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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

Bi

eines 2 l j-i cm breiten Streifens des Scheibenbandes (No. 115)und am Unterschenkel (No. 241). Bei No. 14 und 132blieb es dem angesammelten Eiter überlassen, sich selbsteinen Weg nach aussen zu bahnen.

Von der Entfernung grösserer Knochenstückeist die Herausnahme des ganzen Gelenkcndes des Schien-beins bei L. (No. 207) und diejenige eines Stückes derGelenkfläche des Schienbeins bei Seh. (No. 220) zu er-wähnen.

Geschosse wurden vielfach aus der Wunde gezogenoder durch Einschnitt entleert. Im Gegensatz zu der all-gemeinen Erfahrung, dass die Verwundeten fast immer dieHerausnahme der Kugel dringend wünschen, in der Meinung,dass sie durch Entfernung derselben einen grossen Schrittauf dem Wege der Besserung vorwärtsgelangen, widersetztesich anfangs ein Mann (No. 46) dem Ausschneiden desGeschosses, obgleich es deutlich von aussen im Gelenkgefühlt wurde. Nachdem später bei bereits ungünstigenWundveihältnissen die Herausnahme der unverändertenKugel gleichwohl erfolgt war, besserte sich zwar für einigeZeit der Zustand des Verwundeten, doch erlag derselbeschliesslich der hinzugetretenen Pyämie. Bei H. (No. 175)wurde die oberhalb der Scheibe eingedrungene, früher mitder Sonde (!) vergeblich gesuchte Kugel erst nach 4 Wochenin der Chloroformbetäubung gefunden; bei B. (No. 174)konnte sie nicht mit dem tief eingeführten Einger gefühltwerden, obschon sie frei in der Gelenkhöhle lag. Auchdie beiden soeben erwähnten Verwundeten starben.

Die Zahl der wegen Verwundungen des Kniegelenksausgeführten grösseren Operationen ') und deren Aus-gang findet sich in Tabelle II auf S. 669 dieses Bandes.Danach wurden 438 verstümmelnde Operationen (mit313 Todesfällen) gemacht, und zwar 1 Absetzung imHüftgelenk 2 ) (mit tödtlichem Ausgang), und 437 Ab-setzungen am Oberschenkel 3 ) (mit 312 Misserfolgen), dar-unter 1 (mit tödtlichem Ausgang) wegen einer Hieb-wunde des Gelenks 4 ) und 9 nach vorausgegangener Gelenk-

') Wegen einer Transfusion und wegen gewaltsamer Streckungsiehe oben, S. 771 und 775.

2) Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 150, No. 0.

8) Davon finden sich 410 (mit 292 Todesfällen) im V. Bandedieses Berichtes unterAmputation am Oberschenkel"', 17 andere(mit 12 Todesfällen) im Nachtrage zum V. Bande, S. 663, unterI. H.; dazu kommen 9 Amputationen (mit 8 Todesfällen) nach vor-ausgegangener Resektion, welche im V. Bande nur unterResektiondes Kniegelenks" (nicht auch unter Amputation) aufgeführt sind,endlich 1 (mit günstigem Ausgang) unter denDoppel-Operationen"mitgetheilte (V. Band, S. 386, No. 1).

4 ) Siehe V. Band dieses Berichtes. S. 204. No. 192.

Aussägung; 8 der letzteren starben, nur 1, dessen Beinnach Heilung der Resektion wegen fehlerhafter Stellungabgenommen wurde, genas. 1 )

Von 50 Resezirten ' 2 ) erlagen 44, darunter 1 inFolge eines zugleich mit der Kniegelenkwundc erhaltenenBrustschusses. 3 )

Die durch Blutungen veranlassten Operationen sieheunterNebenverletzungen".

Es erübrigt noch, auf diejenigen Verwundungen ein-zugehen, welche nur deshalb der zuwartenden Behandlungunterzogen sind, weil sich äussere oder innere Unmöglich-keiten der beabsichtigten Operation entgegenstellten.

Amputationen, die man wegen der Verletzung selbstvornehmen wollte, unterblieben theils in Folge von Wei-gerung der Verwundeten nach Streuung (No. 101) undZerschmetterung (No. 127) der Kniescheibe, desgleichennach Brüchen beider Gelenkenden (No. 207, 208, 214),theils aus nicht angegebenen Gründen nach Brüchen derScheibe (No. 110), des Schienbeins (No. 235) und beiderGelenkenden (No. 172). Ferner versagte B. (No. 137) seineZustimmung zur Resektion wegen Rinnenschusses einesOberschenkelknorrens. Geheilt wurden von den ebenBezeichneten gleichwohl die Verwundeten No. 101, 110und 172.

Wegen schlechten Wundverlaufes (starke Schwel-lung, Jauchung, Eitersenkungen, Pyämie) beabsichtigteAmputationen gelangten 9 mal (No. 46, 86, 115, 119, 122,151, 174, 235, 141) nicht zur Ausführung, weil die be-treffenden Verwundeten ihre Einwilligung versagten; 2 der-selben (No. 86 und 151) blieben trotzdem am Leben.

Endlich veranlasste die geringe Hoffnung auf einenglücklichen Ausgang nach Zerschmetterungen beider Kniee(No. 285, 286), ferner bei starken Schwellungen, die schonin den ersten Tagen auftraten (No. 118, 217) und beiVerfall der Kräfte durch Pyämie in der 2. (No. 72, 180)und 3. Woche (No. 90, 120?) von der in Erwägung ge-zogenen Gliedabsetzung abzustehen.

1 ) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 517, No. 4.

2 ) Von den im V. Bande dieses Berichtes mitgetheilten 57 Re-sektionen mit 50 Todesfällen sind 9 (mit 8 Todesfällen) abzurechnen,da die Amputation am Oberschenkel nachfolgte (vergl. vorstehendeAnmerkung 3); hingegen ist aus dem Nachtrag zum V. Bande (S. 666unter II. F.) eine tödtlich verlaufene Resektion zuzurechnen, desgl.eine ebenfalls tödtlich verlaufene, welche im V. Bande unter denDoppel-Operationen" (S. 389, No. 13) mitgetheilt ist.

3 ) Siehe im V. Baude dieses Berichtes, S. 518, No. 5.