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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
Verwundung angelegt wurde, erreichte. Ebendasselbe istauch daraus ersichtlich, dass von den in nachstehenderKasuistik aufgeführten einfachen Streifungen des Knie-gelenks diejenigen den ungünstigsten Verlauf nahmen, beidenen steckengebliebene Geschosse eine Verschiebung derWeichtheile über die Schussöffnung hinderten.
Die Beugestellung des Knies, welche zur Durchdringungdes Gelenks erforderlich ist, findet sowohl beim Gehen alsbeim Reiten statt. Dass das getroffene Knie gebeugt war,ist bei den Verwundeten R. und L. (No. 51 und 52) be-sonders angegeben.
Bei den in der Richtung von vorn nach hinten durch-dringenden Gelenkschüssen lagen, de* Simon'sehen Ver-suche entsprechend, die vorderen Oeffnungen auf demScheibenbande selbst (No. 48, 53, 68) oder unterhalb derKniescheibe (No. 47, 52). Aber auch die Verwundungendurch Geschosse, welche neben der Scheibe ein- oder aus-traten (No. 54 bis 63, 69 bis 73) sind in derselben Weiseaufzufassen, da bei stärkerer Beugung auch die Scheiben-ränder und mit ihnen die Haut der Kniescheibengegendvor die freie Gelenkkapsel zu liegen kommen; selbstbei Wundöffuungen oberhalb der Scheibe (No. 64 bis 67,74) scheint die Möglichkeit der Durchdringung ohneKnochenverletzung nicht ausgeschlossen zu sein, besonderswenn man berücksichtigt, dass der Lauf der Kugel vondem geraden Weg, welchen das durchbohrende Eisen macht,abgelenkt werden kann. Bei den Verwundeten II. undSt. (No. 66 und 67) ist besonders bemerkt, dass keineKnochenverletzung nachzuweisen war.
Die Schusskanäle liefen zweimal gerade von vornnach hinten: vom Scheibenband zur Mitte der Kniekehle(No. 48, 53), meist mehr oder weniger schräg und dreimalin ausgesprochen schräger Richtung (No. 56, 57, 63).Zweimal lagen auch die hinteren Oeffnungen der Kanäle,die vorn am oberen Rand der Scheibe mündeten, oberhalbder Gelenklinie (No. 60 und 64). Dagegen findet sich, demStichversuch entsprechend, einmal bei tief gelegener vor-derer Oeffnung, 2'/> cm unterhalb der Kniescheibe, diehintere Wunde höher, an der Fläche des Oberschenkels10 cm oberhalb des Knies (No. 50), und zweimal (in um-gekehrter Weise) die vordere Oeffnung über der Knie-scheibe, die hintere hingegen am Unterschenkel und imoberen Drittel der Wade (No. 67, 71). Nicht ausgetretenwaren nur 2 Geschosse (No. 65 und 68).
Knorpel- und Knochenstreifungen sind allerdings beiden soeben besprochenen Verwundeten nicht völlig auszu-schliessen, entzogen sich aber bei den Geheilten der Dia-gnose. Ein Sektionsbericht (No. 73) zeigt, wie eine nebender Scheibe eingedrungene und in der Kniekehle ausgetreteneKugel Knorpelstückchen abgelöst hat; doch waren die ge-streiften Stellen wegen der Granulationen und des neu-gebildeten Bindegewebes nicht zu erkennen. Wie unwesent-lich solche Streifungen für die Gelenk Verletzung seinkönnen, geht daraus hervor, dass sich in der geheilten
Gelenkkapsel keine Spur von Eiter, sondern nur klareGelenkflüssigkeit vorfand, obschon ganz in der Nähe einEiterherd lag, der sich um den Schenkelknochen gebildethatte. (Der Tod wurde bei dem in Rede stehenden Ver-wundeten durch eine komplizirende Lungenerkrankungherbeigeführt.)
Querdurchbohrungen der Kapsel ohne Knochen-verletzung fanden, dem Simon sehen Versuch entsprechend,unter dem Scheibenbaude (No. 75 bis 78, 87 bis 89),ausserdem oberhalb der Scheibe zwischen der Sehne desvierköpfigen Muskels und dem Oberschenkelknochen statt(No. 79 bis 85, 90). Nur bei K. (No. 78) war das Ge-schoss stecken geblieben und wurde ausgeschnitten.
Den quer gerichteten Schusskanälen schliesst sich eineschräge Durchbohrung des vorderen Kapselab-schnittes an, zu deren Zustandekommen ebenfalls starkeBeugung im Knie erforderlich ist, da bei gestrecktemBein die Scheibe gerade in die Verbindungslinie derSchussöffnungen zu liegen kommt. Bei dem VerwundetenB. (No. 86) hatte die Kugel, welche aussen oben nebender Kniescheibe eyi-, innen unten von derselben ausgetretenwar, nur die Knorpel der Gelenkfläche des Oberschenkelsgestreift.
Quetschungen der Kniescheibe durch Gewehr-kugeln erlitten 2 Verwundete. Bei v. H. (No. 91) scheintdie Gelenkkapsel selbst nicht wesentlich in Mitleidenschaftgezogen zu sein, da die Bewegung bei der Heilung haupt-sächlich durch die Verdickung der Scheibenbänder behindertwar; bei B. (No. 92) dagegen hatte die Quetschung einenErguss ins Gelenk zur Folge.
Durch Streifungen der Kniescheibe ist das Gelenkbei allen angeführten Verwundeten (No. 93 bis 101) mit-verletzt worden; bei K. (No. 94) ist zwar Kapsel Verletzungoder -Entzündung nicht besonders erwähnt, lässt sich abernach der Lage des quer unter dem Scheibenbande ver-laufenden Schusskanals mit Sicherheit annehmen. DieVerletzungen fanden wagerecht am äusseren Rande(No. 93), quer am unteren (No. 94) und am oberen Rande(No. 95), mit gleichzeitiger Streifung des Oberschenkel-knochens (No. 98), und schräg auf der Vorderfläche derScheibe (No. 97) statt. Nur einmal (No. 97) war dieEntfernung des Geschosses durch Einschnitt erforderlich.
Die Brüche der Kniescheibe (No. 102 bis 127,214 bis 217) entstanden 28 mal durch Gewehrkugeln und2 mal durch Granate (No. 103 und 120). Die Gewehr-geschosse traten theils auf der Kniescheibe ein und nahmen,entweder in der Schussrichtung fortlaufend oder abgelenktdurch den Knochen ihren Ausweg an der Seite des Gelenks(No. 104, 105, 109, 116, 117, 123), theils gingen sie durchdie Scheibe in den Schenkelknochen (No. 124, 214), in dasGelenk (No. 108?) und zur Kniekehle (No. 102, 114, 118,122, 215, 216, 217) oder in umgekehrter Richtung von derKehle zur Scheibe (No. 110). Quer hinter der Kniescheibe,in ähnlicher Weise wie bei B. (No. 86), welcher wegen der