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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
771
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Band III. Spez. Theil.

VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.

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Während für die Diagnose der Hüftgelenkverletzungendie Stellung des Beines (nach der Verwundung) 1 ) einwichtiges Merkmal bildet, hat dieselbe für das Erkennender Kniegelenkwunden kaum eine Bedeutung. Die Neigungdes Unterschenkels zur Beugestellung, in welcher die Gelenk-

1 ) Wegen des Einflusses der Stellung im Augenblick der Ver-wundung siehe S. 766.

höhle den grössten Inhalt fassen kann, war deutlich bei5 Verwundeten ausgeprägt (No. 65, 70, 87, 174, 206); beiP. (So. 65) wurde zugleich allmälig eintretende krampfhafteSpannung der Beugemuskeln beobachtet. Die Unmöglichkeitder Streckung bei dem Verwundeten E. (No. 174) scheintnicht bloss durch den Erguss, sondern wesentlich auchdurch die Kugel, welche sich zwischen die Gelenkflächenklemmte, bedingt gewesen zu sein.

III. Nebenverletzungen.

Die Unversehrtheit der Gefässe in der Kniekehle, trotzDurchtritts des Geschosses in der Mitte derselben, istmehrmals besonders hervorgehoben (No. 48, f>3, 161, 236).Auch bei einer ausgedehnten Kniekehlen Verletzung'), welchedarin bestand, dass sämmtliche Weichtheile dieser Gegenddurch ein Granatstück weggerissen, die Knorren des Ober-schenkels blossgelegt und gesplittert waren, ist keine Blutungeingetreten. In diesem Falle bleibt es freilich zweifelhaft,ob die Gefässe wirklich verschont oder in Folge der Quet-schung geschlossen waren; andererseits hat es allerdingsden Anschein, als ob Blutgefässe in Folge ihrer Elastizitätbesonders solchen Geschossen, die einen Theil ihrer Kraftauf dem Wege durch das Gelenk bereits eingebüsst hatten,häufig ausgewichen seien.

Unter den nachstehend angeführten Gefässverletzun-gen befinden sich mehrere, welche durch einen Schussdurchdie Kniekehle" entstanden. sind, ohne dass der Zustanddes Gelenks in den kurzen Angaben erwähnt ist. Da aberdie Gefässe der Kapsel so nahe anliegen, so ist anzunehmen,dass das Gelenk mindestens eine Quetschung erlitten hat.

Im Ganzen finden sich bei Deutschen 32 2 ) Blutungennach Kniegelenkwunden erwähnt. Gefässverletzungen durchdas Geschoss und Blutungen, welche gleich nach derVerwundung auftraten, sind 9 mal vermerkt. Der Blut-verlust war sehr stark bei L. (No. 155), welcher geheiltwurde, und bei F. (No. 184), der in der 3. Woche anPyämie starb. Bei M. (No. 285) war die Unterbindung derehlagader in der Kniekehle erforderlich, nach welcherranaNdes Unterschenkels und der Tod folgte. NachZerschmetterung des Gelenks mit Verletzung der Schlag-ader wurde Seh. 3 ) am Tage darauf, ferner K. 4 ) nacheinem Gelenkschuss mit Zerreissung der Schlagader in der

>) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 280, No. 175 und Czerny,S. 61, No. 82.

2 ) Ausserdem wurde ein Franzose [vergl. V. Band diesesBerichtes, S. 270, No. 60; wegen eines Schusses durch das Knie-gelenk mit Zerreissung der Kniekehlenschlagader an demselben Tageamputirt.

3) Vergl. ebendas. S. 241, No. 577 und S. 619, No. 108.

4 ) Vergl. ebendas. S. 216, No. 317 und S. 636, No. 7.

5. Woche, nachdem wegen Blutarmuth ohne Erfolg dieTransfusion vorgenommen war, und ebenfalls erst nachmehreren Wochen der Verwundete F.') amputirt, in dessenKniekehlenschlagader sich bei der Sektion eine Risswundevorfand; die der Operation vorangegangene Unterbindungder Schenkelschlagader hatte die Blutung nicht zum Stehengebracht. Ein Schuss durch die Kniekehle verletzte dieSchlagader bei T. 2 ): am 9. und 10. Tage traten von Neuemheftige Blutungen auf, welche trotz Unterbindung derSchenkelschlagader fortdauerten, so dass man sofort zurAmputation schreiten musste. Bildung einer Blutgeschwulstder Kniekehlenschlagader mit Brand nach Durchbohrungdes Gelenkendes des Oberschenkelknochens veranlassteendlich die Amputation des Verwundeten D. 3 ) in der4. Woche. Bei einem Lochschuss des Schieubeinkopfes 4 ),nach welchem am 25. Tage die Amputation wegen Schlag-aderblutuug vorgenommen wurde, erscheint die Erkrankungdes Kniegelenks nicht sicher. Hingegen deutet wohl einein den ersten Tagen nach der Verwundung entstandeneThrombose der Kniekehlenblutader auf eine Verletzungdieses Gefässes durch das Geschoss hin (No. 241); der Toderfolgte an Erschöpfung. (Thrombose mit nachfolgendemBrand ist ferner bei H. (No. 326) besonders verzeichnet.)Nachblutungen von beträchtlicher Stärke entstandenbei Verwundeten, die wiederhergestellt wurden, 4 mal. ImFeldlazareth brachte Ruhe und Ausstopfung der Wundeeine Blutung bei Seh. (No. 14) zum Stehen; ebenfalls durchAusstopfen wurde eine am 7. und 9. Tage eintretendeBlutung bei K. (No. 147) gestillt, während eine Blutungin Folge Einschnittes in einen Eiterherd durch Anwendungvon Pinghawar Djambi und starker Karbolsäurelösung(No. 110) aufhörte. Wegen viermaliger Nachblutung ausder Kniekehlenschlagader unterband man bei einem Ver-wundeten 5 ; mit günstigem Erfolge die Schenkelschlagader.

1 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 609, No. 28.

2 ) Vergl. ebendas. S. 182, No. 298 und S. 606. No. 31.3 J Vergl. ebendas. S. 196, No. 113.

4 ) Vergl. ebendas. S. 197, No. 118.') Vergl. ebendas. S. 606, No. 34.

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