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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
los, die Jauchung dauert unaufhaltbar fort. Die Kugelzangedringt wenigstens 14 cm nach vorn in das Becken hinein. Am10. November trat der Tod ein.
Sektion: Die Kugel hat den tiefsten Theil des Pfannen-bodens vom Becken aus durchdrungen, das Hüftgelenk ist mitjauchigen Massen erfüllt, der Gelenkknorpel am Kopfe zer-fressen, in der Pfanne noch unversehrt, fast die ganze Darm-beinschaufel ist abgestorben. (Vergl. Koch, S. 110, No. 44;Deininger, S. 314, No. 5.)
105. Deutscher A. W., verwundet am 4. August 1870 beiWeissenburg, gestorben am 11. September im ReservelazarethHeidelberg. Wundöffnungen: In der rechten Kreuzbein-gegend 2 Vi cm von der Mittellinie entfernt und anderinneren Seite des rechten Oberschenkels im oberenDrittheil. Im Zellgewebe des kleinen Beckens besteht aufder rechten Seite eine Jauchehöhle, von der man nach untenund hinten, sowie nach oben und vorn in den Schusskanalgelangt. Mitten in dem eitrig durchsetzten Gewebe liegt derN. obturatorius und ischiadicus. Die rechte Pfanne hatin der Mitte eine zackige Oeffnung; an dem unteren Handderselben liegt ein dreieckiger Knochensplitter, dessen Spitzenach unten gerichtet ist. Vom unteren Band desselben ziehenSprünge durch das Sitzbein. An der inneren Seitedes Gelenkkopfes verläuft eine ziemlich tiefe Rinne.Knorpel der Pfanne und des Kopfes zerstört. Der untere Lappender linken Lunge enthält metastatische Herde, die rechte Lungeumgrenzte Bronchopneumonien. Die Milz ist vergrössert. (Vergl.Arnold, S. 85, No. 51; v. Langenbeck, S. 66, No. 63;Deininger, S. 332, No. (33.)
G. Bruch des Beckens ausserhalb der Pfanne.
106. D. IL, Musketier vom 8. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 64 (Prinz Friedrich Karl von Preussen), verwundetam 18. August 1870: Gewehrschuss rechts von der Schambein-fuge, ohne Ausgang. Der Schusskanal geht nach rechts undunten. 28. August: Geringe Eiterung, der Verwundete stehtnoch sicher und vermag auch einige Schritte zu gehen.3. September: Etwa 5 cm unter dem vorderen oberen Darm-beinstachel wird die Kugel aus einem Eiterherde, der sichunter dem Sartorius gebildet hat, durch Einschnitt her-vorgeholt. 6. September: Grosse Schmerzen im Knie. Lagedes Schenkels wie im ersten Stadium der Hüftgelenk-entzündung. Eröffnung des Gelenks lässt sich nicht bestimmtfeststellen, dagegen findet sich eine Zerschmetterung deswagerechten Schambeinastes. Zugstreckung und Verbandmit Karbolsäure und Leinöl im Verhältniss von 1:10. Aus-spritzung mit übermangansaurem Kali; Gelenköffnung nicht zufinden. 19. September: Da die Zugstreckung nicht mehr aus-gehalten wurde, fand einfache Feststellung des Gliedes statt.Bedeutende Schmerzen im ganzen Bein und Anschwellung desOberschenkels. Allgemeinbefinden schlecht. 20. September: DieSchmerzen Hessen nach, auch Stoss des Oberschenkels gegen diePfanne zu schmerzte nicht. 24. September: Der Schusskanalist zum ersten Male durchgängig für einen Wasserstrahl.Beide Wunden fangen wieder an guten Eiter abzusondern.30. September: Starke Schwellung, Röthung und Schmerz-haftigkeit des Hodensacks; beim Druck auf denselben quilltschwärzliche, übelriechende Flüssigkeit hervor. Hinter demrechten grossen Rollhügel wurde Jauche durch Einschnittentleert. Man gelangte nun mit dem Finger in das zerstörteHüftgelenk. Schmerzhaftigkeit im Unterleibe, Uebelkeit undErbrechen, aufgetriebener Leib, Durchfall, starkes Fieber.9. Oktober: Tod an Bauchfellentzündung.
Sektion: Ueber der Pfanne befindet sich ein grosser Eiter-herd, der theilweise nach innen durchgebrochen ist. Der Kopf istunversehrt. Ausser der Absprengung am Beckenrande istder Pfannenboden durchlöchert. Die ganze knöcherne Be-grenzung der Pfanne ist zerfressen; an der Innenseite des Hüft-beines finden sich zahlreiche flache Knochensprossen. Es bestehtallgemeine eitrige Durchtränkung des Bindegewebes im grossenBecken. (Vergl. H. Fischer, S. 134, No.166; Tf. IV. No. 25;v. Langenbeck, S. 55, No. 3; Deininger, S. 318, No. 17.)
H. Schusswunden des Hüftgelenks
ohne genauere Angabe der getroffenen Tlieile.
107. W. IL, Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss durch das obere Drittel desrechten Oberschenkels, mit Verletzung des Hüft-gelenks.
Am 16. Februar 1871 mit steifem Gelenk aus dem Reserve-lazareth zu Hannover geheilt entlassen. Die Gebrauchsfähigkeitdes Beines war bei grosser Schwäche des Gliedes noch sehrmangelhaft.
108. F., Soldat vom Sächsischen 4. Infanterie-RegimentNo. 103, verwundet am 29. August 1870: Gewehrschuss durchden Hodensack, ins rechte Hüftgelenk eindringend. Geheilt.Befund im Dezember 1871: Die Gelenkgegend ist so verdickt,dass es ungewiss bleibt, ob die Kapsel verdickt oder der Gelenk-kopf verrenkt und verwachsen ist; das Becken steht schief, dasBein scheint verlängert, der Oberschenkel ist im Hüftgelenk völligunbeweglich. Dauernd ganzinvalide, dauernd gänzlich erwerbs-unfähig, dauernd einfach verstümmelt. (Vergl. Evers, S. 381,No. 75.)
109. H., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss ins rechte Hüftgelenk. Eingang an derHinterbacke; das Geschoss blieb stecken und wurde nichtgefunden. Wurde geheilt. Verrenkung des Oberschenkels aufdas Darmbein, Oberschenkel gebeugt, einwärts gedreht, mehrereZoll verkürzt; Hüftgelenk vollkommen unbeweglich, Bewegungnur mit zwei Krücken.
1872 gänzlich erwerbsunfähig und verstümmelt. (Vergl.Berthold, S. 522; v. Langenbeck, S. 51,No. 11; Deininger,S. 322, No. 36.)
110. R. B., vom Magdeburgischen Husaren - RegimentNo. 10, verwundet am 30. August 1870: Gewehrschuss durchdas rechte Hüftgelenk. Im Jahre 1872 noch ein Knochen-splitter ausgestossen; es besteht ein grosses fistulöses Geschwür.Nach 40 Bädern in Wiesbaden Geschwür fast geheilt, Bein etwaskräftiger; vollständige Verwachsung des Gelenkkopfesmit der Pfanne, Schiefstellung des Beckens, Verbiegung derWirbelsäule, scheinbare Verlängerung des rechten Beines, Gehenmit Hilfe eines Stockes. (Vergl. Neubauer, S. 206, No. 2;v. Langenbeck, S. 54, No. 25; Deininger, S. 330, No. 55.)
111. W., verwundet am 30. November 1870 durch Schussins rechte Hüftgelenk. Langdauernde Behandlung, starke Eite-rung, hohes Fieber, mehrmalige Entleerung von Knochen-splittern. Heilung mit unvollkommener Steifheit.
Bei der Invalidisirung im Dezember 1871 bestanden nochmehrere Fisteln, aus denen Eiter und „synoviaähnliche" Flüssig-keit entleert wurde. Allgemeinbefinden gut. (Vergl. v. Beck,S.600, No. a. 1; Deininger, S. 318, No. 19.)
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