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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Seite
783
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Band III. Spez. Theil.

VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.

besteht kein Unterschied des Umfanges zwischen beiden Beinen,weder am Kniegelenk, noch an der Muskulatur des Ober- undUnterschenkels.

27. K., Sekondlieutenant der Reserve, verwundet ana14. August 1870 bei Courcelles-Chaussy: Gewehrschuss. DieKugel drang im Knie oberhalb der rechten Kniebeuge ein undan der Innenfläche des Kniegelenks, etwa G cm von der Knie-scheibe entfernt, aus. Geheilt Ende November. K. konnte An-fang 1871 leichten Dienst, als Platzmajor, versehen.

Am 16. Juni 1871 trat K. in die Front zurück. Nach kurzerZeit stellte sich Anschwellung des Kniegelenks und bei der ge-ringsten Anstrengung Druckgefühl hinter der Kniescheibe ein,welches sich nach und nach zu heiligen Schmerzen steigerte.Dabei trat ein kribbelndes Gefühl im ganzen Beine, sowie Muskel-zuckungen ein, welche mehrere Stunden lang anhielten. DieseInner vationsstörungen beruhten laut Attest auf der stattgehabtenNervenverletzung, da, nach dem Schusskanal zu urtheilen, derSchienbeinnerv selbst, oder Aeste desselben verletzt waren.Ausserdem bestand nervöse Aufgeregtheit. Bei einem neuenVersuch, in der Front Dienst zu thun, traten dieselben Be-schwerden wie früher auf. Das Kniegelenk schwoll bedeutendan, und auch nach längerer Ruhe war der Umfang desselben iuFolge der eingetretenen dauernden Entzündung 1 '/i cm grösser,als der des linken Gelenks. Ferner hatten Verwachsungen derSchussnarben mit der unterliegenden Muskelhaut stattgefunden.Zeitig ganzinvalide.

28. F. L., Lieutenant, verwundet am 6. August 1870 beiSpicheren: Gewehrschuss. Eingang am äusseren Schenkelknorrenzwischen Knochen und Sehne des zweiköpfigen Muskels. Aus-gang an der inneren Seite des Gelenks.

Am 10. Dezember 1875: Ein- und Ausgangsnarbe hemmendie Bewegung des rechten Knies. Dasselbe kann ein weniggebeugt, aber nicht ganz gestreckt oder durchgedrückt werden.Ausserdem besteht seit der Verwundung nach jeder geringenAnstrengung grosse Schmerzhaftigkeit und lähmungsartigeSchwäche im Bereiche des Wadenbeinnerven. Da L. die Manöver-anstrengungen nicht ertragen konnte, wurde er als dienstunfähigerklärt.

29. J. C., Füsilier vom 7. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 44, verwundet am 1. September 1870 bei Noisseville:Gewehrschuss. Eingang an der inneren Seite der Kniebeuge.Ausgang in der Gegend des inneren Schenkelknorrens. Knochen-verletzung nicht nachweisbar; spärlicher Austritt von Gelenk-llüssigkeit. Im Lazareth zu Forbach massige Entzündung;Lagerung in einem llalbkanal, Eisblase. Am 20. September 1870:Wunden unter Schorf geschlossen, Kniescheibe tanzt noch. Am30. September 1870: Seit einigen Tagen Fieber, Kniegeleukdurch Wiederaufbruch der Wunden eröffnet und Entleerung

rfnec^rossen Menge stinkenden Eiters. Ruhige Lage, fleissigeReinigung. Die Eiterung Hess allmälig nach und das Allgemein-befinden besserte sich. Ende Februar wurde C. geheilt mitSteifheit des Gelenks entlassen. (Vergl. II. Fischer, S. 202,No. 331.)

30. M., verwundet am 1. September 1870 bei Noisseville:Einfache Eröffnung des Kniegelenks durch Gewehrschuss, welchervom Köpfchen des Wadenbeins bis oberhalb des innern Knorren desOberschenkels verlief. Austritt von Gelenkflüssigkeit, Lagerungin einer Lade. Lister'scher Verband im Reservelazareth Neun-kirchen. Heilung ohne Störung. Ende Oktober konnte das Knieschon rechtwinklig gebeugt werden, der Erguss im Kniegelenkwar verschwunden. Das Gelenk wurde wieder brauchbar.(Vergl. H.Fischer, S. 202, No. 330.)

31. W. R., Husar vom Brandenburgischen Husaren-Regiment(Zieten'sche Hus.) No. 3, verwundet am IC. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss an die innere Seite des rechten Kniesin der Gelenklinie; Kugel wahrscheinlich im Gelenk, Kuochen-bruch nicht nachweisbar.

Im Januar 1871: Wunden geheilt; Kniegelenk im Winkelvon 160 ° steif, der Unterschenkel nach aussen gedreht,der Fuss berührt den Boden nur mit den Zehen, die Fersebleibt 5 cm vom Boden entfernt.

32. P. W., Grenadier vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, verwundet am 20. Januar 1871 bei Le Bourget:Gewehrschuss an die innere Seite des linken Knies; Lagerungin Drahthose; starke Entzündung am Oberschenkel, Fieber, starkeEiterung; Schüttelfröste. Am 24. Februar 1871: Tod.

Sektion: Grosse Eiterhöhlen am Ober-und Unterschenkel;Gelenk eröffnet und vereitert, Schwund der Gelenkknorpel.

33. II. R., Füsilier vom Schleswig-Holsteinschen Füsilier-Regiment No. 86, verwundet am 30. August 1870 beiBeaumont:Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk. Geschoss trat aminneren Rande der Kniescheibe ein und am Köpfchen des Waden-beines aus. Am 19. September 1870 im Feldlazareth BeaumontGypsverband; ziemlich beträchtliche Blutarmuth, starke Eiterung,Karbolsäureverband. Am 9. Oktober 1870 im Feldlazareth I louzy:Ruhr, welcher R. am 23. Oktober 1870 erlag.

34. M. St., Portepeefähnrich vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, verwundet am 30. Oktober 1870 beiLe Bourget: Gewehrschuss unmittelbar unter dem rechten Knie-gelenk; Geschoss am unteren Rande der Kniescheibe ein-, amKöpfchen des Wadenbeins ausgetreten. Im Feldlazareth inGypsverband behandelt; der Verlauf war erst günstig, spätertrat reichliche Jauchung und Brustfellentzündung ein. St. starbam 26. November 1870 an Pyämie. (Vergl. auch Steinberg,S. 56, Anmerkung.)

35. H. E., Musketier vom 2. Grossherzoglich HessischenInfanterie-Regiment (Grossherzog) No. 116, verwundet am31. Dezember 1870 bei Orleans: Gewehrschuss durch das linkeKniegelenk. Das Geschoss traf auf die Mitte der Kniescheibe;das Scheibenband ist verletzt und die Kniescheibenach oben verlagert; die Kugel wurde an der Aussen-seite des Gelenks herausgeschnitten und ein Gypsverband an-gelegt. Am 14. Januar 1871: starke Schwellung, hohes Fieber;aus einem tiefen, fast bis zur Leistengegend reichenden Eiterherdam Oberschenkel wird durch Einschnitte eine grosse Mengejauchigen Eiters entleert. Am 18. Januar: abermals Einschnifte;am 24. Gelbsucht und Schüttelfröste; am 31. trat unter Zunahmeder pyämischen Erscheinungen bei starker Benommenheit derTod ein.

36. K. S., Grenadier vom Leib-Grenadier-Regiment (1. Bran-denburgisches) No. 8, verwundet am 16. August 1870: Gewehr-schuss. Eintrittsöffnung an der Aussenseite am oberen Randeder Kniescheibe. Austrittsöffnung an der Vorderseite des Unter-schenkels. Zuerst bestand bei Karbolsäureverband massigeEiterung, die bald reichlicher wurde; allmälig bildete sich Ver-renkung des Unterschenkels nach hinten aus; hohesFieber beschleunigt den Verfall der Kräfte. Am (i. Oktober1870: Tod.

37. W. G., Füsilier vom 1. Garde-Regiment zu Fuss, ver-wundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss amlinken Kniegelenk, vom unteren Rande der Kniescheibe an nachabwärts verlaufend. Starke Entzündung des Gelenks, Anwendungvon Eis und Gypsverband. Am 5. September 1870: Tod anPyämie.