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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

Iin April 1872 noch 2 eiternde Fisteln, Oberschenkel nachoben und hinten verrenkt, unbeweglich; das linke Knieangezogen und etwas nach innen gedreht, steht 7 cm höher alsdas rechte; das ganze Bein stark abgemagert, Bewegung nurmit Krücken möglich. Dauernd ganzinvalide, zeitig gänzlicherwerbsunfähig, verstümmelt. (Vergl. Berthold, S. 521;v. Langenbeck, S. 50, No. 10; Deininger, S. 322, No. 35.)

89. N., Musketier, verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss. Eingang dicht unterhalb des linkengrossen Kollhügels. Das Hüftgelenk ist eröffnet, die Kugelsteckt. Starke Verschiebung der Knochenstücke. Ausserdem noch2 Weichtheilschüsse. 22. August: Die vorgeschlagene Exartiku-lation wurde verweigert; Lagerung in Drahthose. 23. September:Tod an Septicämie.

Sektion: Das Hüftgelenk ist verjaucht und steht in Ver-bindung mit dem Jaucheherd des Schenkels. 20 bis 30 Blei-stücke von Groschen- bis Sandkorngrösse theils inder Gelenkhöhle und der Pfanne eingebettet, theilsfrei in der Jauchehöhle. (Vergl. Ott, S. 51; v. Langen-beck, S. 55, No. 1; Deininger, S. 334, No. 64.)

90. W. B., verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte:Eingang links über dem grossen Rollhügel. Tod am 10. Sep-tember in Heidelberg.

Sektion: Das Geschoss mit abgeplatteter Spitze liegtam aufsteigenden Sitzbeinast, der hier ohne Beinhaut undoberflächlich abgeblättert ist. Das linke Hüftgelenk mitEiter und Knochensplittern angefüllt. Der Gelenkkopf hatauf der vorderen und inneren Seite einen ausgebreitetenKnochenverlust und ausserdem zahlreiche Sprünge. Ander Pfanne ebenfalls im inneren Abschnitt Knochen-verlust. Der knorplige Ueberzug der Pfanne und des Kopfesist zerstört. Neben der Blase eine grosse Eiterhöhle. Das grosseNetz in dem Wurmfortsatz ist verwachsen mit dem Bauchfell-Überzug der Blase. Brustfellerguss. (Vergl. Arnold, S. 811,No. 80; v. Langenbeck, S. 66, No. 62; Deininger, S. 332,No. 62.)

91. A. W., Musketier vom 2. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 47, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschuss in die linke Hüfte mit Knochenbruch. Eintritts-öffnung oberhalb des grossen Rollhügels; Ausgangsöffnung fehlt,das Geschoss steckt. W. konnte nach der Verletzung noch auf-treten; Chlorkalkverband. 13. August: Beim Suchen nach demGeschoss entsteht eine grosse Blutung; in der Tiefe der Wundefühlt man ausgedehnte Zertrümmerung. 16. August: Diphtherieder Wunden, Irrereden bei sehr hohem Fieber, Erschöpfung.28. August: Tod.

Sektion: Der Gelenkkopf ist zerschmettert, vonder Pfanne einzelne Theile abgesprengt; starke festeSchwellung der Weichtheile.

92. E., vom 4. Magdeburgischen Infanterie-RegimentNo. 67, verwundet am 18. August 1870, aufgenommen inOttweiler am 26. August: Ausser Streifschüssen am linken Ober-und Unterarm, augeblich durch Schrapnels, Schuss in die linkeHüfte. Eingang am linken Gesäss, 2V» cm von der Afterleiste.Der Verwundete war noch einige Zeit gelaufen. Ein langerSchlisskanal führte zum Hüftgelenk, über dessen Zustand keineKlarheit geschafft werden konnte, obwohl Knarren in demselbenzu fühlen war. Kugel nicht zu entdecken. Furchtbare Schmerzen,grosse Unruhe. Am 3. September starke Blutung, durch Aus-stopfung gestillt. Während der Umlagerung stand der Ver-wundete auf beiden Beinen und ging selbst bis zum anderenBett. Wenige Stunden darauf trat Tod an Herzschlag ein.

Sektion: Brandige Phlegmone unter den Muskeln derHinterbacke. Der hintere Pfannenrand zersplittert. ImGelenkkopf, der in zwei Stücke gespalten ist, sitztdie gut erhaltene Kugel. Das Bruchstück mit der Kugelzeigt noch einen Spvung, der aber nicht vollständig durch denKnochen dringt. Gelenk wenig verändert. Die Blutung stammteaus der Glutaea. (Vergl. H. Fischer, S. 200 und 201, No. 327,Tafel III. Fig. 15; v.Langenbeck, S. 56, No. 5; Deininger,S. 318, No. 18.)

93. W. L., vom 1. Hannoverschen Infanterie-RegimentNo. 74, verwundet am 4. August 1870 bei Saarbrücken, kamohne Verband in Darmstadt an und ging zu Fuss vom Bahnhofnach der Vorstadt Bessungen. Eingang hinter dem grossenRollhügel, Ausgang vorn neben dem oberen Darmbeinstachel.Das Hüftgelenk war beweglich und schmerzlos. Ruhestellungdes Beines und Bettlage. Bald starke Eiterung aus dem Schuss-kanal; Drainage. Das Fieber begann allmälig zu steigen, dieEiterung wurde jauchig. 26. August: Starke Schwellung um dasGelenk und Schmerzhaftigkeit bei Bewegungen. Die Sonde stiessjetzt auf Knochen in der Richtung des Pfannenrandes. Am27. August wurden durch Einschnitte Knochensplitter derPfanne und vom Schenkelkopf entfernt. Wegen hoch-gradiger septischer Infektion wurde von der Resektion abge-standen. Am 1. September 1870: Tod.

Sektion: Verjauchung um das Hüftgelenk, Pfanne ge-splittert, Kopfverletzung gering. (Vergl. Lücke, S. 65,No. 58; v. Langenbeck, S. 62, No. 23; Deininger, S. 318,No. 24.)

94. F. D., Gefreiter vom 3. Posenschen Infanterie-Regi-ment No. 58, verwundet am 19. Januar 1871: Gewehrschussin die linke Leistengegend, ohne Ausgangsöffuung. MassigeEiterung, lebhafte Schmerzen. Befinden anfangs befriedigend.Ende der zweiten Woche Schüttelfröste. Am 10. Februar: Todan Pyämie.

Sektion: Kugel in der oberen Wand der Hüft-pfanne, Gelenk eröffnet, Gelenkkopf seitlich durch-furcht. (Vergl. Kirchner, S. 54, No. 128; Deininger,S. 316, No. 14.)

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95. P. L., vom 50. Französischen Linien-lnfanterie-Uegi-

ment, verwundet am 4. August 1870: Durch einen quer ver-laufenden Schuss Splitterung der Gelenkenden des Ellenbogen-gelenks. Eine zweite Kugel war hinter dem rechten grossenRollhügel eingedrungen und hatte das Hüftgelenk verletzt.Der Verwundete war schon septicämisch, beide Wunden jauchtenstark. Tod am 14. August. i

Sektion: Der Schenkelkopf war bloss gestreift, da*gegen drang die Kugel durch den hinteren Rand derPfanne ein und zertrümmerte die ganze Verbindungdes Hüftbeins mit der Pfanne. Musculus iliacus verjaucht.Keine Bauchfellentzündung. (Vergl. Czerny, S. 64, No. 90.)

96. A. C, Franzose, verwundet bei Wörth am 6. August1870 durch Gewehrschuss. Eingang links, dicht unter demLeistenbaud nach aussen von den Gefässen. Ausgang durch dasKreuzbein. Die Kugel hatte Gelenkkopf und Pfanne durchbohrt,das Becken durchlaufen. Tod am 51. Tage.

Sektion: Das Gelenk war verjaucht, links neben derBlase eine Höhle voll Koth, Eiter und Knochensplittern, derMastdarm an seiner hinteren Wand geöffnet. (Vergl.So ein, S. 166, No. 2; Klebs, S. 90, No. 131; v.Langenbeck,S. 59, No. 14; Deininger, S. 314, No. 3.)