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Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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möglich; kann ohne Verband gut gehen. (Vergl. Lossen,II. Band, S. 134, No. 11.)
101. Ungenannter, verwundet am 21. Oktober 1870. DieKniescheibe war gestreift und das Gelenk geöffnet.Die Wunde hatte eine Länge von 7 cm. Amputation sowohlanfangs, als später verweigert. Abwechselnd gefensterter Gyps-verband und Drahthose mit dauernder Eisanwendung. Es trateitrige Gelenkentzündung ein, in Folge deren, zum Abfluss desEiters, seitliehe Einschnitte gemacht wurden; nach 3 Monatenhörte die Eiterung fast ganz auf. Mitte Februar Heilung. Be-weglichkeit des Gelenks zum Theil erhalten. (Vergl. Kirchner,S. 66, No. 183.)
2. Brüche.
102. A. B., Füsilier vom 1. Magdeburgischen Infanterie-Regiment No. 26, verwundet am SO. August 1870: Gewehr-sohuss durch das linke Knie. Eingang auf der Kniescheibe.Ausgang in der Kniekehle. Geheilt bis 29. November mitunvollkommener Steifheit.
103. M. P., Musketier vom 3. Posenschen Infanterie-Regiment No. 58, verwundet am 19. Januar 1871 bei St. Cloud:Granatsplitterwunde am linken Knie, mit Verletzung derKniescheibe. Der Splitter drang dicht über dem äusserenKnorren des Oberschenkels ein und nach Bruch der Kniescheibeunten aus. Heilung am 19. April. Die Kniescheibe ist durchbandartige Massen vereinigt, die Streckung des Beins behindertund schmerzhaft, Gehen nur mit Stock möglich.
104. F. N., Musketier vom 6. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 68, verwundet am 3. Januar 1871 beiBapaume:Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk von der Mitte dergebrochenen Kniescheibe zur Aussenseite. Erst Gyps-verband, später Anlegung von Schienenverbänden. 16. Juni:Geheilt mit steifem Gelenk; N. kann mit gestrecktem Knie gutgehen.
105. A. S., Grenadier vom 2. Schlesischen Grenadier-Regiment No. 11, verwundet am 16. August 1870 bei Gorze:Gewehrschuss in die rechte Kniescheibe, wodurch dieselbezum Theil zersplittert wurde. Ausgang der Kugel am innerenKnorren. Ende März 1871 geheilt entlassen; die Narben warenverwachsen, es bestand vollkommene Steifheit des Gelenks.
106. M. R., Musketier vom Ostfriesischen Infanterie-Regi-ment No. 78, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour:Gewehrschuss in das rechte Knie. Das Geschoss drang aussenund hinten auf der Sehne des zweiköpfigen Muskels ein, liefum das Gelenk und trat vorn auf der Kniescheibe, derenRand splitternd, aus. Geheilt. Gelenk geschwollen, wenig-beweglich, Streckung behindert. Zeitig grösstentheils erwerbs-t;rjfHt%. (Vergl. Berthold, S. 566, No. 17.)
107. C. M., vom Hohenzollernschen Füsilier - RegimentNo. 40, verwundet am 6. August 1870: Gewehrschussbruchder Kniescheibe. Starke Schwellung des Gelenks. Am22. August im Reservelazareth Düsseldorf: Gypsverband undEis. Geheilt. (Vergl. Graf, S. 67.)
108. V. R., Oberjäger vom Sächsischen 1. Jäger-BataillonNo. 12, verwundet am 18. August 1870: Schussbruch derrechten Kniescheibe, Verletzung des Kniegelenks; die Kugelwurde nicht herausgezogen. Kam am 15. Oktober ins Reserve-lazareth Schwetzingen: sehr starke Abmagerung, hohes Abend-fieber, Schweisse. Auf der Vorderfläche des Oberschenkels be-fand sich ein grosser, mit dem Gelenk in Verbindung stehenderEiterherd, der eröffnet und drainirt wurde. Im Januar 1871
schlössen sich die Wunden; Wasserglasverband. Ende März inBaden: Kniegelenk abgeschwollen, zeigte einige Beweglichkeit,Gehen mit Krücken schmerzlos und ohne Anstrengung.
1873: Oberschenkel stark abgemagert, Knie aufgetrieben.Die einzelnen Stücke der übrigens vollkommen festgewachsenenKniescheibe sind nicht vereinigt. Im Kniegelenk ist geringeBeweglichkeit vorhanden, aber wegen grosser Schraerzhaftigkeitsetzt der Mann den Fuss nicht auf, sondern geht nur mit derKrücke. Dauernd ganzinvalide, erwerbsunfähig, einfach ver-stümmelt. (Vergl. Schinzinger.S. 78; Evers, S. 382, No. 80.)
100. Cl. C, Lieutenant, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Gewehrschuss. Eingang auf der Mitte der linkenKniescheibe, Ausgang 4 cm davon entfernt auf der Vorderflüchedes inneren Schenkelknorrens. Die Kniescheibe war zer-schmettert, es trat heftige Entzündung mit lOtägiger Ent-leerang von Gelenkflüssigkeit ein. Heilung der Wunden imApril 1871, dann Gebrauch einer längeren Badekur in Oeyn-hausen. Auf der Kniescheibe, in der Nähe des inneren Randes,fühlt man eine Furche von oben nach unten.
26. August 1871 : Das Gelenk ist fast vollkommen steif inFolge von Auftreibung der Gelenkenden der Knochen und vonVerwachsungen, es besteht Schwäche und Abnahme der Musku-latur des Beines; Gehen ist ohne Stützmaschine unmöglich, derZustand daher dem Verluste des Gliedes gleich zu achten, jedochkann nach dem Atteste Besserung erwartet werden, da der Ver-wundete erst 23 Jahr alt ist, während die Brauchbarkeit zumMilitärdienst für immer ausgeschlossen bleibt.
26. Dezember 1873: Zustand unverändert, nur die Musku-latur ist noch mehr geschwunden. Beide Schussnarben sind mitden untergelegenen Theilen verwachsen, so dass sie sich schonbei geringer Bewegung des Knies etwas spannen. Der innereSchenkelknorren ist massig verdickt, das Gelenk selbst nichtgeschwollen, die Scheibe beweglich. Der Umfang in der Mittedes Oberschenkels beträgt rechts 43cm, links 36cm; in derHöhe von 6 cm über der Kniescheibe rechts 35 cm, links 30'/a cm.Vorzugsweise hat der grosse innere Streckmuskel gelitten. DasKnie wird gewöhnlich in einer geringen Beugestellung gehalten,kann jedoch aktiv vollständig gestreckt und aus der gestrecktenStellung etwa 40 ° gebeugt werden. Bei der Streckung trittdie Sehne des vierköpfigen Unterschenkelstreckers über derKniescheibe mehr als am rechten Beine hervor. Die Be-wegungen des linken Hüft- und Fussgelenks sind vollkommenfrei. Zum Gehen ist ein Apparat erforderlich, der dem linkenKnie einen Schutz gegen übermässige und plötzliche Beugunggewährt, die Last des Körpers jedoch nur theilweise zu tragenvermag, da er um den Oberschenkel nur bis etwa über dessenMitte festgeschnallt wird und weiter nach oben keinen festenStützpunkt findet. Mit diesem Apparate kann der Krankeziemlich weite Spaziergänge machen. Ohne denselben und ohnesonstige Stütze ist er nur im Stande, einige Schritte in derStube zu gehen. Die Störung der aktiven Bewegungsfähigkeitdes linken Beines ist nicht mehr dem Verluste dieses Gliedesgleich zu achten.
110. F., Gefreiter vom 3. Westfälischen Infanterie-RegimentNo. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk. Eingang in der Knie-kehle, Bruch der Kniescheibe. Die Kugel, welche zwischen denBruchstücken abgeplattet liegen geblieben war, wurde anfangsfür ein Bruchstück des Knochens gehalten, Ende August jedochin Neuwied herausgeschnitten. Eitersenkung; 16 Einschnitte.Mehrmals entstanden dabei heftige Blutungen, die einmal durchPinghawar Djambi, ein andermal durch starke Karbolsäure ge-stillt wurden. Gypsverband nicht vertragen; Schienen undSchwebe. Zweimal täglich Verbandwechsel und Ausspritzen mit