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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Bandlll. Spez. Theil.

VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.

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Selbstständige Lungenbrustfellentzündung über-stand Seh. (No. 15), Euhr der Verwundete L. (No. 284);trotz typhöser Erkrankung genas K. (No. 224); Wechsel-fieber endlich befiel den Verwundeten M. (No. 57).

Die Wundbehandlung bestand überwiegend in Aus-spülung mit den damals üblichen desinfizirenden Lösungen(von übermangansaurem Kali, Chlor, Karbol), Drainageund im Anlegen eines einfachen oder Karbolverbandes.Die Bekämpfung der Entzündung durch Eis ist in 54 dernachstehenden Krankengeschichten erwähnt. Auch dauerndeWasserbäder kamen wegen Anschwellung des Oberschenkels(No. 71) und wegen Jauchung (No. 206) in Anwendung.

Zur Feststellung des Gelenks wurden bei G9der in der Kasuistik 'dieses Abschnitts beschriebenen Ver-wundeten Gypsverbände mit ausgeschnittenen Fensternangelegt. Auch nach eingetretener starker Entzündunghatte der Gypsverband wohlthätigeu Einliuss (No. 85, 136),indem er Linderung der Schmerzen und Nachlasa derSchwellung brachte. Einzelnen Verwundeten freilich be-reitete er solche Schmerzen, dass er sofort wieder ab-genommen (No. 111) und das Bein in Schienen und Schwebe(No. 110) bezw. in einer Lade (No. 147) gelagert werdenmusste. Starke Eiterung erforderte zuweilen die Ent-fernung des Verbandes (No. 86, 115).

Einen ausserordentlich unzweckmässig angelegtenGypsverband sah Rupprecht (a. a. 0., S. 78), bei einemvor St. Cloud verwundeten Franzosen, welcher durch einBombenstück ausgedehnte Zertrümmerung des Kniegelenkserlitten hatte. 4 Tage nach der Verletzung wurde der-selbe in Versailles mit einem Gypsverband aufgenommen,der ohne Wattepolsterung unmittelbar auf die umgewickelteBinde gelegt war, so dass die eingefügten Holzspähnedrückten; der Hauptfehler bestand aber darin, dass er mir4 cm über den Bruch hinaufreichte, in Folge dessen mitseinem Gewicht das untere Bruchende niederzog und mitdem oberen Rande in die hintere Schenkelfläche einschnitt.Der Verwundete starb nach einigen Tagen. Brandblasenveranlassten bei H. (No. 120) die Abnahme des Verbandes.Tiefe Druckgeschwüre bildeten sich an der Ferse und aufdem Fussrücken bei D. (No. 129), auf der Hinterfläche desUnterschenkels von der Mitte der Wade bis zur Ferse beiWWNo. 168), so dass das Bein nach Anlegung einerSchiebe auf der Vorderfläche in einer Schwebe behandeltwerden musste. Durch welche Art des Verbandes dieseDruckwunden veranlasst waren, ist nicht ersichtlich.

Als erhärtender Stoff für Verbände kam auch Wasser-glas mehrfach in Anwendung (No. 108, 168).

Ausserdem wurde von Schienen aus Draht, Blech,Pappe oder Holz ausgedehnter Gebrauch gemacht; mehr-fach wird Lagerung des Beins auf einer Lade oderschiefen Ebene oder Aufhängung in einer Schwebeerwähnt; Zugstreckung findet sich in der nachstehendenKasuistik nur bei No. 260 verzeichnet.

Nach den Erfolgen, die v. Bergmann im Russisch-Türkischen Kriege 1877/78 erzielte, unterliegt es wohlkeinem Zweifel, dass bei Verwundungen des Kniegelenksder Gypsverband sowohl für eine Ueberführung, als auchfür die Behandlung im Lazareth selbst ein ausserordentlichwerthvolles Hilfsmittel darstellt; bei Schussbrüchendes Oberschenkels mit Eröffnung des Kniegelenks dürftegleichwohl im Hinblick auf die berichteten Verkürzungen(Xo. 149, 150, 154, 168) die dauernde Zugstreckung, be-sonders wenn der Gypsverband nicht vertragen wird, inden Lazaretheu nicht selten vorzuziehen sein.

Dass unter allen Umständen wegen der Neigung desUnterschenkels zur Beugung und Senkung die Feststellungdes Gelenks in Streckung stattfinden muss, erscheintselbstverständlich. Die entstandene feste Beugestelluugkonnte 2 Monate später durch allmälige Streckung (No. 63und 83), durch gewaltsame Streckung in der Chloroform-betäubung 2'/a Monate (No. 65) nach der Verwundung nochgehoben werden 1 ); dagegen war Seh. (No. 17) wegen Steif-heit des Beines im stumpfen Winkel zum Gebrauch vonKrücken genöthigt.

Durch Anwendung von Bädern, unmittelbar nach derHeilung, also in einer Zeit, in welcher auch durch Be-wegungsversuche das Gelenk freier wird, erfuhr L. (No. 272)wesentliche Besserung der Steifheit. Im Uebrigen warendie Erfolge der Nachbehandlung bei VerwundungendesKniegelenks, wie bei solchen der anderen Gelenke, sehrwenig erfreulich. Einmal gelang es durch Vornahmepassiver Bewegungen innerhalb dreier Monate das Gelenkso weit zu bringen, dass aktive Beugungen bis zu 90 ° möglichwaren (No. 100); auch eine Narbenspannung (No. 4) wurdedurch einen Apparat gehoben. Badekuren blieben ohnenennenswerthen Erfolg. Trotz des Gebrauches der Bädervon Teplitz, Rehme, Wiesbaden und der Anwendung deskonstanten Stromes war bei N. (No. 149) das leidendeGelenk nach 5 Jahren noch fast völlig steif und die Mus-kulatur des Beines um 1 cm geringer; ebenso konnten bei T.(No. 159) Kuren in Warmbrunn und Ems es nicht ver-hindern, dass bei der geringsten Anstrengung im Jahre1872 noch Anschwellung des Gelenks eintrat. Es ist abernicht ausser Acht zu lassen, dass die Heilungen mit guterGebrauchsfähigkeit sich der ärztlichen Kenntniss mehrentziehen, dass daher die Erfolge der Nachbehandlung alsbesser anzunehmen sind, als aus den vorliegenden Kranken-geschichten hervorgeht.

Kleinere chirurgische Eingriffe waren sehr häufigerforderlich. Insbesondere machten die ausgedehntenEiterungen vielfache und wiederholte Einschnitte nöthig.Sehr ausgiebige Oeffnungen wurden bei den VerwundetenNo. 72, 86, 139, 166 angelegt: an den Seiten des Gelenksbei No. 120, quer unterhalb der Kniescheibe mit Schonung

J) Betreffs einer gewaltsamen Streckung wegenrechtwinkligerKontraktur" 6 Wochen nach der Verwundung siehe V Band diesesBerichtes, S. 572, unter H. 4.