Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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Kasuistik.
A. Kapselverletzungen ohne Knochenbetheiligung.
1. Quetschungen.
1. v. H., Major, verwundet am 1. September 1870 beiNoisseville: Prellschuss an die innere Seite des linkenKnies, welcher eine erhebliche Anschwellung und Be-wegungsstörung des (ielenks zur Folge hatte. Durchandauernde Behandlung in Gravelotte und in Deutschlandwurde v. H. soweit hergestellt, dass er am 14. Februar 1871wieder Dienst beim Truppentheil in Frankreich that. Im Mai1871 war der Erguss in die Gelenkhöhle selbst verschwunden;an der inneren Seite des Knies bestand noch eine auf Druckschmerzhafte Anschwellung; erhebliche Anstrengung des Gelenks,wie längeres Stehen, Gehen und Reiten wurde nicht vertragen.1871 und 1872 kamen die Bäder von Warmbrunn mit ver-hältnissmässig günstigem Erfolge in Anwendung.
Juli 1873: Die wulstige Anschwellung an der innerenKnieseite ist unverändert; der Umfang des Gelenks 1 cm grösserals rechts. Nach Anstrengungen zu Fuss treten noch heftigeSchmerzen und Knarren im Gelenk ein. Beim Aufsteigen aufdas Pferd muss der Fuss mit den Händen in den Bügel ge-bracht werden; das linke Bein schläft nach kurzer Zeit ein.Dauernd unfähig zum Feld- und Garnisondienst.
2. W. M., Füsilier vom Anhaltischen Infanterie-RegimentNo. 93, verwundet am 30. August 1870: Gewehrschuss indas rechte Kniegelenk zwischen Kniescheibe und Schienbein-stachel ohne Knochenverletzung. Heilte bis 15. Dezember 1870mit bedeutender Beschränkung der Bewegungsfähigkeit desGelenks.
3. F. M., Sekondlieutenant, verwundet am 24. November1870: Gewehrschuss. Die Kugel trat zwischen dem äusserenSchenkelknorren und der Kniescheibe ein und mussteherausgezogen werden. Es entstand Entzündung der Knochen-haut und der seimigen Gebilde des Kniegelenks, wodurch Ver-dickung, schmerzhafte Spannung und Zerrung hervorgerufenwurde. Die Beugung und Streckung blieb behindert, dasGelenk geschwollen; bei Witterungsveränderungen tratenrheumatische Beschwerden auf. Vom 1. Juli bis 15. August1871: Badekur in Teplitz. 20. August 1871: Dauernd ganz-irvalide.
4. A. K., Musketier vom 1. Magdeburgischen Infanterie-Regiment No. 26, verwundet am 15. September 1870: Granat-schusswunde am linken Knie, durch welche ein haudtellergrosserWi'Uihtheillappen bis auf die Gelenkkapsel abgerissen wurde.Im Verlauf der Heilung entstand eine Narbenspannung, die durchAnwendung eines Apparates gehoben wurde. 28. Januar 1871:Geheilt; das Gelenk ist unbeweglich.
5. K., Soldat vom 5. Württembergischen Infanterie-Regi-ment (König Karl): Verletzung durch (Tranat Splitter am rechtenKnie' aussen von der Kniescheibe, ohne Knochenverletzung.Es bildete sich ein Schorf, nach dessen Abstossuug viel Gelenk-flüssigkeit austrat und die Entzündung stärker wurde. Heilung.Invalidisirt. (Vergl. Stoll, S. 205.)
6. R. Seh., Lieutenant, verwundet am 28. Januar 1871:Schuss mit gehacktem Blei. (?) Die zahlreichen kleinen undgrösseren, scharfrändrigen Geschosse drangen theils in dieMuskulatur des rechten Oberschenkels, wo sie aber wenig Wir-
kung hatten, theils an der äusseren Seite des rechten Knie-gelenks ein. Das Pferd, welches stürzte, lag längere Zeit aufdem Fussgelenk und verursachte Gelenkquetschung. Es tratEntzündung des Kniegelenks mit Ausschwitzungen indie Kapsel ein. 12. September 1871: 3 eingezogene Narben aufder äusseren Seite des rechten Knies. Der Umfang des Knies istum 1 cm grösser als links. Bei langem Gehen entsteht Schwäche-gefühl, welches sich durch Einknicken nach vorn bemerkbarmacht, und Schmerzhaftigkeit besonders beim Reiten. Dasrechte Fussgelenk ist geschwollen und durch Bändererschlaffunggeschwächt. Ganzinvalide.
7. L. P., vom 91. Regiment der Mobilgarde, verwundetam 19. Januar 1871 durch einen Schuss über dem linkenKnie. Die Kugel drang dicht über dem Gelenk, entsprechendder Streckersehne, ein und wurde aus derselben Oeffnung wiederherausgezogen. Am 15. Februar war das Knie geschwollen.schwer beweglich, empfindlich; die Eiterung reichlich, das All-gemeinbefinden angegriffen. Begrenzte Ansammlung von Flüssig-keit über der Kniescheibe. Einschnitt an der Innenseite, Ein-legen einer Drainageröhre, feuchtwarmer Umschlag um dasGelenk. Am 4. April geheilt; Bewegungen des Gelenks beinaheganz frei; geht mit Hilfe eines Stocks. (Vergl. Heyfelder,8. 79.)
8. H. M., Füsilier vom 2. Hanseatischen Infanterie-Regiment No. 76, verwundet am 2. Dezember 1870: Gewehr-schuss durch das linke Knie. Die Eintrittsöffnung des Ge-schosses befindet sich am Köpfchen des Wadenbeins, dieAustrittsöffnung in der inneren Hälfte der Kniekehle; dieVerletzung lag anscheinend ausserhalb der Kapsel. LeichteSchwellung des Kniegelenkes, die bald nach der Verwundungeintrat, wurde durch kalte Umschläge beseitigt. Im Feldlazarethzu Versailles am 27. Dezember 1870 hohes Fieber, reichliche,übelriechende Eiterung.
Am 1. Februar 1871 wurde vermerkt: Bildung von Eiter-herden ; wiederholt unvollkommene Verrenkung des Unter-schenkels nach hinten; starke Abmagerung; Verband mit Chlor-kalklösung. — Am 19. Februar 1871: Tod.
Sektion: Brustfellentzündung, Eiterherd in der Leber,Vereiterung des Gelenks, Druckbrand am Kreuz bis auf denKnochen. (Vergl. Kirchner, S. 65, Fall 177.)
2. Einfache Eröffnungen.
9. M., verwundet am 1. September 1870 bei Noisseville:Gewehrschuss vom Aussenrande der rechten Kniescheibe zumKöpfchen des Wadenbeins; Austritt von Gelenkflüssigkeit.Lagerung in einer Lade, Lister'scher Verband. Die Heilungverlief ohne Störung; Ende Oktober konnte das Knie schonrechtwinklig gebeugt werden und der Erguss im Gelenk warverschwunden. (Vergl. H. Fischer, S. 202, No. 328.)
10. F. A., Grenadier vom 2. Garde - Regiment zu Fuss,verwundet am 18. August 1870: Gewehrschuss in das linkeKnie vom äusseren Rande der Kniescheibe zum Köpfchen desWadenbeins. Heilungsverlauf günstig.
11. M., Soldat vom Sächsischen 7. Infanterie - RegimentNo. 106, verwundet am 30. November 1870: Gewehrschuss.Eintritt hinter dem Köpfchen des Wadenbeins; die nicht ver-änderte Kugel wird am äusseren Rande der Kniescheibe unter