Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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rauh gefunden; geringe Schwellung der Kniegegend; Streckungund Beugung in geringem Grade schmerzhait; gute Eiterung.Am 1. Oktober: anscheinend vollkommen geheilt und ausserBett. Am 10. Oktober: plötzlich Schmerz und Schwellung. Am16. Oktober: Entleerung von jauchigem Eiter. Am 27. Oktober :Amputation verweigert. 12. November: Tod an Septicämie.
Sektion: Kniegelenk verjaucht, Mark des Schenkelknochensentzündet, Eiterung und käsige Herde in den Lungen. (Vergl.Mayer, S. 76, No. 16.)
142. Ungenannter, verwundet am 19. September 1870:Granatsplitter. Fleischwunde am linken Oberschenkel und Er-öffnung des rechten Kniegelenks. Am linken Bein Verband mitKarbolölcharpie, um das rechte Knie gefensterter Gypsverbandund Eis. Es trat eitrige Kniegelenkentzündung auf, so dassder Gypsverband wegen Eitersenkungen am Ober- und Unter-schenkel entfernt werden musste. Am 10. Oktober Schüttelfrost.Tod an Pyiimie am 22. Oktober.
Sektion: Schussrinne am äusseren Knorren desrechten Oberschenkels: eitrige Metastasen. (Vergl. Kirch-ner, S. 65, No. 176.)
143. Ungenannter, verwundet am 19. Januar 1871:Rinnenschuss am inneren Knorren des rechten Oberschenkelsmit Eröffnung des Kniegelenks. Gefensterter Gypsverband,später Drahthose. Tod an Pyämie am 21. Februar.
Sektion: Jauchung der Wunde und Eiterung bis in dasobere Drittel des Oberschenkels. Der innere Knorren wardurch die Kugel gestreift; Kniegelenk vereitert; in derSchenkelblutader fand sich ein frischer Thrombus. Eiterherdein den Lungen; nietastatische Brustfellentzündung. (Vergl.Kirchner, S. 61, No. 181.)
3. Kugeleinkeilungen.
144. A. W., Major, verwundet am 3. Dezember 1870 beiOrleans am linken Kniegelenk. Eingangsöffnung auf deminneren Oberschenkelkn orren, zwischen der Mitte desselbenund dem vorderen Knorpelrand. Kugel soll stecken. EndeFebruar 1871 Heilung unter dem Gebrauch der Bäder vonWiesbaden, so dass W. den Feldzug noch weiter mitmachen konnte.
2. April 1872: Wallnussgrosse blaurothe, feste Einschuss-narbe mit den unterliegenden Weichtheilen und dem Knochenverwachsen. Wiederholter Versuch, die Narbe' zu verschieben,ruft Schmerzen hervor, die in den ganzen Schenkel ausstrahlen.Der linke Oberschenkel ist über 3 cm, der Unterschenkel fast4 cm dünner als der rechte. Die Kniegelenke haben gleichenUmfang. Schon nach kurzem Stehen treten zitternde Bewe-gungen in der Muskulatur des linken Beines auf. Die Narben-Verwachsungen hindern namentlich die Beugung des Kniegelenksund machen dieselbe schmerzhaft, während das Gehen mit völliggestrecktem Knie zwar beschwerlich, aber nicht schmerzhaft ist.Reiten wird schlecht ertragen, da die Narbe dabei den grösstenDruck auszuhalten hat. Später Anwendung von Sool- und See-bädern. Die Schmerzen in der Narbe und Schwächegefühl desBeines nahmen indess nicht ab, vielmehr trat sogar entzündlicheAnschwellung des linken Kniegelenks ein, darauf Entzündungder Lymphgefässe an der inneren Seite des Oberschenkels undSchwellung der Leistendrüsen; endlich brach die Wundewieder auf. Ob Fremdkörper oder Knochenstücke ausgestossenworden, lässt sich nachträglich nicht feststellen. Im Sommer1872 wieder Gebrauch der Bäder in Wiesbaden und Soolbäderin Rothenfelde, allein trotzdem brach die Narbe zweimal wiederauf. Alljährlich Gebrauch von Bädern. 1876 in Wiesbaden wegenAnschwellung und Schmerzhaftigkeit des Knies. Dienstunfähig.
Saaitäts-BericM über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. TUeil.
145. J. T., Musketier vom 4. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 17, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour: Gewehrschuss in das linke Kniegelenk, eingetreten an derInnenseite neben der Kniescheibe. Die Kugel steckte. Am18. März 1871 geheilt. Die inneren Knorren des Ober-schenkels und des Schienbeins sind verdickt; Steifheitdes Gelenks.
140. P., Lieutenant, verwundet am 16. August 1870: Gewehr-schuss ins rechte Knie. Eingangsöffnung am inneren oberenWinkel der Kniescheibe. Ausgangsöffnung fehlt. P. kam am27. August in Gypsverband in Berlin an. Die Wunde schlosssich im September unter geringer Eiterung bei Gypsverband undEisbehandlung; am inneren Rande des inneren Knorrensdes Oberschenkels eine harte Anschwellung, wahrscheinlichdie eingekeilte Kugel. Anfang Februar Entlassung. Beweg-lichkeit bis ungefähr zur Hälfte beschränkt; Gehversuche schonseit einiger Zeit. Laut Attest ist Steifheit des Gelenks zurück-geblieben, so dass das Gehen nur mit Hilfe eines Stockes möglichist. Am 31. Januar 1871 dauernd ganzinvalide. (Vergl. Golt-dämm er, Bericht über das Reservelazareth zu Moabit. Berlinerklinische Wochenschrift 1871, S. 139.)
147. G. K. vom 3. Brandenburgischen Infanterie-RegimentNo. 20, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Ankunft im Lazareth Ottweiler am 20. August. Einschuss3Vi cm über dem inneren Oberschenkelknorren. DerSchusskanal lief nach hinten aussen und unten; die Kugelwar nicht zu fühlen. Ausserdem Fleischschuss am rechten Ober-schenkel. Gefensterter Gypsverband wurde nicht ertragen. Am25. August Beinlade. Am 26. und 28. August starke Blutung,die durch Ausstopfen zum Stehen kam; Gelenkschwellung. Am18. Oktober geheilt. Gelenk steif, schmerzfrei, noch immer ge-schwollen. Die Kugel wurde nicht gefunden. (Vergl. H.Fischer,Erfahrungen, S. 167, No. 238.)
148. Ungenannter, erhielt am 30. September 1870 einenSchuss in den rechten Oberschenkel, 2'/»cm über dem Knie-gelenk bei knieender Stellung. Eine Ausgangsöffnung fehlte,doch war die Kugel nicht zu entdecken. Kniegelenk massigschmerzhaft, wenig geschwollen. Drahthose. Eis. Unter zu-nehmender Schwellung des Schenkels und Gelenks mit reich-licher Eiterung trat am 18. Oktober der Tod an Pyämie ein.
Sektion: Kugel im äusseren Knorren ohne Splitte-ruug, Knochenmarkentzündung, Eiter im Gelenk. InnereMetastasen. (Vergl. Kirchner, S. 66, No. 182.)
4. Brüche.
149. N., Major, verwundet am 19. Januar 1871 amMont Valerien: Gewehrschuss. Eingang dicht über der rechtenKniescheibe, Ausgang am äusseren Oberschenkelknorren.Nach allmäliger Lösung eines Kugelstückes und mehrererKnochensplitter, von denen das letzte noch Anfang 1875ausgestossen wurde, trat Heilung ein. Anwendung des kon-stanten Stromes, sowie der Bäder von Teplitz, Rehme und Wies-baden. Die Schuss- und vier Fistelnarben sind sämmtlich mitdem unterliegenden Knochen verwachsen.
20. Juni 1875: Das rechte Bein ist um 10 cm kürzer alsdas linke, so dass der rechte Fuss nur bei starker Streckungund mit Hilfe einer Beckensenkung die Erde erreicht. DasKniegelenk ist bis auf eine ganz geringe Spur von Beweg-lichkeit steif. Das Fussgelenk ist um 1 cm verdickt und theil-weise steif geworden. Die Muskulatur des Beines ist trotzAnwendung der Elektrizität um 1 cm geringer geworden,während das Kniegelenk um 2 cm an Umfang gewonnen-hat.
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