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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VIT. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

Hautversehiebung herausgeschnitten, wobei Austritt von Gelenk-flüssigkeit erfolgt. Gefensterter Gypsverband, Eisbeutel; stär-kere Schwellung des Gelenkes und Fieber; Ausfluss vonklebendem Eiter. In 14 Tagen war die Wunde geheilt. ZurUeberführung nach Deutschland wurde vorsichtshalber einGypsverband angelegt. (Vergl. Stoll, S. 205.)

12. "W. Seh., vom 4. Badischen Infanterie-Kegiment (PrinzWilhelm) No. 112, verwundet am 5. Januar 1871: Gewehrschuss.I)as Geschoss trat bei etwas gebeugter Stellung ein, verlief inder Nähe der Kniescheibe bis gegen das Scheibenband und tratwieder aus. Der Verlauf war günstig; bei völliger Ruhe undAnwendung der Kälte trat Heilung ein. Steifheit in etwas ge-beugter Stellung; Muskulatur des ganzen Beines abgemagert.(Vergl. v. Beck, S. 610, No. 7.)

13. R., Musketier vom 2. Posenschen Infanterie-RegimentNo. 19, verwundet am 19. Januar 1871 bei St. Quentin : Gewehr-schuss durch das rechte Knie vom inneren unteren Rande derKniescheibe zum äusseren Knorren des Schienbeins. Im Feld-lazareth starke Entzündung und Schmerzen des Gelenks, diedurch Eis erfolgreich bekämpft wurden.

Am 25. Januar 1871 kein Fieber, Drahtschienenverband;am 6. Februar 1871 geringe Eiterung, Gypsverband; am17. Februar 1871 Wohlbefinden, rückwärts befördert. Nach etwa6 Wochen geheilt.

14. G. Seh., Gefreiter vom 1. Brandenburgischen Landwehr-Regiment No. 8: Granatschuss an der Aussenseite des linkenKniegelenks unterhalb der Kniescheibe mit Eröffnung desGelenks und massiger Zerstörung der Weichtheile. Im Feld-lazareth zu Arcy sur Aube starke Schwellung und Blutung, diedurch ruhige Lage und Eis erfolgreich bekämpft wurden; dasGelenk füllte sich mit Eiter, es erfolgte eine Eitersenkung undDurchbruch an der Aussenseite; das Allgemeinbefinden wurdedarauf besser, die Wunden neigten bald zur Heilung, welcheauch eintrat.

15. H. Seh., vom 2. Garde-Regiment zu Fuss, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte (am 26. August 1870 imReservelazareth Darmstadt): Gewehrschuss durch das Knie-gelenk, Eingang aussen neben der Kniescheibe, Ausgang innenetwas tiefer; Gelenk stark geschwollen und schmerzhaft, starkeEiterung. Ruhestellung, Karbolverband, Eisblase bis MitteOktober, später gefensterter Gypsverband. Im Oktober Lungen-brustfellentzündung in Folge der kalten Witterung. Heilungim November. (Vergl. Lücke, S. 29, No. 16.)

16. S., vom 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiment No. 67,verwundet am 18. August 1870: Eintritt der Kugel innen untenvon der Kniescheibe, Austritt an der äusseren Seite derselben;keine wesentliche Entzündung. Heilung mit beschränkterBeweglichkeit, Gelenk massig geschwollen. (Vergl. II. Fischer,S. 208.)

17. 0. Seh., Vizefeldwcbel vom Sächsischen 6. Infanterie-Regiment No. 105, verwundet am 18. August 1870 bei Grave-lotte: Gewehrschusswunde vom oberen Rande der rechten Knie-scheibe zum äusseren Knorren des Oberschenkels. Zuerst imFeldlazareth zu Ste. Marie aux chenes; dann im Reserve-lazareth Celle, wo am 28. Februar 1871 Heilung erfolgte;später Badekur. Das Knie ist geschwollen, in stumpfem Winkelsteif; es bestehen grosse, mit dem Knochen verwachsene, vonEinschnitten herrührende Narben, Abmagerung der Muskulatur;Seh. geht mit Krücken.

18. K., vom 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment No. 109:Gewehrschuss oberhalb der rechten Kniescheibe ein-, über deminneren Knorren des Oberschenkels austretend, Gelenk in querer

Richtung eröffnet. Geheilt; noch nach 11 Monaten bestandVerdickung des Gelenks und Erguss in dasselbe. (Vergl. v. B e ck,S. 610, No. 6.)

19. R.G., verwundet bei Nompatelize: Gewehrschuss. Ein-tritt der Kugel innen oberhalb der rechten Kniescheibe;Kapselstreifung; Ausgang aussen in gleicher Höhe. Am15. August 1870 im Reservelazareth Karlsruhe Gypsverband,Schwellung des Gelenks, kein Fieber,katarrhalische Eiterung"des Gelenks. Am 4. Oktober 1870: Wunden geheilt, aktiveBeweglichkeit etwas beschränkt. Entlassung nach Baden-Baden.(Vergl. Socin, S. 175, No. 7.)

20. N. H., vom Hessischen Jäger-Bataillon No. 1, verwundetam 18. August 1870: Gewehrschuss durch das Kniegelenk vomoberen Rande der Kniescheibe innen, bis 3cm ober-halb des äusseren Knorrens. Am 2. September im Reserve-lazareth Mannheim: Gelenk geschwollen und schmerzhaft, keinFieber. Anfangs Gypsverband, dann Blechrinne. Am 18. Sep-tember 1871: Wunden vernarbt; kann im Pappverbande gehen,Bewegung noch behindert.

1872 kann H. ohne Stock 3 /i Stunden gehen, das Geleukaber nur wenig beugen. (Vergl. Lossen, S. 134, No. 9.)

21. Chr. G., Musketier vom 1. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 31, verwundet am 30. August 1870 bei Beau-mont: Fleischwunden am Gesäss und der Schulter: Gewehrschussam rechten Knie mit Streifung der Gelenkkapsel. Eintrittsöffnungan der äusseren Seite der Erhabenheit des Schienbeins. Aus-gangsöffnung am äusseren Knorren des Oberschenkels. Wurdemit Karbolsäureverband behandelt und am 23. Oktober 1870geheilt.

22. F. H., Gefreiter vom Brandenburgischen Füsilier-Regiment No. 35, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour: Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk. Geschossunterhalb des inneren Knorrens des Schienbeins ein- und ober-halb des inneren Knorrens des Oberschenkels ausgetreten. Am13. Oktober 1870 im Reservelazareth Berlin: es trat Rose auf,wiederholt bildeten sich Eiterherde. Die Heilung dauerte sehrlange; im März 1871 Gypsverband; am 8. Mai 1871 Schüttel-frost, Gelbsucht. Erweiterung des Schusskanals: von jetzt abBesserung und später Entlassung mit Steifheit des Gelenks.

23. F. R., verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschuss. Eintritt am oberen Rande der Kniescheibe;Streifung derselben; Austritt am unteren Ende des Kuiescheiben-bandes. Am 15. August 1870 im Reservelazareth KarlsruheEis, Gypsverband; bedeutende Schwellung des Gelenks mitstarker Eiterung und hohem Fieber. Am 20. September 1870geheilt entlassen. (Vergl. Socin, S. 175, No. 6.)

24. Frhr. M. v. L., Sekondlieutenant, verwundet am 1. Sep-tember 1870: Gewehrschuss. Das Geschoss drang au der Innen-seite des linken Knies ein und streifte die Gelenkkapsel InGypsverband und unter Anwendung von Eis erfolgte im Reserve-lazareth Potsdam die Heilung bis 15. November 187 0.

25. P. A., Grenadier vom 1. Garde-Regiment zu Fuss,verwundet am 18. August 1870 bei Graveiotte: Gewehrschussan das rechte Knie; anscheinend nur Weichtheile verletzt, dieGelenkkapsel gestreift. Wurde erst im August 1871 mit fastvollkommen beweglichem Gelenk entlassen.

26. M. L., Sekondlieutenant, verwundet am 6. August1870 bei Spicheren: Gewehrschuss. Eingang 6 cm oberhalb desWadeiibeinköpfchens. Ausgang mitten in der Kniekehle in der-selben Höhe, 9'Acm vom Eingang entfernt.

Am 16. Februar 1871: Schussnarben frei beweglich. Aktiveund passive Bewegungen sind nach allen Seiten hin frei. Es