegelenk. Gestorben imReservelazareth zu Heidelberg am 14. Oktober.
Sektion: Schusskanal durch die gebrochene Knie-scheibe; in der vorderen Wand des Oberschenkelknochens einegrosse Vertiefung bis in die Markhöhle, in welcher die platt ge-drückte Kugel liegt. Im Knochenkanal fest eingekeilte Bleisplitter.An der Innenseite des Schenkelknochens eine lange, tiefe Spalte,stellenweise durch neugebildete Kallusmassen vereinigt, ebensoan der vorderen Seite eine Spalte. Kniegelenk voll Eiter,Knorpel zerstört, Keile in den Lungen. In beiden BrustfellenEiter, Thrombose der linken Schenkelvene. (Vergl. Arnold,S. 129, No. 94.)
125. H. K, Musketier vom 8. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 57, verwundet am 28. November 1870: Gewehr-schussbruch der rechten Kniescheibe, mit Eröffnung desGelenks und Austritt von Gelenkflüssigkeit; Fleischschuss an derBrust. Am 29. November im Feldlazareth zu Puiseaux: Gyps-verband. 12. Dezember: Reichlicher gutartiger Eiter. 26. De-zember: Fieber, Bildung von Eiterherden, Drahthose; die Brust-wunde ist fast geheilt.
4. Januar 1871: Entfernung von Knochensplittern vonder Kniescheibe, Durchfälle, zunehmende Schwäche. 20. Januar:Tod an Pyämie.
126. H. II., Gefreiter vom Grenadier - Regiment KönigFriedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) No. 2, verwundet am1. Februar 1871 bei Pontarlier: Gewehrschuss durch das linkeKnie, mit Zerschmetterung der Kniescheibe. Im Feld-lazareth zu Pontarlier: Gypsverband. 21. Februar: Jauchung,Drahthose; es bildeten sich zahlreiche Eiterherde. 5. März:Ein Eiterherd hinter dem Schlundkopf brach von selbst durch;grosser Kräfteverfall. 11. März: Tod an Pyämie.
127. J. S., Soldat vom Bayerischen 1. Infanterie-Regiment(König), verwundet am 2. Dezember 1870: Gewehrschuss durchdie linke Kniescheibe mit Zerschmetterung derselben.Die vorgeschlagene Amputation von S. verweigert. Erst Gyps-verband, dann Lagerung in Drahthose; bald Verjauchung desganzen Beines. 27. Dezember: Tod an Pyämie.
C. Verletzungen des Oberschenkelknochens.1. Quetschung.
128. K., vom 1. Rheinischen Landwehr-Regiment No. 25, ver-wundet am 15. Januar 1871 bei Hericourt: Quetschung durchein Granatstückam rechten Knie. Am 25. Januar im Strass-burger Militär-Hospital aufgenommen. Das Knie war bedeutendgeschwollen und schmerzhaft; an der Innenseite erstrecktesich eine deutlich schwappende Geschwulst nach oben hin.
Durch Einschnitt wurde eine beträchtliche Menge ausgetretenen,übelriechenden Blutes entleert. Karbolverbaud, kleine Draht-hose, kräftige Kost, später Chinin. Ziemliches Wohlbefinden. Inder 3. Woche nach der Verletzung stellte sich plötzlich starkeVerjauchung ein, einzelne kleine Knochensplitter wurden mitdem jauchigen Eiter entleert; kleiner, jagender Puls, Irrereden,Durchfälle. Tod an Pyämie am 9. Februar.
Sektion: Grosse Jauchehöhlen in der Muskulatur desOber- und Unterschenkels, hier und da in Verbindung mit ein-zelnen kleinen, abgegrenzten Herden; vollständige Vereiterungdes Kniegelenks. Eröffnung der Kapsel an der Innenseiteund abgesprengte Knochenstücke am inneren Ober-Bohenkelknorren. (Vergl. Wahl, v. Langeubeck's ArchivS. 43.)
2. Streifungen.
129. D., vom 1. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 25,verwundet am 9. Januar 1871 bei Villersexel: Gewehrschussdurch die Vorderseite des linken Knies, quer durchgehend,mit oberflächlicher Splitterung des Oberschenkel-knochens; Gelenkverletzung zweifelhaft. Im ReservelazarethCottbus starke Anschwellung des Kniegelenks. Im Verlaufe derBehandlung entstand Druckbrand an der Ferse und ein tief-gehendes Geschwür auf dem Fussrücken. Im März gutes Allge-meinbefinden, fortschreitende Besserung. D. wurde geheilt.
130. E. R., Musketier vom 4. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 30, verwundet am 9. Dezember 1870: Gewehr-schuss durch das linke Knie. Eintrittsöffnung der Kugelan der Innenseite des Oberschenkels, 7 cm oberhalb des Gelenks,Verletzung des Oberschenkelknochens, Austrittsöffnungam äusseren Rande der Kniescheibe. Im Feldlazareth zu Raonl'Etape wurde Austritt von Gelenkflüssigkeit beobachtet. Am13. Dezember im Kriegslazareth Luneville: starke Eiterung,Entfernung von Knochensplittern, Gypsverband und Desinfektionmit Karbolsäure. 17. Dezember: Lagerung in einer Halbrinne.Am 9. Februar 1871 nur noch ganz geringe Eiterung. Zurück-befördert. R. wurde geheilt und konnte ziemlich gut gehen.
131. H. M., vom Niederrheinischen Füsilier-RegimentNo.39,verwundet am 6. August 1870: Gewehrschuss durch das linkeKniegelenk, von innen uuten neben der Kniescheibe nach hintenaussen verlaufend; Verletzung des unteren Endes desOberschenkelknochens. Am 23. August im ReservelazarethDüsseldorf: Ruhe und gestreckte Lagerung. 5. September:Grosser Eiterherd an der Aussenseite des Oberschenkels eröffnet.15. September: Lagerung auf Schiene, dauernde Berieselung.28. September: Eiterherd in der Wade eröffnet. 2. Oktober:Drainage; massenhafter Eiterabfluss. Nach 4 Monaten Heilung,einige Monate später massige Beweglichkeit. M. geht gut.(Vergl. Graf, Die Reservelazarethe in Düsseldorf, S. 68.)
132. G. Seh., vom Holsteinschen Infanterie-Regiment No. 85,verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren: Schuss in dielinke Kniekehle, mit Streifung des äusseren Oberschenkel-knorrens und Verletzung der Gelenkbänder. 13. August:Nach Erweiterung der Eingangsöffnung nach oben wurde ver-mittels der Sonde die Kugel vergeblich gesucht. Das Knie kannnur wenig und unter grossen Schmerzen gebeugt werden. Ge-fensterter Gypsverband. 15. August: Eitrige Gelenkentzündung.Ausstossung mehrerer Tuchfetzen. Am 13. Oktober entlassen;Wunde vernarbt, Knie steif. Im Januar 1871 bildete sich hinterder Narbe in Folge eines Falles ein grosser Eiterherd, welcheram 13. April von selbst durchbrach. Aus dem Grunde desselbenwurde die Kugel herausgezogen, welche sich stark am Knochen