Band III Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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starken Beugung des Knies im Augenblick der Verwundungnur eine Kapselverletzung erlitten hat, verlief der Schuss-kanal bei R. (No. 115). Ein auf der Seime des zweiköpfigenMuskels eintretendes Gesclioss umlief den äusseren Knorrenund traf den Eand der Scheibe (siehe oben, No. 106).Sechsmal war die Kugel nicht ausgetreten. Nach Durch-dringung des Gelenks fand sie sich einmal abgeplattetzwischen den Trümmern der gebrochenen Scheibe (No. HO),so dass sie anfangs für ein Knochenstück gehalten wurde,ferner unter der Haut der Kniekehle (No. 122), 2 mal inder geöffneten Markhöhle des Oberschenkelknochens platt-gedrückt (No. 124) und verunstaltet (No. 214). Bei R.,(No. 108), scheint sie im Gelenk eingeheilt zu sein; auchbei B. (No. 121) war nur eine Eingangsöffnung vorhanden.
Die Verletzungen bestanden in Absprengungen odertheilweisen Zersplitterungen (No. 105, 106, 108, 115, 116,123), in einfachen Brüchen (No. 102, 103, 104, 107, 117bis 121, 124, 125, 214) und in Zerschmetterungen (No. 109bis 113, 122, 126, 127, 215 bis 217). Nur einmal fandsich ein Loch seh uss in der Mitte der Scheibe ohne weitereSplitterung bei dem Franzosen R. (No. 114). GleichzeitigeVerletzung des Oberschenkelknochens erlitten (Sprung imäusseren Knorren und Brüche des Schaftes) Kl. (No. 123),K. und N. (No. 124 und 214).
Streifungen und Rinnenschüsse des Ober-schenkelknochens mit Betheiligung des Kniegelenkswurden 16 mal beobachtet (No. 129 bis 143 und bei L.[No. 150], dessen anderer Oberschenkel gebrochen war). D.(No. 129) erlitt die Streifung noch im Bereiche des Ober-schenkelschaftes, soweit von der Kapsel entfernt, dass dieMitbetheiligung des Gelenks erst im Reservelazareth zuerkennen war; bei R. (No. 130) hatte eine mehr senkrechtverlaufende Kugel die Vorderseite zwischen den Knorrenund bei B. (No. 141) ein quer verlaufendes Geschoss dieHinterseite des Knochens gestreift, während bei denUebrigen die Knorren getroffen waren. Die Kugel warentweder in der Nähe der Kniescheibe (No. 131, 133, 135),zum Theil mit Streifung derselben (No. 134, 150), odervon der Seite (No. 138) oder in der Kniekehle (No. 132)eingetreten; bei C. (No. 140) nahm sie ihren Weg an dervorderen Fläche von oben nach unten, bei Z. (No. 139) ander Seite, indem sie zugleich die Gelenkfläche des Schien-beins streifte, bei v. Seh. und B. (No. 136 und 137) lagdie Verletzung anscheinend hinten, M. (No. 131) hatteeine Durchdringung der Gelenkhöhle selbst erlitten. Deut-liche Rinnenschüsse fanden sich bei B., C. und zwei Un-genannten (No. 137, 140. 142, 143). Der innere Knorrenwar 5 mal (No. 134 bis 136, 143, 150), der äussere 7 mal(No. 131 bis 133, 138 bis 140, 142) getroffen. Einzurückgebliebenes Geschoss wurde erst durch neuen Auf-bruch der vernarbten Wunde zu Tage gefördert (No. 132),ein anderes bei der Sektion am Ende der Schussrinnesteckend gefunden (No. 140), einmal endlich brachte selbst
die Sektion nicht Aufschluss über den Verbleib der Kugel(No. 138).
Bei 4 Geheilten (No. 144 bis 147), welche einen Scliussin den inneren Knorren des Oberschenkels erhalten hatten,war die Kugel nicht ausgetreten, so dass Einheilung der-selben im Knochen als wahrscheinlich anzunehmen ist; dieSchussöffnungen befanden sich 2 mal (No. 144 und 147) ander Seite, 2 mal (No. 145 und 146) vorn neben der Scheibe.Bei dem letztgenannten Verwundeten konnte am innerenRande des Knorrens eine feste, kugelgrosse Geschwulstgefühlt werden. Gleichzeitige Bruchbildung dürfte bei T.(No. 145) stattgefunden haben, da Knorren und Schienbeinspäter verdickt waren. Eingekeilt wurde ferner bei einerSektion (No. 148) die Kugel im äusseren Knorren gefunden,welcher keine weitere Bruchbildung erlitten hatte.
Brüche des Oberschenkelknochens mit Splitte-rung bis ins Gelenk fanden statt bei W. (No. 179),ohne dass der Zusammenhang des Knochens vollständiggetrennt war, ferner bei den Verwundeten No. 180 bis 184,186, 187, 189; innerhalb des Gelenks war der knöcherneSchaft unmittelbar oberhalb der Knorren unter sofortigemAustritt von Gelenkflüssigkeit bei W. (No. 151), untergleichzeitiger Absprengung eines Knorrens bei J. und T.(No. 188, 190) getroffen, ferner so, dass eine Schussöffnungoberhalb der Kniescheibe lag (No. 149, 154, 178). DreiSchusskanäle gingen von der Gegend oberhalb der Knie-scheibe zur Wade (No. 152, 153, 185).
Von besonderen Formen der Verletzung ist ein gabel-förmiger Bruch mit Absprengung des äusseren Knorrensund Einkeilung der Knochenenden ineinander (No. 182),desgleichen ein Bruch mit Absprengung des inneren Knor-rens und Höhlenbildung im Schafte (No. 190) hervor-zuheben. Die grössere hintere Ausgangsöffnung war inletzterem Fall durch Theilung des Geschosses entstanden,dessen Stücke an zwei Stellen die Haut der hinterenSchenkelfläche durchbohrten. Höhlen im Oberschenkel-knochen ohne Ausgangsöffnung mit Sprungbildung in denSchaft hinauf fanden sich 2 mal (No. 124 und 214).
Mehrere Verletzungen der Knorren (No. 155 bis 157,174 bis 177) sind als „Durchbohrungen" bezeichnet, ohnedass sich erkennen lässt, ob eigentliche Lochschüssevorliegen. Selbst die schnelle Schorfheilung und der fieber-lose Verlauf, welcher bei L. und K. (No. 155 und 156)eintrat, lassen nicht ohne Weiteres auf das Vorhandenseineinfacher Knochenkanäle schliessen, da bei der Heilungmehr oder weniger vollkommene Steifheit zurückblieb. Indeiu Sektionsbericht über E. (No. 174) heisst es allerdings,dass das Geschoss, welches bei der Sektion frei im Gelenkgefunden wurde, den Knorren durchbohrt habe, ohne weitereZertrümmerung zu bewirken. Die von Arnold als Lochschussbezeichnete Verwundung des P. (No. 177) bestand in einerunvollkommenen Absprengung einer etwa 2*/a qcm grossenKnochenplatte an der Vorderseite des äusseren Knorrens,welche mit den Rändern durch neugebildete Knochenmasse