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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

B. Verletzungen der Kniescheibe.

1. Quetschungen und Streifungen.

Ol. v. H., Major, erlitt am 26. August 1870 beiNoissevilledurch eine Gewehrkugel eine Quetschung des linken Kniesin derGegend derScheibe. Heilung mit beschränkter Beweg-lichkeit des Kniegelenks; hin und wieder traten Schmerzen auf.

Im März 1876 war die Beweglichkeit des Gelenks, besondersdie Beugung des Unterschenkels, behindert, so dass beim Herab-steigen der Treppe das linke Knie gestreckt werden musste.Die Gegend der Kniescheibe war auf Druck empfindlich, derUmfang beider Kniee ziemlich gleich, v. H. wurde wegen be-hinderter Gebrauchsfähigkeit des linken Kniegelenks, in FolgeVerdickung der gemeinsamen Strecksehne, des sehnigen Ueber-zugs der Kniescheibe und des Kniescheibenbandes, für dauerndunfähig zum Feld- und Garnisondienst erklärt.

92. K. B., vom Hessischen Füsilier-Regiment No. 80,verwundet am 4. August 1870 durch eine matte Kugel an derrechtenKniescheibe. Erguss im Gelenk. Zurückbefördertam 26. August nach Cassel. (Vergl. Czerny, S. 57, No. 40.)

93. M. R., Grenadier vom 2. Badischen Grenadier-Regi-ment Kaiser Wilhelm No. 110, verwundet am 11. Oktober 1870Gewehrschuss. Die Kugel trat am äusseren Rande der linkenKniescheibe ein und an der äusseren Seite des Oberschenkelsaus; sie streifte die Kniescheibe sowie die äusseren Kapsel-bänder und durchbohrte die Sehne des halbsehnigen Kniebeugers.Heilung.

28. April 1871: Theilweise Verkürzung des getroffenenMuskels und Unmöglichkeit, das Knie vollständig zu strecken.

Die Schussnarbe ist angeblich öfters aufgebrochen und zuletztvon Dezember 1886 bis Februar 1887 offen gewesen; zugleichsollen hin und wieder, von der Wunde ausgehend, epileptiformeAnfälle mit Verlust des Bewusstseins auftreten. Während einesLazarethaufenthalts in Mannheim (13. bis 29. Juli 1887) wurdenkrampfartige Erscheinungen irgend welcher Art nicht beobachtet,auch giebt R. selbst an, während dieser Zeit nichts derartigesbemerkt zu haben. 30. Juli: Die Narben am linken Kniegelenksind vollständig fest und auf Druck nicht schmerzhaft; ihrAussehen lässt darauf schliessen, dass die Heilung der voraus-gegangenen Fistelöffnungen bereits längere Zeit vor der Lazareth-aufnahme eingetreten sein muss. Das Knie steht in leichterBeugestellung von 160 ° fest, das Bein erscheint demgemässverkürzt. Der Gang ist hinkend. Aktiv kann das Knie nichtvollständig gestreckt werden, passiv gelingt die Streckungvollkommen, wenn auch angeblich nur unter Schmerzen, unterWahrnehmung eines knirschenden Geräusches im Gelenk. DerUmfang des linken Beines ist an allen Stellen durchschnittlichum 2 cm geringer als rechts, nur das linke Kniegelenk zeigteine Dickenzunahme von 1 cm im Vergleich mit dem gesunden.Der Gang ist verhältnissmässig gut. Dauernd grösstentheilserwerbsunfähig. (Vergl. v. Beck, S. 607, No. 3.)

94. H. K., Musketier vom 2. Hannoverschen Infanterie-Regiment No. 77, verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschuss. Eingangsöffnung an der Innenseite am un-teren Rande der Kniescheibe, Ausgangsöffnung an derAussenseite. Im Gypsverband aus dem Feldlazareth zu Remillyin das Reservelazareth zu Berlin übergeführt. 14. Oktober:Splitter der Kniescheibe herausgezogen. Am 27. Februar1871: Geheilt. Das Kniegelenk ist steif.

95. J. Ch., Füsilier vom 3. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 4, verwundet am 18. Januar 1871 bei St. Quentin:Gewehrschuss durch das linke Knie, vom inneren oberen Rande

der Kniescheibe nach hinten aussen oben verlaufend. MehrfacheSplitter der Scheibe entfernt, Gypsverband. 9. März, imReservelazareth zu Bonn: Geringe Entzündung des Ge-lenks, allmälige Heilung. 8. Juni: Geheilt. Das Knie ist ingestreckter Haltung steif, f'h. geht mit Hilfe eines Stockes.

9G. C. L., Gefreiter vom Brandenburgischen Husaren-Regiment (Zieten'sche Hus.) No. 3, verwundet am 16. August 1870I bei Mars la Tour: Streifschuss au das rechte Knie, mit Ver-\ letzung der Kniescheibe und Gelenkkapsel. Heilungbis Januar 1871. Es blieb eine Knochenvertiefung an derKniescheibe, Verdickung der Gelenkkapsel und Steifheit des| rechten Kniegelenks zurück, so dass der Unterschenkel nursehr wenig gebeugt werden kann.

97. F., Kanonier vom Bayerischen 2. Artillerie-Regiment,verwundet am S.Dezember 1870 beiBeaugency: Gewehrschuss.Die Kugel trat an der äusseren oberen Ecke der linken Knie-scheibe ein, bildete in dieser eine ziemlich tiefe, von aussenoben nach innen unten verlaufende Rinne und wurde am

I unteren Rande herausgeschnitten. Sie war an der Spitze schrägabgeflacht; die Kniescheibe war nicht vollkommen getrennt, dasKnie stark geschwollen. Gestreckte Lagerung in Schienenverband

I und Eisblase. Die Wunden heilten ziemlich rasch, auf derKniescheibe massige Knochenauftreibung; das Gelenk konnte

! ohne erhebliche Beschwerden bis zum Winkel von 120° gebeugtwerden.

98. V., Sekondlieutenant, verwundet durch Gewehr-i schuss in vorgebeugter Stellung, konnte noch etwa 1 Minutei stehen. Eingang oberhalb der Kniescheibe vor dem äusseren

Schenkelknorren. Ausgang au der Innenseite. Die Kugel warquer unter der Sehne des vierköpfigen Streckers durch dieobere Ausbuchtung des Gelenksackes gegangen und hatte denSchenkelknochen sowie den oberen Rand der Scheibegestreift und durchfurcht. Im Schusskanal fühlte manKnochenmehl. Drahthose, dauernde Anwendung von Eis, in der6. Woche Gypsverband; Eitersenkungen machten mehrere Ein-schnitte nöthig, viel übelriechender Eiter; Drainage. NachI 8 Wochen wurde F. nach Karlsruhe übergeführt und kam in dieHeilstation Baden.

Nach 1 Jahre bestand noch eine Fistel und Anschwellung desinneren Knorrens. Unterschied des Umfanges der Kniee 2'/2Cin,die Scheibe ist etwas nach oben gewichen und sitzt fest. Geringepassive Beweglichkeit des Gelenks, aktiv keine Bewegung; V.geht an der Krücke und tritt mit der ganzen Sohle auf. All-gemeinbefinden sehr gut. (Vergl. v. Beck, S. 611, No. 1.)

99. L., Schütze vom Sächsischen Schützen- (Füsilier-)Regiment No. 108, verwundet am 2. Dezember 1870: Gewehr-schuss, der nach Verletzung der Kniescheibe das rechteKniegelenk durchsetzte. Geheilt, mit Auftreibung undSteifheit des Gelenks in Streckung. (Vergl. Evers, S. 382,No. 79.)

100. J. B., vom Bayerischen 13. Infanterie-Regiment (KaiserFranz Joseph von Oesterreich), verwundet am 30. August 1870:Gewehrschuss, an der äusseren Seite des Scheibenbandes ein-tretend. Die Kugel lief wahrscheinlich uiuer der Kniescheibe herund wurde 1 cm oberhalb des oberen Randes der Kniescheibean der Innenseite herausgeschnitten; ebendaselbst wurdenkleine Splitter der Knies cheibe entfernt. Kam am 17. Sep-tember im Reservelazareth Mannheim ohne Verband an; dortanfangs Gypsverband, dann Lagerung auf Schiene, später Papp-verband. Am 16. Oktober Wunden verheilt. Am 9. Dezembernach Heidelberg übergeführt.

Am 10. April 1871 nach Vornahme passiver Bewegungenwährend der letzten 3 Monate aktive Beugung bis zu 90

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