Bandltl. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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Dass schon Heilung mit Steifheit für die Gelenkeder unteren Glieder als günstiger Erfolg angesehen werdenmuss, ward schon bei den Wunden des Hüftgelenks hervor-gehoben. Beim Kniegelenk ist Steifheit aber nur in 55 §der vorstehend verrechneten Fälle eingetreten, bei denenBesserung noch vielfach zu erwarten stand; von den übrigenGeheilten erlangten 39 g mehr oder weniger beschränkte,6 g freie oder fast freie Beweglichkeit.
Von 38 Kapselverletzungen heilten 14 = 37-gmit Steifheit und 4 = 10.5 g mit freier Beweglichkeit,von 28 Verletzungen des Oberschenkelknochens 16 =57{j steif und 3 = 10.7$ ohne jede Behinderung; von21 Scheibenverletzungen hatten 13 = 62g, von 7Schienbeinschusswunden 4 = 57 $ Steifheit zur Folge;Heilungen mit freier Beweglichkeit kamen laut vorstehenderUebersicht nach Verwundungen der Scheibe oder desSchienbeins nicht zu Stande.
Völlige Wiederherstellung der Gelenke erfolgtenach Kapselquetschung (No. 7, [1 und 6 ?]), nach einfacherEröffnung (No. 25, 26, [27 und 28 ?]), nach Durchdringungschräg unter der grossen Strecksehne (No. 79 [55 ?]), 3 malnach Brüchen des Oberschenkelknochens nach 7 Jahren(No. 153), nach 4 Jahren (No. 158) und nach 13 Monaten(Xo. 159). Bei dem Letztaufgeführten war aber trotzdemdas Bein zeitweise unbrauchbar, da sich selbst nach ge-ringer Anstrengung Gelenkschwellung einstellte.
Gelenkverwachsungen waren meist in gestreckterBeinstellung zu Stande gekommen. Nur ausnahmsweisestand der Unterschenkel in Beugung (No. 12, 31, 93, 155),gebeugt und nach aussen gedreht, so dass die Ferse 5cmvom Boden entfernt blieb (No. 31), endlich ohne Beugungnach aussen gedreht (No. 78, 149).
Wirkliche Verkürzungen traten nur nach völligenBrüchen des Oberschenkels ein, sie betrugen 2' ; 2 cm(No. 150, 154), 4 bis 5 cm (Xo. 153, 168), 10 cm (Xo. 149).
Sieben Mal hatte das Fussgelenk des verwundetenBeines dauernde Beschädigung erlitten, darunter 2 mal durchbesondere Verletzung (Xo. 6, 170). Bei W. (Xo. 168) scheintdie beeinträchtigte Beugung von einem Druckgeschwürherzurühren, welches sich von der Wade bis zur Ferseerstreckt hatte. Bei L. (Xo. 276) war das Fussgelenk nichtganz frei, bei N. (No. 149) theilweise steif, und bei F.(NoT'S^S) war ausser dem Fussgelenk noch die Bewegungder Zehen behindert. Bei St. (No. 67) hatte sich nach einerEntzündung ein steifer Klumpfuss ausgebildet. Ausserdemwar der Fuss des Invaliden v. M. (No. 258) in Folge vonNervenlähmung unbrauchbar.
Abmagerung der Muskulatur des Beines ist 8 malbesonders vermerkt (No. 12, 17, 49, 61, 86, 93, 166, 274);vollständige Gleichheit des Umfanges der Beine, sowohldes Ober- wie des Unterschenkels hatte L. (Xo. 26) auf-zuweisen; bei H. (Xo. 230) entwickelte sich sogar bei gleich-zeitiger Abmagerung des Oberschenkels eine Verdickungder Uuterschenkelmuskulatur um 2 cm,
Dauernde Xachtheile, abgesehen von denjenigen Leiden,die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verwundungdes Kniegelenks standen, hatte das Allgemeinbefinden derInvaliden W. und M. (Xo. 134 und 166) erlitten, bei wel-chen nach Jahr und Tag ein Zustand nervöser Gereiztheiteingetreten war. Besondere Beachtung verdient aber eineRückenmarksläInnung (No. 258), welche nach einemJahre ziemlich plötzlich eintrat. Nach dem Urtheile vonErb bestand kein Zweifel, dass sich dieselbe in Folge desKniegelenkschusses entwickelt. Es handelt sich um die-selbe Beobachtung, die im VII. Bande dieses Berichtes,S. 67 unter No. XI aus Leyden's Klinik der Rückenmarks-krankheiten (IL Bd., S. 232) aufgenommen ist, welche durchdie nachstehende Krankengeschichte No. 258 ergänzt undabgeschlossen wird.
B. Tödtlicher Ausgang.
Nach Schusswunden des Kniegelenks, welche zuwartendbehandelt waren, trat der Tod gemäss 140 vorhandenenAngaben durchschnittlich nach rund 5 Wochen ein.
13 Verwundete erlagen selbstständigen Krankheiten,die mit der Verletzung nicht in Zusammenhang standen:an Ruhr starben ausser R. (No. 33), dessen Widerstands-fähigkeit durch grosse Blutarmuth und beträchtliche Eite-rung während eines 2 monatlichen Krankenlagers im Feld-lazarett geschwächt war, noch 3 Mann (Xo. 138, 186, 302).Typhus führte bei 3 auf Zählkarten verzeichneten Ver-wundeten und bei IL (Xo. 191) zum Tode. Je ein Mannstarb an Pocken (Zählkarte) und an Rachendiphtherie(Xo. 321). An Lungenentzündung gingen 3 Verwundete(Xo. 73, 205, 288) zu Grunde. Bei einigen dieser Gestor-benen war die Heilung der Gelenkwunde schon vollendet(Xo. 191 und 205) oder wenigstens in gutem Fortschrittbegriffen (Xo. 1.38).
Von Wundkrankheiten l ) bildete Kieferklcmme undStarrkrampf 5 mal die Todesursache. H. (Xo. 249) undM. (Xo. 285), welchem beide Kniegelenke zerschmettert unddessen rechter Unterschenkel nach vorangegangener Unter-bindung brandig geworden war, erlagen dem Starrkrampfam 10. Tage, B. (Xo. 307) am 13. Tage nach der Ver-letzung. Ueber 2 andere, an derselben Krankheit Gestor-bene berichten nur Zählkarten. 2 ) Hospitalbrand ver-anlasste laut Zählkarten 2 mal das tödtliche Ende. AnBrand starben 7 Mann: F. (Xo. 303) schon am12. Tage, nachdem starke Schwellung des Ober- undUnterschenkels das Absterben der Gewebe eingeleitethatte, IL (Xo. 326) nach Thrombenbildung in dengrossen Gefässen am 20. Tage, R. (No. 44) in der 4.,
i) Vergl. hierzu die Tabellen IV und V auf S. 670 und 671.
2 ) .Siehe ausserdem die ausführliche Krankengeschichte einesnach Bruch des Randes der Kniescheibe und des inneren Ober-schenkelnervens an Wundstarrkrampf gestorbenen Franzosen imVII. Bande dieses Berichtes, S. 59, No. LXXXH.
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