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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

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38. Deutscher A. W., gestorben am 30. März 1871 inKarlsruhe. Eingangsöffnung der Kugel an der Aussenseite desrechten Knies, 7 '/» cm unterhalb der Scheibe. Ausgan«;' nahedem unteren Rande der Kniescheibe. Zwischen beiden Oeffnungenverläuft ein kurzer, dicht an der Kapsel vorbeiziehender Kanal,mit Unterbrechung an der Stelle, wo er sich der Kapsel ammeisten nähert, liier ist die Kapsel sehnig verdeckt undstrahlig eingezogen. Das Kniegelenk enthält blutig gefärbtedicke Flüssigkeit, die innere Kapselhaut ist eitrig belegt; die(ielenkknorpel sind zerstört, die Weichtheile um das Knie undden Oberschenkel mit Kiter durchsetzt. In beiden Lungen findensich lobuläre Herde, der untere Lappen der linken Lungebefindet sich im Zustande schlaffer Hepatisation. (Vergl.Arnold, S. 126, No. 167.)

39. P. B., Musketier vom 8. Rheinischen Infanterie-RegimentNo. 70: Gewehrschuss durch die rechte Kniekehle mit Eröffnungder Gelenkkapsel ohne Knochenverletzung. I!. starb im Februar1871 im Feldlazareth zu St. Quentin in Folge der starkenEiterung und festen Schwellung am Oberschenkel.

40. W. A., Unteroffizier vom 4. Badischen Infanterie-Regiment Prinz Wilhelm No. 112, verwundet am 14.Januar 1871bei Vesoul: Gewehrschusswunde am linken Knie, am inneren Randeder Kniescheibe beginnend. Ausgangsöffnung fehlt. Am 25. März1871 im Feldlazareth starke Eiterung des Kniegelenks undEitersenkung bis zur Hüfte. Einschnitte am Oberschenkel;Entleerung reichlichen übelriechenden Eiters; Kniescheibenach Aussen verrenkt. Druckbrand am Rücken; Gelbsuchtund weitere Erscheinungen von Pyämie. Am 30. März 1871: Tod.

Sektion: Das Geschoss und ein Tuchfetzen unter demScheibenbande steckend, die Knorpelflächen der Gelenkendendurch Eiterung geschwunden.

41. J. H., Musketier vom 2. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 15 (Prinz Friedrich der Niederlande): Gewehr-schuss. Die Kugel trat an der Aussenseite des rechten Knie-gelenks etwas oberhalb desselben ein, öffnete die Kapsel undwurde durch Einschnitt entfernt. Am 1. Februar 1871: hohesFieber, Schüttelfröste, Jauchung am ganzen Oberschenkel biszum grossen Rollhügel. Am 8. Februar 1871: Tod an Pyämie.

42. L. W., Gefreiter vom 3. Pommerschen Infanterie-Regiment No. 14, verwundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Haarseilschüsse an die rechte Hüfte und an den linkenOberschenkel, Gewehrschuss in das rechte Knie; das Geschosswurde aussen neben der Kniescheibe herausgezogen. Im Feld-lazareth am 5. Dezember 1870: Gypsverband. Sehr starke Eiterungund rascher Verfall der Kräfte. Am 17. Dezember 1870: Tod.

43. F. K, Füsilier vom 3. Garde-Regiment zu Fuss, ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss in das rechte Kniemit Eintrittsöffnung am inneren Rande der Kniescheibe. Aus-gang fehlt. Der Verlauf war erst gut, dann entstand heftigeEntzündung (Eis), reichliche, übelriechende Eiterung, Schwellungdes Unterschenkels, Durchfall. Am 6. September: Tod.

44. A. R., Gardist vom 1. Grossherzoglich HessischenInfanterie- (Leibgarde-) Regiment No. 115, verwundet am 3. De-zember 1870 bei Orleans: Gewehrschuss in das linke Knie. ImFeldlazareth am 8. Dezember das Geschoss durch Einschnitt aminneren Rande der Kniescheibe herausgenommen; es bildetensich mehrere Eiterkanäle, welche reichlichen Eiter lieferten.Am 16. Dezember Jauchung, Irrereden; Brand des Unter-schenkels. Am 24. Dezember trat der Tod ein.

45. B. Seh., Musketier vom 2. Grossherzoglich HessischenInfanterie - Regiment (Grossherzog) No. 116, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss in das linke

Kniegelenk, Fleischschuss in das rechte Bein. Im Feldlazaretham 23. August: Drahthose, Karbolsäureverband. Am 8. Sep-tember wird durch einen Einschnitt das Geschoss unter derKniescheibe entfernt. Am 8. September: Gypsverband. Am17. September: Tod an Erschöpfung.

40. Preussischer Infanterist, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte. Eingang der Kugel aussen neben der Spitze derlinken Kniescheibe. Austrittsöffnung nicht vorhanden. Ankunftin Darmstadt ohne Verband am 26. August. Im Gelenk starkerErguss, wenig Fieber; der Verwundete behauptet, nur einenStreifschuss erhalten zu haben und widersetzt sich der Aus-schneidung der Kugel, welche deutlich im Gelenk von aussengefühlt wird. Zunahme des Fiebers, übelriechende Eiterung.Spaltung der Wundöffnung, Herausnahme der unverändertenChassepotkugel. Gegenöffnung; Drainage;Ruhestellung, Karbol-ausspritzung, Eisbeutel. Die ersten 14 Tage ging alles gut,das Fieber liess nach, der Eiter war gutartig nnd nahm an Mengeab. Dann Zunahme des Fiebers. Schüttelfrost am 14. September.Wiederholung der Fröste. Senkung in die Wadengegend,Schwellung des Unterschenkels. Die Amputation des Ober-schenkels wird verweigert. Tod am 20. September.

Die Sektion zeigte Verstopfung der Blutader in der Knie-kehle, Zerfall der Pfropfe; in den Lungen Eiterherde. (Vergl.Lücke, S. 29, No. 17.)

3. Durchdringungen.

a. In <ler Richtung von vom nach hinten(«der umgekehrt).

47. W. N., vom 1. Westpreussischen Grenadier-Regiment

No. 6, verwundet am 6. August 1870: Gewehrschuss durch dasrechte Kniegelenk vom unteren Rand der Kniescheibezum inneren Rand der Kniekehle. Kam ohne Verband am21. August ins Reservelazareth Mannheim; bei der Aufnahme,15 Tage nach der Verwundung, bestand im Gelenk nur ein ge-ringer wässriger Erguss, ohne erhebliche Schmerzhaftigkeit, dieBewegungen waren behindert, aber ausführbar; kein Fieber. DieWunden waren der Vernarbung nahe. Erst Gyps-, dannPappverband. Ende September ist das Auftreten ohne Verbandund Gehen am Stock möglich. Geheilt entlassen am 25. Ok-tober. Bewegungen sind bis zum Winkel von 150° ausführbar.9. April 1872: N. steht als Knecht bei einem Bauer imDienst, kann indess nur leichtere Arbeit verrichten. Eine halbeStunde ist er im Stande, ohne Stock zu gehen. Die Beweglich-keit scheint zugenommen zu haben. Er empfindet nur zeitwbei Witterungswechsel Schmerzen. (VereL Lossen, IL S. 132,No. 5.)

48. A. R., Grenadier vom 1. Badischeu Leib-Grenadier-Regiment No. 109, verwundet am 18.Dezember 1870 beäÄtrits:Gewehrschuss durch das Kniegelenk. Der Schusskanal begannauf dem Scheibenbande, ging durch die Kreuzbänder undendigte, ohne grössere Gefässe und Nerven zu berühren, mittenin der Kniekehle. Am 19. Dezember im Feldlazareth zuDijon:Ruhe und Eis. Mitte Februar 1871 war die Eiterung nur nochgering. Gypsverband. R. wurde bei andauernd gutem Allge-meinbefinden geheilt.

49. Seh., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschusswunde des linken Kniegelenks, vom unteren Randeder Kniescheibe zur Kniekehle. Seh. ging nach der Ver-wundung noch längere Zeit. Austritt von Gelenkflüssigkeit.Am 26. August im Reservelazareth Osnabrück: Gypsverband.