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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

BandHI. Spez. Theil.

lauwarmem, karbolisirtem Wasser; Drainage. Die anfangs be-schlossene Amputation unterblieb. Später Schüttelfröste undgrosse Erschöpfung. Ende Dezember Gehen an zwei Krückenmöglich.

7. Februar 1871: F. ging geheilt mit Stock zum Bahnhof.Vollständige Steifheit. Mitte Mai 1871 : Völlige Gelenksteifheit,bedeutende Kallusmassen um dasselbe, zahlreiche verwachseneEinschnittnarben, Ganzinvalide, gänzlich erwerbsunfähig. (Vergl.Heyfelder, S. 55; Berthold, 's. 564, No.7.)

111. G. M., Jäger vom Brandenburgischen Jäger-BataillonNo. 8, verwundet am 17. Oktober 1870 vor Metz: Gewehrschussmit Zerschmetterung der reehtenKniescheibe. Kam am23. Oktober im Keservelazareth Dürkheim im (iypsverband an,der wegen der grossen Schmerzen sofort entfernt werden musste.Eiterung im Gelenk, Entfernung vieler Knochensplitter der Knie-scheibe. 7. April 1871: Dauernd ganzinvalide und gänzlicherwerbsunfähig. 17. April: Entlassen mit steifem Kniegelenk.(Vergl. Hein sei, S. 318.)

112. M., Musketier vom Braunschweigischen Infanterie-Regiment No. 92, verwundet am 7. Januar 1871 bei Vendöme:Gewehrschuss mit Zerschmetterung der rechten Knie-scheibe und Verletzung des Gelenks. Heilung. Gelenk steifund aufgetrieben, Narbenverwachsungen. Ganzinvalide, gänzlicherwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S. 565, No. 11.)

113. B., Füsilier vom Ostfriesischen Infanterie-RegimentNo. 78, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Ge-wehrschuss durch das linke Kniegelenk. Eingang vorn, mittenauf der zerschmetterten Kniescheibe; Ausgang mitten inder Kniekehle. Anfang Juni 1871 Heilung mit völliger Steifheit,Unterschenkel und Fuss noch sehr geschwollen. Ganzinvalide,gänzlich erwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S. 565, No. 10.)

114. P. R., 2. Zouaven-Regiment, verwundet am 6. August1870: Loehschuss mitten durch die linke Kniescheibe,keine Splitterung derselben. Ausgang am inneren Randder Kniekehle. Ins Feldlazareth aufgenommen am 8. August.Gypsverband. 5. Oktober: Abnahme des Verbandes; Pappverband.Heilung ohne jegliche Störung. Das Gelenk war niemals an-geschwollen noch erheblich schmerzhaft; kein Fieber. Eingangs-und Ausgangswunde heilten ohne starke Eiterung unter demSchorf. 5. Oktober: Gelenk auf Druck schmerzlos, Kniescheibeauf den Knorren festgewachsen, Bewegung im Gelenk nur soweitmöglich, als es die Dehnbarkeit der Sehne des vierköpfigenMuskels und des Scheibenbandes erlaubt. 2. November: R. gehtim Pappverband an 2 Stöcken. Am 9. Dezember entlassen.(Vergl. Lossen II, S. 132, No. 4.)

115. F. R., vom "Westfälischen Füsilier-Regiment No. 37, ver-wundet am 4. August 1870 bei Saarbrücken: Gewehrschuss. DieKugel ging hinter der Kniescheibe quer durch das Gelenk, ohneden Knochen wesentlich zu zerschmettern. Schon in den erstenTagen war der Puls sehr beschleunigt; zwei Schüttelfröste ver-anlassten den Vorschlag der Amputation, welche aber beharrlichverweigert wurde. Am 10. August Gypsverband, worauf sich derZustand etwas besserte; Klystiere und Rizinusöl. Am 19. Augustmusste wegen Eitersenkung der Verband entfernt werden; durcheinen Querschnitt unterhalb der Kniescheibe wurde das Gelenkder ganzen Breite nach blossgelegt, und von dem Scheibenbandebloss ein 2 x /i cm breiter Streifen erhalten. Neuer Gypsverband inSchwebe, offene Behandlung. Darauf besserte sich der Zustandetwas, das Fieber nahm ab, die Wunden granulirten gut. Am27. und 29. August stellten sich Schüttelfröste ein; Vereiterungder linken Ohrspeicheldrüse. Am 29. August wurden abermalsgrosse Einschnitte nöthig, Gypsverband erneuert, leichter Druck-brand. 17. September 1870: Tod. (Vergl. Czerny, S. 62,No. 85.)

116. M., Musketier vom 7. Pommerschen Infanterie-Regi-ment No. 54, verwundet am 28. Januar 1871: Gewehrschuss-verletzung mit Eintrittsöffnung an der Spitze der Kniescheibe,von deren innerem Rande ein Stück abgesprengt ist.Austrittsöffnung an der inneren Seite des Kniegelenks. Starbim Feldlazareth am 12. März 1871 an Entkräftung. (Vergl.IV. Band dieses Berichtes, S. 119, No. XI. A. 22.)

117. A. K., Grenadier vom Colbergschen Grenadicr-B.egi-ment (2. Pommersches) No. 9, verwundet am 1. Februar 1871bei Pontarlier: Gewehrschuss durch die rechte Knie-scheibe zur Aussenseite des Gelenks. Im Laufe derBehandlung Gypsverbände. Starke Eiterung, Eitersenkungen,allmäliger Kräfteverfall. Am 15. März 1871: Tod an Pyämie.

118. Fl. V., Gefreiter vom Königs-Grenadier-Regiment.(2. Westpreussisches) No. 7, verwundet am 30. September 1870:Gewehrschuss durch die Mitte der Kniescheibe zur Knie-kehle. Im Feldlazareth zu Versailles schon nach dem 2. Tage sehrstarke Anschwellung des Oberschenkels, daher die beabsichtigteAmputation unmöglich; starke Eiterung, mehrmalige Eröffnungvon Eiterherden, rasche Erschöpfung. 27. Oktober: Tod anPyämie.

119. J. B., Grenadier vom 3. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss durch das rechteKniegelenk, mit Bruch der Kniescheibe. Im Feldlazarethzu Ste. Marie aux chenes Karbolsäureverband. Starke Eiterungund Bildung mehrerer Eiterherde, welche geöffnet wurden.B. Hess die ihm vorgeschlagene sekundäre Amputation amOberschenkel nicht zu. 11. September: Tod an Pyämie.

120. C. H., Kanonier vom Hessischen Feld-Artillerie-Regiment No. 11, verwundet am 17. November 1870 durch einGranatsprengstück an der rechten Kniescheibe, welche voninnen oben nach aussen unten gebrochen ist. Zuerst An-legung eines Gypsverbandes, welcher aber durch Druck Brand-blasen erzeugt. Am 20. November wurde bei Eröffnung des Gelenksein Stück der Kniescheibe, welches lose in der Wunde lag, ent-fernt; Schwellung des Oberschenkels. Die Amputation unterbliebaus Besorgniss vor dem schlechten Erfolge der intermediärenOperation; Lagerung in Drahthose, Eisblase, Karbolsäureverband.23. November: Stärkere Schwellung. Um dem Eiter freienAbfluss zu schaffen, werden lange seitliche Einschnitte in dasGelenk gemacht; Einlegung von Drainröhren. 26. November:Stets zunehmende Schwellung, Gelbsucht, Schüttelfröste. Todin Folge von Pyämie am 1. Dezember.

121. D. B., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss in das rechte Kniegelenk. Eingangs-öffnung auf der Mitte der durchbohrten Kniescheibe,Ausgangsöffnung fehlt. Am 17. August im Feldlazareth zu Mars laTour starke Entzündung des Kniegelenks; Pappschienenverband,Kälte. 22. August: Starke Eiterung, Verband m ; tKarbolsäure-lösung, Bleiwasserumschläge. 27. August: Gypsverband.5. September: Ziemlich gutes Befinden, welches sich aber baldverschlechterte. Am 1. Oktober starb B. an Pyämie.

122. A. P., Musketier vom l.Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 46: Gewehrschuss. Eingang oberhalb der Knie-scheibe, Kugel steckt. P. kam am 12. August 1870 in dasReservelazareth zu München. Anfangs Wohlbefinden. 18. August:Beginnende Gelenkentzündung. Ende August: Fieber; Eiter-herde durch Einschnitt entleert. Am 2. September fiel beimReinigen eines Einschnittes in die Kniekehle die Kugel heraus.Drainage, Schüttelfröste; Verweigerung der Amputation. 23. Sep-tember: Tod an Pyämie.