VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil,
Spaziergänge zu machen; er wurde daher Bpäter nicht mehr,wie anfangs, als verstümmelt angesehen.
Die besten Erfolge boten die Geheilten v. H. (No. 1), dernach einer Kapselquetschvmg und W. (No. 144), der nachEinheilung des Geschosses in dem inneren Knorren desOberschenkelknochens noch während des Feldzuges wiederDienst beim Truppentheil thaten; ferner L. (No. 26), dessenßeinmuskulatur nach 5 Monaten bei völlig freiem Gelenkbeiderseits gleich kräftig war. Dem K. (No. 27) war es mög-lich, zweimal versuchsweise wieder Frontdienst zu thun; L.(No. 28) nahm, wenn auch mit Misserfolg, die Anstrengungender Manövermärsche zu Fuss auf sich; N. (No. 47) standnach IV2 Jahren bei einem Bauer als Knecht im Dienst, ob-schon er ohne Stock nur eine halbe Stunde gehen konnte:R. (No. 79) war ebenfalls Knecht und konnte mit fast völligbeweglichem Kniegelenk 7 Stunden des Tages gehen. Amvollendetsten war die Wiederherstellung bei W. (No. 158),der, allerdings erst nach mehreren Jahren, nachdem die freiin der Gelenkhöhle liegende Kugel herausgenommen war,alle Anstrengungen des aktiven Dienstes ohne jeglicheBeschwerden ertrug.
Auf der anderen Seite fanden sich aber auch geheilteGelenke in einem Zustande, der dem Verlust des Beinesgleichgeachtet wurde. So konnte B. (No. 108) 3 Jahr nach
der Verwundung den Fuss wegen grosser Schmerzhaftigkeitdes Knies nicht aufsetzen, sondern nur mit Hilfe einerKrücke gehen; die einzelnen Bruchstücke der Kniescheibewaren nicht miteinander, sondern allein mit den unter-liegenden Theilen fest verwachsen. Ferner vermochte N.(No. 149) nach 5 Jahren nur mit einem Stocke auf ebenemWege kurze Strecken zu gehen, musste aber, sobaldWitterungsschmerzen eintraten, zu den Krücken greifen.Er hatte durch Bruch des Oberschenkelknochens eine Ver-kürzung von 10 cm erlitten und brachte nur den Aussen-rand des theilweise ebenfalls steifen Fusses durch Becken-senkung bis auf den Boden, da das untere Bruchende nachaussen gedreht war. Noch nach 2 Jahren bestand an-dauernde Gelenkentzündung mit eiternden Fisteln bei W.(No. 134); Schwächung des Allgemeinzustandes hatte sichbei M. (No. 166) entwickelt, v. W. (No. 170) hatte aussereinem steifen Knie durch Zerschmetterung der Unter-schenkelknochen im unteren Drittel mit Splitterung insFussgelenk Verkürzung des Beines und Beschränkung derBeweglichkeit des Fusses davongetragen, so dass er eben-falls als verstümmelt anerkannt wurde.
Nachstehende Zusammenstellung giebt Auskunft überden Zustand der geheilten Gelenke nach den verschiedenenVerletzungen.
Uebersieht über das Endergebniss bei IIS unter zuwartender Behandlung geheilten Schusswunden des Kniegelenks
bei Deutschen 1870/71.
Art der Verwundung.
Zustand des Gelenks:
steif.
massige - . ,s ' frei oder
be-deutende
Beschränkung fast frei.der Beweglichkeit.
Kapselverletzungen ohne Knochenbetheilignng
Quetschungen . . .Einfache Eröffnungen
{ger,que
geradequere
„ , . , „ . . .. f Streifungen
Verletzungen der Kniescheibe......J
l Brüche . ,
IStreifungen . . .KugeleinheilungenBrüche ....
Verletzungen des Schienbeins ....
Schusswunden ohne nähere Angabe der getroffenen Theile
[ Streifungen und Rinnenschüssel Brüche.........
Summe
Auf Hundert
IG61
G
7
3
3
10
2
2
18
65
22
24
55 18.6 20.3
Summe.
6
1311
8
1011
5
4
19
5
2
24
118
100